Martinsmarkt in Löhndorf

50 Jahre Zugehörigkeit zu Sinzig : Rosendorf Löhndorf feiert den Martinstag

Das Rosendorf Löhndorf feiert den Martinstag traditionell mit einem Festakt auf dem alten Schulhof. Zugleich hält das Dorf eine Rückschau auf 50 Jahre Zugehörigkeit zur Stadt Sinzig.

Der Martinstag ist im Sinziger Ortsteil Löhndorf stets ein ganz besonderer Tag. Auch wenn Werktag ist: das ganze Rosendorf ist dann auf den Beinen. Nicht nur, um auf dem alten Schulhof ein heimeliges Fest mit Buden und Ständen zu feiern, sondern auch, um im Rahmen eines kleinen Festaktes Rückschau zu halten. Traditionsbewusstsein und Sinn für die eigene Geschichte wird im Rosendorf so groß geschrieben, wie das vorhandene Wir-Gefühl. Diesmal ließ man 50 Jahre Ortsbezirk Löhndorf Revue passieren: 1969 wurde die einst eigenständige Gemeinde der Stadt Sinzig angeschlossen. Bereut haben die Löhndorfer das nicht.

Eine liebevoll zusammengestellte Ausstellung im Dachgeschoss der Schule gibt Aufschluss über die Höhen und Tiefen des Ortslebens, das schon einmal eng mit Sinzig verwoben war: 1787 kam es zur Abspaltung Löhndorfs von Sinzig. Dies per Gerichtsurteil. 182 Jahre der Selbstständigkeit folgten. Dann kam die Kommunale Neuordnung: Löhndorf, 769 – also zur Zeit Karls des Großen – erstmals erwähnt, wurde Ortsbezirk von Sinzig. Ortsvorsteher Volker Holy: „Es waren fünf gute Jahrzehnte.“

Was Friedhelm Münch, Ortsvorsteher von 1989 bis 2014, nur bestätigen kann. Unter seiner Ägide blühte das Rosendorf richtig auf. Zweimal wurde der Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ souverän gewonnen, selbst Ministerpräsident Kurt Beck kam in den Ort und schwärmte über das intakte Dorfleben und die liebevoll restaurierten Häuser in den idyllischen Straßen und Gassen.

Bilder, Zeitungsausschnitte und Urkunden geben Zeugnis von einem pulsierenden Leben in dem 1400 Einwohner-Ort, den Landrat Jürgen Pföhler als hochattraktiv bezeichnete. Ausgestellt ist auch die Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes Rheinland-Pfalz, die Friedhelm Münch auf  Vorschlag des Landrates erst vor wenigen Wochen vom Innenminister überreicht bekam. Für kommunalpolitisches Engagement und langjähriges Wirken für seinen Heimatort.

„Schaut auf die Welt“ sang der Kirchenchor zu Beginn des Festaktes. Man schaute aber auf Löhndorf, das an diesem Vormittag die Welt zu sein schien. Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron unterstrich, dass die Stadt seit 1969 ihrer Aufgabe nachgekommen sei, den Ortsteil Löhndorf weiter zu entwickeln. Nicht alle Wünsche könnten jedoch erfüllt werden, es gelte, die Balance zwischen allen Stadtteilen zu halten.

Landtagsabgeordneter Guido Ernst (CDU), seit vielen Jahren treuer Besucher des Martinsfestes, unterstrich die in Löhndorf gelebte Ruhe und Konstanz in Form von Brauchtum, Tradition und Jubiläen. „Sie bringt Ruhe und Ordnung in mein Leben. Zukunft hat Herkunft“, so Ernst, der zuvor auf die immer schneller werdende Dynamik, auf mehr Technik und Innovation im digitalen Zeitalter hingewiesen hatte.

Statt einer Festansprache gab es diesmal eine kleine Talkrunde, an der sich Zeitzeugen der Kommunalen Neuordnung rege beteiligten. Christina Fuchs, Inhaberin eines Tante-Emma-Ladens in Löhndorf, erinnerte sich: „Die älteren Löhndorfer waren nicht für einen Zusammenschluss, die Jüngeren aber haben eine Chance darin gesehen.“ Und Franz-Josef Funk, einst Kämmerer der Stadt Sinzig sagte: „Es gab Diskussionen in den Vereinen und Gaststätten. Vor allem ging es um den Löhndorfer Waldbestand.“ Die Alternative zu Sinzig sei ein Anschluss an die Stadt Bad Neuenahr gewesen. Heute könne man sagen: „Löhndorf hat alles richtig gemacht.“

Die Küchen der Rosendörfler konnten indes am Montag getrost kalt bleiben. Auf dem Martinsmarkt gab es alles, was das Herz begehrt: Von der Rosen-Bowle über Äpfel, Eier, Döppekuchen, Pizza, Glühwein, Walnußlikör bis hin zur Currywurst.

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