Kommentar zum Thema Pflegenotstand: Düstere Perspektiven

Kommentar zum Thema Pflegenotstand : Düstere Perspektiven

Schlechte Versorgung, dramatische Personalnot und hohe Kosten bestimmen die Pflege in Deutschland. Darüber diskutierten nun Experten im Evangelischen Gemeindehaus in Bad Neuenahr.

Es war eine schwierige Diskussion, die rund um das Thema „Stationäre Pflege“ in Bad Neuenahr geführt wurde. Insbesondere deshalb, weil es nur wenige Lösungsansätze für das von Personalnot und Unterfinanzierung geprägte Dilemma zu geben scheint. Sieht man einmal von den Beiträgen des Remagener Sozialwissenschaftlers Stefan Sell ab, so trat außer düsteren Perspektiven wenig Hoffnungsvolles zutage.

Auch wenn es kein Patentrezept gibt, mit dem ein Spurwechsel in der Pflege gesellschaftspolitisch verordnet werden kann, so hätte man sich etwas mehr Optimismus und etwas konkretere Verbesserungsvorschläge erhoffen dürfen.

Hilflos, ratlos, konzeptlos, ohnmächtig geht man mit dem Thema um, das immer stärker auf den Nägeln brennt. Mit höheren Gehältern für das Pflegepersonal wird es nicht getan sein. Das klappt ja schon bei Ärzten nicht. Ein weiteres Abwälzen auf privatwirtschaftlich organisierte Pflege dürfte ebenfalls problematisch sein: Alte dürfen nicht zum Spielball wirtschaftlicher Interessen werden. Und mehr Personal finden private Träger auch nicht.

Ob Altenpfleger nun – wie so oft betont – „ein schöner Beruf ist“ oder in den Augen von Berufsanfängern eher das Gegenteil zutrifft, soll jeder einzelne für sich entscheiden. Fakt ist: Es gibt 17 000 offene Stellen. Und das muss sich bei einem tatsächlichen Bedarf von mindestens 35 000 dringend erforderlichen zusätzlichen Stellen sehr schnell ändern.

Das Thema geht uns alle an. Zu schnell wird es verdrängt – in der Hoffnung, man selbst sei nie ein Betroffener. Es muss ein Umdenken erfolgen, es muss in den Köpfen mehr Wertschätzung für diejenigen geben, die pflegen. Das wäre zumindest ein erster kleiner Schritt.