Tag der offenen Weinkeller: Mehr als 1600 Weinfreunde kamen ins Ahrtal

Tag der offenen Weinkeller : Mehr als 1600 Weinfreunde kamen ins Ahrtal

Sie standen vor fast haushohen Edelstahltanks in riesigen Hallen und verstanden fast ihr eigenes Wort nicht angesichts des Flaschenklingelns und der ratternden Maschinen einer Abfüllanlage. Dann wieder stiegen sie über steile Stufen in heimelige Gewölbe ab, wo ganz still und stimmungsvoll mit Kerzenschein beleuchtet der Wein in Holzfässern reifte.

"Was hier alles unter der Erde ist, glaubt man nicht", entfuhr es einer Besucherin aus Andernach beim Tag der offenen Weinkeller im Ahrtal. Und selbst wer als Weinliebhaber schon so manches Gewölbe kannte, fand: "Es ist toll, so viele Weinkeller hintereinander zu sehen und mit so vielen Privatwinzern, aber auch Genossenschaftsvertretern zu reden."

Da stand der Limburger nicht alleine. Die mehr als 1600 Probenpässe, die Einlass gewährten zu den 15 teilnehmenden Betrieben, waren schon Wochen vorher ausverkauft, erklärte Oliver Piel als Vertreter von Ahrtal-Tourismus und dem Verein Ahrwein. Diese berechtigten die Besucher in jedem Betrieb zur Teilnahme an einer Kellerbesichtigung und zu einer Dreier-Weinprobe. Die Karten sind limitiert, damit laut Piel gerade die kleinen Keller "nicht völlig überrannt" würden.

Nach der ebenfalls besucherstarken Premiere der Offenen Weinkeller im Vorjahr sind diesmal noch drei Betriebe mehr dabei gewesen und auch mehr der viel genutzten, kostenlosen Shuttlebusse eingesetzt worden. Mancherorts zwischen Heppingen und Heimersheim sah man die Besucher, erkennbar an den roten Bändern mit den Probenpässen um den Hals, aber auch mal von Weingut zu Weingut spazieren.

Im Vorjahr hätten schon 300 Besucher vor Kelleröffnung vor der Tür gestanden, erklärte eine Mitarbeiterin der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. Diesmal habe sich der Besucherstrom besser verteilt, auch weil wohl diejenigen, die im Vorjahr schon die einen Betriebe besucht hätten, diesmal die anderen angesteuert hätten, und nicht alle an den Extrempunkten der Strecke begannen, fanden die Winzerkollegen.

"Viele Wiederholungstäter, Einheimische, denen das Thema Spaß macht, aber auch viele neue Gesichter", hatte nicht nur Ahrweinkönigin Julia Migend ausgemacht. "Bis zur letzten Führung durchweg sehr interessiert", bezeichnete Thomas Monreal von der Dagernova Weinmanufaktur die Besucher. Kein Keller blieb leer, keine Kehle trocken und keine Frage unbeantwortet. Warum die Winzer an der Ahr ausgerechnet so sehr auf den Spätburgunder setzen, welche Fässer für welchen Wein gut sind und wie lang der Weg in die Flasche ist, erfuhren sie.

"Willkommen in unserem Heiligtum", empfing Erwin Riske sie in seinem Dernauer Weinkeller. "Ich hole mir hier gerne Leute rein, denn dann bekommt man ein viel besseres Gefühl für die Arbeit des Winzers", sagte er. Den aus dem Holz herrührenden rauchigen Geruch nach Speck und Schinken am Weinfassstopfen erkannte jeder sofort. Viel schwieriger war da die Bewältigung des Aromaparcours, den Riske für die Gäste aufgebaut hatte. Das "Erriechen" von grünem Apfel oder Bittermandel in schwarzen Gläsern wurde manchmal zum Wettbewerb von Freunden und Familie.

Durchweg sehr kundig und wissbegierig sei das Publikum, stellte Paul-Josef Schäfer vom Weingut Burggarten fest. Weil es ums Präsentieren und Probieren gehe, hatte er seine beliebtesten Weine für die Dreierprobe ausgesucht. Beim Weingut Kriechel in Ahrweiler wählten die Gäste drei aus neun Weinen oder zwei Traubensäften aus, "damit jeder nach seiner Neigung entscheidet", und bei der Dagernova Bad Neuenahr gab es auch mal eine Probe direkt aus dem Fass. Dort lief auch der Abfüllbetrieb ausnahmsweise wie an einem ganz normalen Wochentag. Alle Betriebe waren kaum zu schaffen an einem Tag, "aber so sechs bis acht Betriebe werden durchschnittlich besucht", sagte Piel. Nächstes Jahr soll es die offenen Weinkeller wieder geben.

Rahmenprogramm
Livemusik, Olivenöl-, Käse- und Schokoladenverkostungen, Kunstausstellungen, Geräteschauen und die Handwerkskunst von Goldschmiedin und Küfer gehörten zum Unterhaltungsprogramm, das die Winzer zusätzlich organisiert hatten.

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