Ausschussitzung in Bad Neuenahr: Grundschule wählt Container gegen Platznot

Ausschussitzung in Bad Neuenahr : Grundschule wählt Container gegen Platznot

Die Bad Neuenahrer Grundschule soll fünfzügig werden, doch es fehlt an Platz. Nun sollen Container die Lösung bringen.

Der kleine Sitzungssaal des Rathauses platzte am Donnerstagabend aus den Nähten. Gleich mehrere Dutzend Eltern und Lehrkräfte wollten wissen, wie es bei einer künftigen Fünfzügigkeit um die Bad Neuenahrer Grundschule bestellt ist. Darüber hatte der Schulträgerausschuss zu beraten. Das Ergebnis vorweg: Der Ausschuss empfiehlt mit zehn Stimmen dem Stadtrat eine zeitlich befristete Containerlösung, wobei auch die Option für den Kauf eines gebrauchten Containers mit 60 Quadratmetern Klassenraum und Platz für 24 Kinder eingeschlossen ist. Lediglich vier Stimmen von CDU und Stadtvize-Peter Diewald als Vorsitzendem gab es für den Vorschlag der Verwaltung, für ein Jahr probeweise einen Teil der Aula abzutrennen und dann noch einmal die Containerlösung auf den Tisch zu bringen. Im Ausschuss waren auch die Vertreter der städtischen Schulen stimmberechtigt.

Massiv hatten Schulleiterin Ursula Bell und Andrea Rösler als Elternsprecherin für die Containerlösung geworben. Und auch die Option eines Gebrauchtcontainers ins Spiel gebracht. Die Aula sei unerlässlich als Rückzugsraum für die Kinder in der Mittagszeit. 225 der aktuell 319 Schüler besuchen ganztags die Grundschule. Auch werde die Aula für kulturelle Veranstaltungen gebraucht.

Klar wurde: Die Schule hat zwar nur vier Schüler mehr als vor zehn Jahren, doch der pädagogischen Aufgaben sind immer mehr geworden. So müssten Fördergruppen oder die Ethikgruppe schon jetzt dann in einen Klassenraum einziehen, wenn die Stammklasse gerade zum Sportunterricht sei. Und auch auf dem Flur sei sich schon beholfen worden, sagte Bell, die erklärte: „Seit Jahren machen wir Kompromisse, aber wir können nicht auf die Aula verzichten.“

Dass letztere bei einer Sanierung oder einem Neubau der Schule erhalten bleiben soll und muss, machte Bürgermeister Guido Orthen als zuständiger Dezernatsleiter klar. Aber auch, dass die Stadt als Träger das pädagogische Konzept der Schule begrüße, letztlich aber nur für die Schaffung von Räumlichkeiten zuständig sei. „Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht und einen vernünftigen Vorschlag unterbreitet.“ Für die Schulpolitik und die damit verbundenen Auswirkungen sei das Land zuständig.

Dieses räumt per Gesetz den Schulleitern über Schülermesszahlen für Klassen (24 Schüler, Teilung ab 25) die Möglichkeit ein, zum Beispiel auch aus 73 Schülern drei oder vier Klassen zu machen. In Bad Neuenahr sind es bislang vier, was Rektorin Bell mit ihrem Konzept kleiner Klassen begründet: „Sie glauben gar nicht, was fünf oder sechs Kinder mehr in einer Klasse ausmachen.“ Aber auch damit, dass es während eines Schuljahres durchaus zu Neuzugängen komme.

Mit einer Fünfzügigkeit und damit erhöhtem Raumbedarf wird seitens der Stadt nach den prognostizierten Schülerzahlen erstmals für das Schuljahr 2020/2021 gerechnet. Außerdem könnte dieses für das Schuljahr 2022/2023 der Fall sein. Als Lösungsvarianten ausgeschieden waren dafür bereits die Zusammenfassung von zwei Förderräumen im Kellergeschoss sowie der Umbau des Foyers durch den Einbau eines weiteren Klassenraums. Ob der Beschlussvorschlag des Schulträgerausschusses pro Containerlösung auch vom Bau- und Planungsausschuss und dem Haupt- und Finanzausschuss getragen wird, bleibt abzuwarten. Dort ist, wie im Stadtrat, der das letzte Wort hat, nur die Politik stimmberechtigt.

Da gab Wolfgang Schlagwein für die Grünen schon mal die Marschrichtung vor: „Wenn wir als Stadt mit neuen Baugebieten um junge Familien werben, dann müssen wir auch für die notwendige Infrastruktur sorgen. Und da gehört die Grundschule dazu.“ Er sei zwar kein Freund von Containern, aber wenn es die Schule so wünsche, solle es so sein. Auch Ronny Wolf von den Freien Wählern signalisierte, dass sich seine Fraktion so entscheiden könnte. Klaus Kniel nannte für die CDU indes die Ursache der ganzen Crux: „Wir haben nicht mehr Schüler, aber mehr Schüler mit mehr Problemen.“ Und dafür brauche es eben Platz.

Den soll es ja spätestens geben, wenn Sanierung respektive Neubau realisiert werden. Da stehen für den Fall eines Neubaus dann laut Guido Orthen geschätzte rund 13 Millionen Euro an, die es für eine vier- bis viereinhalbzügige Schule von Stadt und Land zu stemmen gelte: „Fast so viel, wie für das neue Hallenbad am Twin.“

Noch vor vier Jahren war die Stadt nach den seinerzeit geltenden Förderrichtlinien von einem städtischen Anteil für eine dreieinhalb- bis vierzügige Grundschule mit 14 bis 16 Klassen- und Nebenräumen von rund fünf Millionen Euro ausgegangen. Der Sanierungsbedarf wurde auf 3,8 Millionen Euro geschätzt.

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