Europa- und Kommunalwahlen: 26. Mai ist großer Wahltag im Kreis Ahrweiler

Europa- und Kommunalwahlen : 26. Mai ist großer Wahltag im Kreis Ahrweiler

Bunt und in vielen Formaten: Stimmzettel und Umschläge für die Wahlen im Kreis Ahrweiler am 26. Mai machen in der Fläche rund einen dreiviertel Quadratmeter aus. Viele fragen sich daher: „Wie soll das einer in der Wahlkabine schaffen?“

Am 26. Mai ist Wahltag. Europawahl und Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz. „Das bedeutet eine Unmenge an Papier. Und das in allen Formaten.“ Das sagt der Grafschafter Udo Klein. Der Nierendorfer ist Briefwähler aus Überzeugung. Für ihn, einen von 248 Kandidaten auf der Kreistagsliste, stellt sich die Frage, die sich viele Wähler stellen: „Wie soll das einer in der Wahlkabine schaffen?“

Denn je nach Kommune gibt es für die Wähler samt Europawahl bis zu sechs Stimmzettel. Umgerechnet: ein dreiviertel Quadratmeter Papier in den Farben von Rosa bis Blau, Grau oder Grün. Aufgedruckt: Hunderte von Namen in Listen fein säuberlich nebeneinander, wobei der Kreistagsstimmzettel im Querformat mit 70 mal 35 Zentimetern der größte ist. Der Stimmzettel für die Europawahl misst im Längsformat stolze 96 mal 21 Zentimeter.

Jungwähler in Rheinland-Pfalz profitieren durchaus von den Erfahrungen zu Hause. Denn wenn Sohn oder Tochter einmal den Berg an Wahlunterlagen auf dem Küchentisch gesehen haben, steht ihr künftiges Verhalten so ziemlich fest: Briefwahl statt Kabine.

Dass die Briefwahl immer mehr Gewicht bekommt, zeigt ein Blick auf die Kommunalwahlen der vergangenen 40 Jahre im Land. Gab es 1979 nur 10,1 Prozent Briefwähler, stieg die Zahl 1989 auf 17,8 Prozent, 1999 auf 19,5 Prozent, und 2009 waren es schon 28,9 Prozent. Und 2014 wurden vielerorts weit mehr als 30 Prozent der Stimmzettel auf dem Postweg abgegeben. Die Statistiker des von Landeswahlleiter Marcel Hürter aus Wassenach geführten Landesamtes in Bad Ems rechnen mit einer weiteren Zunahme. Denn auch die Wahlleiter in den jeweiligen Kreisen werben massiv für die Nutzung der Briefwahl.

Der auf den ersten Blick unübersichtlich wirkende Wust an Unterlagen hat seinen Grund im Wahlsystem. Denn im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen können die Wähler in Rheinland-Pfalz nicht nur einer Liste ihr Kreuz geben, sondern auch von der Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens Gebrauch machen.

„So kann jeder den wählen, den er kennt oder dem er vertraut, von dem er weiß, dass er sich einsetzt“, sind sich die Mandatsträger zwischen Rhein und Eifelhöhen durch die Bank einig. Und so kommt's, dass auf der Gesamtheit der Stimmzettel je nach Kommune zwischen 90 und 96 Kreuze möglich sind. Das eine Kreuz für die Europawahl nicht mitgerechnet. Allein bei der Wahl zum Kreistag von Ahrweiler sind 46 Kreuzchen möglich.

Ein Selbstversuch zeigt, dass bei Ausschöpfung aller Möglichkeiten und konzentriertem Wählen für das Ausfüllen aller Stimmzettel für den 26. Mai nichts unter zehn Minuten geht. Nur wer einfach Listen ankreuzt, ist schneller.

„Unser Wahlsystem bietet ein hohes Maß an demokratischen Gestaltungsmöglichkeiten wie bei keiner anderen Wahl. Dazu sollte sich der Wähler die Zeit nehmen, die er braucht. Das alles ist ein Grund für Briefwahl“, meint nicht nur Klein.