Festival in der Eifel: Bis zu 500 Tonnen Müll fallen bei Rock am Ring an

Festival in der Eifel : Bis zu 500 Tonnen Müll fallen bei Rock am Ring an

Riesige Mengen Abfall gehören zu Rock am Ring genauso wie begeisterte Fans und ein starkes Line Up. Doch wie ist es für die Festivalbesucher tagelang in ihrem eigenen Müll zu leben und wieso ist vielen von ihnen eine korrekte Müllentsorgung egal?

Immer wieder stehen Festivals wegen enorm hoher Müllproduktion, nicht sachgemäßer Entsorgung und dadurch verwüsteten Zeltplätzen in der Kritik - so auch Rock am Ring. Bierdosen und Becher liegen auf dem Boden, benutze Servietten werden vom Wind einige Meter durch die Gegend getragen und das, obwohl Müllsammelplätze eingerichtet wurden und Ordner kostenlose Müllsäcke verteilen. Laut Veranstalter lassen die Festivalbesucher Jahr für Jahr 350 bis 500 Tonnen Müll zurück - darunter zahlreiche Zelte und Pavillions.

Wie tritt Rock am Ring diesen Müllbergen entgegen? Auf dem Festivalgelände sorgt eine 60 Mann starke Truppe dafür, dass das Areal von grobem Müll befreit wird. Zusätzliche fahren zwei Kehrmaschinen die Flächen ab. Die meisten Campingplätze werden laut Veranstalter von einer Fachfirma unter Zuhilfenahme von Spezialgerät gereinigt. Zudem sollen 30 große Müllcontainer und Müllpressen, 100 Umleerbehälter und 250 Mülltonnen helfen, der Müllflut Herr zu werden. Ein Großteil des Abfalls werde "thermisch verwertet", sprich: verbrannt.

Doch woran liegt dieses Verhalten und empfinden die Festivalbesucher die Müllsituation als Problem? "Naja, es hängt davon ab, auf welchem der Plätze man ist. Bei uns ist es aber schon extrem. Manche bringen ihren gesamten Hausstand mitbringen und der liegt dann auf den Wegen verteilt", erzählt Daniel aus Nordkirchen.

Der 28-Jährige ist bereits zum dritten Mal bei dem Festival am Nürburgring dabei und sieht die Verantwortung zur angemessenen Müllentsorgung bei den Fans und nicht beim Veranstalter. Auf die Frage, wie er und seine Freunde auf dem Campingplatz mit entstandenem Müll umgehen, antwortet er: „Wir packen das direkt immer in einen Müllsack.“ Erfahrungsgemäß kommen sie an so einem Festivalwochenende auf ungefähr drei Beutel mit drei Personen. Doch woran liegt es, dass zahlreiche andere Besucher bereit sind, mehrere Tage inmitten ihres Abfalls zu hausen? „Es ist halt der Alkohol, der macht das mit den Menschen“, glaubt Daniel.

Der gleichen Meinung sind auch Katrin (26), Aline (25) und Jessi (26). Die drei arbeiten bei Rock am Ring und wissen, wie das Festivalgelände nach Ende des Tagesprogramms aussieht. „Es ist wie ein Teppich. Die Wege sind voll mit Bechern. Dann kommen Leute, die das alles aufheben“, beschreibt Katrin. Jessi begründet das Verhalten der Festivalbesucher mit einem „Massending“, es interessiere die Leute einfach nicht. Auch Katrin denkt das: „Speziell auf einem Rockfestival ist es noch mal schlimmer, dieses bewusste Regelbrechen.“

Die 17-jährige Liz und der 19-jährige Lukas aus Köln sind zwei solcher negativ auffallenden Besucher. Spricht man sie auf das herrschende Müllproblem an, antwortet Lukas: „Das ist ein Festival, das gehört dazu. Gerade bei Rock am Ring – genauso wie es mindestens ein Mal stark gewittert“. Er ist bereits zum dritten Mal dabei. „Wir haben auch keinen Bock aufzuräumen“, pflichtet ihm Liz bei, „wir räumen das am Montag auf.“ Die beiden stört es nicht, dass auf dem Campingplatz um sie herum Müll liegt, da sie eh „nur morgens da chillen“ und dann sei es ihnen egal.

Im vergangenen Jahr mussten die Festivalbesucher zehn Euro Müllpfand bezahlen, den sie am Ende des Wochenendes bei korrekter Entsorgung ihres Abfalls wiederbekommen haben. In diesem Jahr wurde auf eine solche Aktion verzichtet, da „die damit verbundenen Angebote und Verpflichtungen nicht in ausreichendem Umfang wahrgenommen wurden“, heißt es auf der Internetseite des Veranstalters. Dieser würde dagegen seine Anstrengungen für ein sauberes Festival und eine sachgemäße Entsorgung der Abfälle erhöhen. Daniel hingegen denkt, dass Müllpfand hilfreich sei, um das Müllproblem etwas einzuschränken: „Weil sich Leute hunderte Meter anstellen, um das Geld wiederzubekommen.“ Laut den allgemeinen Geschäftsbedingungen von Rock am Ring müssen die Fans bis Montagmittag die Zeltplätze geräumt und in einem „ordentlichen Zustand“ verlassen haben. Zu diesem gehöre auch, den Müll in bereitgestellten Gefäßen und Stationen zu entsorgen.

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