Stadtentwicklung in Bonn und Region: "Grüne Achse" zur Ahr soll Sinzig beleben

Stadtentwicklung in Bonn und Region : "Grüne Achse" zur Ahr soll Sinzig beleben

Sinzig könnte eine „grüne Entwicklungsachse“ zwischen der Innenstadt und der Ahr schaffen. Dies ist ein zentraler Vorschlag im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept für die Barbarossastadt, das jetzt präsentiert und mit Beifall aufgenommen wurde.

Landauf und landab wird an integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepten (Isek) in der Städtebauförderung als Arbeitshilfe für Kommunen gearbeitet. Der Bund hat dieses Programm aufgelegt, um nicht zuletzt auch finanzielle Hilfestellung dabei zu leisten, insbesondere Innenstädte attraktiver zu gestalten. Sinzig als 18.000 Einwohner zählendes Mittelzentrum an Rhein und Ahr macht dabei mit und will vom Förderprogramm profitieren. Vorgegebene Auflage: Die Bürger müssen straff eingebunden werden. Sie sollen mitgestalten, wohin sich ihre Stadt bewegt.

Bereits die Auftaktveranstaltung vor genau einem Jahr war vielversprechend: Zahlreiche Sinziger waren gekommen und zeigten Mitmachinteresse. In Workshops und „Planungswerkstätten“ wurden Ideen und Visionen entwickelt, deren Umsetzungsmöglichkeiten allerdings faktisch begrenzt sind.

Begleitet von Beratungs-, Architektur- und Stadtplanungsbüros, startete man mit einer Stärken- und Schwächenanalyse, nahm Gebäude- und Nutzungsstrukturen, Handel, Gastronomie, Potenzialflächen, die soziale Infrastruktur, den Tourismus oder auch die Lenkung der Verkehrsströme unter die Lupe. Das Ziel: ein Stadtumbau. In kleinen Schritten.

Industriebrache „Rick-Areal“ ist in Privatbesitz

Als ein Hauptbestandteil des räumlichen Entwicklungskonzeptes kristallisierte sich eine „grüne Entwicklungsachse“ zwischen der Innenstadt und der Ahr mit den drei Entwicklungsflächen Alte Druckerei, Jahnwiese und Rick-Gelände heraus. Allerdings: Das 30.000 Quadratmeter große Rick-Areal ist seit 2017 eigentlich als Standort für ein Nahversorgungszentrum vorgesehen und befindet sich in Privatbesitz.

Für die Pläner drängt sich dennoch eine alternative Nutzung der Industriebrache auf: Die Erschließung des Naherholungsgebietes Ahr mit einer direkten Anbindung an das „Erlebnis Innenstadt mit Kultur, Gastronomie und Einzelhandel“ – was freilich den Ankauf des Geländes und die Einstellung der Nahversorgungspläne erforderlich macht.

Auch bei der Alten Druckerei und dem damit korrespondierenden, an der Bachovenstraße gelegenen Gebäudeensemble dürfte man schnell an Grenzen stoßen: Der gesamte, für die Innenstadtgestaltung so wichtige Komplex befindet sich im Eigentum einer Kölner Investorin. „Wenn man es nicht anpackt, wird sich auch nichts ändern“, meinte die Mitverfasserin des Entwicklungskonzeptes, Gudula Böckenholt, zu den beschränkten Realisierungsmöglichkeiten der im Konzept zusammengestellten Vorschläge.

Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron unterstrich derweil: „Es handelt sich um ein zentrales Steuerungsinstrument für die Entwicklung der nächsten Jahre.“ Und schränkte ein: „Es ist ein abstrakter Rahmen.“ Tatsächlich handelt es sich eher um eine grobe Orientierung für die Entwicklung der Innenstadt. Böckenholt sprach von einer „Eintrittskarte“ zur Förderung aller im Konzept aufgenommenen Projekte. Denn sind gemeldete Projekte anerkannt, dann winken staatliche Hilfen in Form von Fördermitteln und steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten.

„Aufenthaltsqualität“ soll gesteigert werden

Während die zentrale Verbindungsachse zwischen der Innenstadt und der Ahr im besonderen Fokus steht, will man auch die „Aufenthaltsqualität“ im Schlosspark steigern, den Marktplatz neu gestalten, den Kirchplatz funktional und gestalterisch aufwerten. Gleiches gilt für den Lunapark. Und klar – das darf in keinem Entwicklungskonzept fehlen – die Eingangsportale der Stadt sollen schöner werden. Ein weiterer Akzent liegt auf dem Thema Verkehr. Ein Konzept für die Innenstadt ist ebenso aufgeführt wie der Ausbau der Fahrradinfrastruktur oder ein Parkleitsystem.

Für private Hauseigentümer wichtig: das Hof- und Fassadenprogramm. Wer die Optik seiner Innenstadtimmobilie aufhübscht, darf mit Unterstützung rechnen. Jedenfalls dann, wenn die städtischen Gremien das Konzept so absegnen und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) als übergeordnete Behörde zustimmt.

Gewidmet hatte man sich auch dem Einzelhandel und der Gastronomie. Eine „Optimierung des Leerstandsmanagements“ wird im Konzept als Handlungsempfehlung genannt, obwohl sich die Leerstandsquote in Sinzig mit vier Prozent in einer äußerst moderaten Dimension bewegt.

Zum Einzelhandel und ihren oftmals inhabergeführten Betrieben meinte Böckenholt: „Es gibt ein vielfältiges Angebot.“ IHK und Einzelhandelsgutachten kommen hingegen zu dem Schluss, dass der Zentralitätswert unterdurchschnittlich ist. Bedeutet: Die Bindung der in der Stadt vorhandenen Kaufkraft lässt – obwohl besser geworden – nach wie vor zu wünschen übrig: Zu viel Geld pendelt aus Sinzig in andere Mittel- und Oberzentren hinaus. Gäbe es den vor rund zehn Jahren nur gegen erheblichen Widerstand gebauten Vollsortimenter „Kaufland“ als Frequenzbringer und Magneten nicht, so sähe die Bindungsquote noch reichlich viel schlechter aus.

Als nächstes sind die Gremien am Zug

Der Gastronomie wird eine „Ausbau- und Qualitätsoffensive“ empfohlen, zudem fehle es an einem Hotel. „Es gibt ein großes Defizit an Übernachtungsmöglichkeiten“, trug Böckenholt vor. Ob es allerdings überhaupt eine messbare Nachfrage nach Hotelbetten in Sinzig gibt, kann wohl nur eine Standort- und Marktanalyse von Investoren und Hotelbetreibern ergeben. Ein erkennbares Interesse ist bislang nicht bekannt.

Indes sicherlich schnell und wenig problembehaftet umsetzbar dürfte hingegen ein Beleuchtungskonzept sein, mit dem man beispielsweise die Freiräume unter der Brücke der B 9 illuminieren und aufwerten könnte.

Zunächst sind nun die städtischen Gremien am Zuge. Bauausschuss und Stadtrat werden sich mit dem Konzept zu beschäftigen haben, das von den Sinzigern mit Beifall aufgenommen wurde.