Ahrweiler Bürgerzentrum: Jecke Stars gaben sich die Klinke in die Hand

Ahrweiler Bürgerzentrum : Jecke Stars gaben sich die Klinke in die Hand

"Seit 1984" steht auf dem Briefbogen der Karnevalsgesellschaft "Bäcker Hellwach", einer KG, die sich vor nunmehr 30 Jahren aus einer Gruppe von Bäckern der Innung des Kreises Ahrweiler gründete.

Vorausgegangen war ein Kegelclub, daraus entwachsen ist eine KG, die seit vielen Jahren Karnevalssitzungen präsentiert. Am Sonntag war es wieder so weit, im Ahrweiler Bürgerzentrum stand die Prunksitzung an, wie alljährlich seit Monaten ausverkauft.

Das Rezept der närrischen Bäcker ist denkbar einfach: Sie kaufen kein fertiges Programm, sie schauen sich all das an, was sie dem Publikum letztendlich präsentieren wollen. Vorstellabende und andere Sitzungen, das ist das Ziel der KG-Mitglieder um ihren Präsidenten Hermann-Josef Gill.

Der kündigte nun an, letztmalig die Sitzung zu moderieren, ein Nachfolger ist in Volker Scherhag längst gefunden. Gill hatte nun noch einmal Gelegenheit, das Beste aus dem rheinischen Karneval präsentieren zu können. Zehn Punkte umfasste das fünfstündige Sitzungsprogramm.

Grandiose Redner waren dabei, wie Martin Schopps, der sich freute, in gut gelaunte Gesichter blicken zu können. Das sei ihm im Alltag nicht vergönnt, da ist er Lehrer. Und da muss er die Ansprüche gegenüber früher runterschrauben, denn heute heißt es nicht mehr: "Wer nämlich mit "h" schreibt, ist dämlich", sondern "Wer nämlich mit "h" schreibt, kennt immerhin schon sieben Buchstaben und hält den Stift richtig."

Da wundert es auch nicht, dass die Mehrzahl von Schwein "Meerschwein" ist. Ebenso stark: Dieter Röder als "Ne Knallkopp." Die Hände in den Taschen der Hose mit reichlich "Hochwasser" haut er einen Gag nach dem anderen raus, ohne auch nur eine Miene zu verziehen. Da bekommt jeder sein Fett weg, vor allem seine Frau.

"Alte Hasen" im Geschäft sind Klaus und Willi, also Bauchredner und Affe. Der frechste Affe des Landes wohlgemerkt, der seinem "Herrchen" auf dessen Aussage, so alt sei er doch noch gar nicht, entgegnet: "Auf deiner Uhr steht Fossil." Bei den Bäckern gab es aber auch etwas fürs Auge, die Bürgergarde Blau-Gold aus Köln zum Beispiel, die zum Auftakt mit 85 "staatse Kärls" und einem Mariechen einmarschierte, um dem Publikum einzuheizen.

Ganz was anderes nach der Halbzeit: Die Tanzgarde der Narrenzunft Gelb-Rot Koblenz entführte das Publikum ins Reich der Mitte. Herrliche Kostüme, eine tolle Choreographie und ein Feuerwerk an exzellenten Tanzeinlagen, das hatte einen Touch von Varieté auf der Narrenbühne. Die wurde gegen Ende der Sitzung noch einmal richtig strapaziert, denn mit den "Höppemötzjern" kam eines der besten Kölner Tanzcorps ins Bürgerzentrum.

Das Corps der "Kölschen Narrengilde" begeisterte mit feinster Akrobatik zu kölschen Klängen, dabei flogen die Mädels bis unters Dach des Bürgerzentrums. Und dann war da noch die Musik, im Karneval der Stimmungsbringer schlechthin. Ein Heimspiel hatten die "Botzedresser" aus Niederzissen.

Das große Los hatten die Bäcker auch mit der Verpflichtung der "Mickey Brühl Band" gezogen. Der ehemalige Frontmann der "Paveier" hat ein tolles Sextett zusammengestellt. Außerdem musizierten die "Kölsch Fraktion" und die Bonner Formation "Querbeat". Die 20 jungen Musiker, die nicht nur in die Instrumente blasen, sondern dazu auch noch eine perfekte Bühnenshow abliefern, "Heidewitzka" als Samba spielen und Rock'n'Roll und Schunkellieder in einem Stück präsentieren, bezeichnen sich als "geilste Band der Welt".