Handwerk im Kreis Ahrweiler: Fleischer haben massive Nachwuchssorgen

Handwerk im Kreis Ahrweiler : Fleischer haben massive Nachwuchssorgen

In diesem Sommer erhalten im Innungsgebiet Ahrweiler nur ein Fleischer und ein Fleischereifachverkäufer den Gesellenbrief. Prüfungen und Lossprechungen finden schon lange im Verbund mehrerer Innungen statt.

Nachwuchs- und Fachkräftemangel sind ein großes gesellschaftliches Problem. Besonders betroffen ist das Handwerk. In der Fleischer-Innung des Kreises Ahrweiler stellt man zwar einen neuen Trend hin zu qualitativ hochwertigem Fleisch vom Metzger um die Ecke fest, von einer Kehrtwende ist man gerade nach den jüngsten Preisattacken der Discounter jedoch weit entfernt.

„Natürlich soll es unsere Metzgerei auch in 20 Jahren noch geben“, zeigt sich Obermeisterin Dagmar Groß-Mauer optimistisch. Fraglich angesichts der derzeitigen Entwicklung dürfte aber sein, wer dann das Personal bildet, wer schlachtet, Fleisch und Wurst zubereitet und wer diese verkauft. Aktuell sieht es so aus, dass in diesem Sommer im Innungsgebiet Ahrweiler genau ein Fleischer und ein Fleischereifachverkäufer den Gesellenbrief erhielten.

Prüfungen und Lossprechungen finden schon lange im Verbund mehrerer Innungen statt. „Fünf Fleischer waren da in diesem Jahr dabei“, berichtete Darius Naumann, einziger neuer Fleischergeselle des Kreises. Er hat seine Ausbildung bei der Heppinger Metzgerei Friedrichs absolviert, ist aber aktuell in einem Supermarkt beschäftigt und bildet sich dort in Sachen Verkauf fort. Die einst avisierten Pläne, auch den Meisterbrief zu erwerben, hat er aktuell beiseite gelegt.

In Remagen lernte Martin Schneider das Handwerk des Fleischereifachverkäufers, nachdem mit Niklas Gemein dort vor Jahresfrist ein weiterer Azubi den Gesellenbrief des Fleischers erhalten hatte. Großes Glück für die dort ansässige Metzgerei Faßbender und Ausbilder Hans-Josef Faßbender, denn die beiden jungen Herren gehören zur Familie und haben sich entschieden, am Fortbestand des Betriebes mitzuarbeiten. „Bewerbungen für einen der beiden Berufe bekommen wir schon seit Jahren nicht mehr“, berichtete Norbert Faßbender und machte unumwunden klar: „Wir wissen nicht, wie das in Zukunft weitergehen soll.“

Paradox, aber ein Gutes hat die Situation für Naumann und Schneider: Sie sind als einzige Gesellen der Innung automatisch auch Prüfungsbeste. Und das bedeutet, dass ihnen jeweils der mit 500 Euro dotierte Förderpreis der Kreissparkassen-Stiftung zugesprochen wird. Vorstand Achim Gemein überreichte den Jung-Gesellen die Förderzusage und ermunterte sie, sich weiter fortzubilden. Auch Groß-Mauer und Geschäftsführer Alexander Zeitler gratulierten.

Mehr von GA BONN