Tourismusministerin Lemke

Bad Bodendorf verliert Heilbad-Titel

Künftig ohne "Bad": Den Titel eines Heilbads hat Tourismusministerin Lemke aberkannt.

Bad Bodendorf. Kein Heilbad-Titel mehr für Sinzig-Bodendorf: Tourismusministerin Lemke erkennt ihrem Heimatort die staatliche Anerkennung wegen fehlender Voraussetzungen ab.

Bad Bodendorf muss nach einer Entscheidung von Tourismusministerin Eveline Lemke (Grüne) den Status als Kurbad abgeben. Der Ort erfülle die Voraussetzungen als "staatlich anerkanntes Heilbad" nicht mehr, erklärte ihr Ministerium am Mittwoch in Mainz. Deshalb habe sie das Heilbadprädikat für den Sinziger Stadtteil widerrufen.

Mit der Entscheidung verliert der Ort im Kreis Ahrweiler laut Kurorte-Gesetz auch den Zusatz "Bad" im Namen. Dort wohnt die Grünen-Politikerin. Lemke kündigte an, sich dafür einzusetzen, dass zumindest der Ortsname behalten werden kann. "Die Entscheidung ist mir menschlich nicht leicht gefallen", teilte die Ministerin mit. Aber für ihren Heimatort "eine Ausnahme zu machen, fände ich nicht fair".

Die Grünen-Politikerin war Ende Mai in die Kritik geraten, als sie Berichten zufolge der Stadt Sinzig und der Kreisverwaltung einen Entwurf für eine Resolution zum Erhalt des Bad-Titels zukommen ließ. Die FDP Rheinland-Pfalz hatte kritisiert, Lemke habe den Text über ihre persönliche Referentin aus dem Ministerium verbreiten lassen.

Es habe sich um "einen persönlichen, informellen und vertraulichen Hinweis von Frau Lemke als Bürgerin von Bad Bodendorf" gehandelt, hieß es zu der Kritik aus dem Ministerium. Lemkes Referentin habe die Mail lediglich weitergeleitet.

Die Ministerin begründete die Aberkennung damit, dass dem Ort seit über zehn Jahren eine leistungsfähige Kurmittelabteilung fehle, die Mindestzahl von 200 Betten in Hotels oder Kurkliniken nicht gegeben sei und die Ortsgestaltung nicht den Anforderungen entspreche.

Ob Bad Bodendorf auch ohne Heilbad-Titel das "Bad" im Ortsnamen führen darf, liegt in der Entscheidung des Kreises Ahrweiler und des Innenministeriums. Eine Gemeinde könne diese Zusatzbezeichnung unabhängig vom Kurorte-Gesetz aus Gründen des Gemeinwohls tragen, teilte das Innenministerium mit. Voraussetzung sei, dass die Stadt dies beantragt.

"Bad Bodendorf hat sehr realistische Chancen auf den Erhalt des Bad-Titels", sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD) mit Hinweis auf die touristische und wirtschaftliche Bedeutung der seit 40 Jahren geführten Zusatzbezeichnung. Der FDP-Landesvorsitzende Volker Wissing kritisierte Lemke nach der Aberkennung des Heilbad-Prädikats am Mittwoch als "scheinheilig".

Erst lasse sie in ihrem Ministerium eine Resolution gegen die Politik des eigenen Hauses verfassen, um den Bürgern von Bad Bodendorf zu zeigen, dass sie diese unterstützt. Und dann lasse sie die Bürger nun eiskalt im Regen stehen.