Landesgartenschau in Bad Neuenahr Ahrweiler 2022: Kritik wird lauter

Bedroht die Veranstaltung Fledermausarten? : Kritik an Landesgartenschau wird lauter

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz wächst die Kritik an der Landesgartenschau, die 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler stattfindet. Die Umweltschützer befürchten Eingriffe in die Natur.

Je näher die Landesgartenschau 2022 rückt, desto größer wird bei so manchen die Vorfreude. Und bei anderen die Kritik. Beispielsweise beim Bund für Umwelt und Naturschutz. Die Naturschützer fühlen sich in die Planungen nicht genug eingebunden. Zudem unterstreichen sie, dass die über 40 Einzelmaßnahmen, die für die Landesgartenschau umgesetzt werden sollen, mit den Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien (FFH) in Einklang stehen müssen. Dies sehen sie jedoch nicht gewährleistet.

Die Richtlinie hat zum Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen. Die Vernetzung dient der Bewahrung, Herstellung und Entwicklung ökologischer Wechselbeziehungen sowie der Förderung natürlicher Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse, so die offizielle Definition.

Die gesamte Ahr ist zwischen dem Quellort Blankenheim bis hin zur Rheinmündung in Sinzig ein solches FFH-Gebiet, das im Bereich der Kreisstadt als „bedingt naturnah und gering beeinträchtigt“ eingestuft wird. Andrea Brinkhoff, Vorsitzende des Naturschutzbundes im Kreis Ahrweiler, sieht jedoch massive Eingriffe auf das Schutzgebiet zukommen. „Wir haben keine offizielle Kenntnis von den Planungen, die in das Gebiet eingreifen“, beklagte Brinkhoff. Dabei sei die Einbeziehung der Naturschutzverbände ein Muss.

Der Bau eines Heizkraftwerkes in Nähe des Apollinarisstadions, der Bau von Gastronomie und Parkplätzen, die Errichtung eines Skaterparks für Jugendliche, der anvisierte Bau einer neuen Brücke über die Ahr, Eingriffe in besonders geschützte Hochwasser-Retentionsflächen durch Flächenversiegelungen, Baumfällungen im großen Stil oder der Ausbau der Uferwege und Alleen an der Ahr: „Nicht ein einziges Projekt ist uns zur Vorprüfung vorgelegt worden“, klagt Brinkhoff.

Beim Brückenbau werde in die Gewässerstruktur eingegriffen, bei Baumfällungen sei nicht ausreichend geprüft, ob es nicht „Verdachtsbäume“ gebe – das sind Bäume, in denen Fledermäuse möglicherweise ihr Winterquartier aufgeschlagen haben. Kurzum: Es mangele an allen Ecken und Kanten an der erforderlichen FFH-Vorprüfung.

Dies treffe auch auf „nächtliche Illuminationen“ zu, die eine „Lichtverschmutzung“ hervorriefen. Brinkhoffs Prognose: „Zumindest zwei Fledermausarten werden für immer verschwinden.“ Für Brinkhoff, die auf Einladung des BUND im Hotel Krupp in Bad Neuenahr referierte, steht fest: „Die Laga GmbH wird in jedem Fall eine FFH-Vorprüfung machen müssen.“ Alleine nur die Möglichkeit einer erheblichen Beeinträchtigung von Fauna und Flora reiche aus, die Prüfung zu erzwingen. An die Verantwortlichen adressiert sagte sie vor gut 20 Zuhörern: „Je länger die warten, desto schwieriger wird es für sie.“

Die Stadt wies auf GA-Anfrage die Darstellungen zurück. Dem Natur- und Umweltschutz komme selbstverständlich eine besondere Bedeutung zu, der man auch in vollem Umfange Rechnung trage.