Kundgebung an der Mittelahr

Kundgebung gegen Rechts an der Mittelahr : Bürgermeisterin Weigand warnt vor Radikalisierung

Viele Teilnehmer nahmen am Wochenende an einer Kundgebung der Mittelahr-Initiative gegen rechte Gewalt teil. Diese hat am Tag der Judenprogromme der Nazis eine lange Tradition.

„Wir gedenken des Ereignisses, um uns vor Wiederholung zu schützen.“ – Das sagte Verbandsbürgermeisterin Cornelia Weigand bei der Kundgebung der Mittelahr-Ini­tiative gegen rechte Gewalt an der Ahrtalschule in Altenburg. Die Demonstration zum Tag der Judenpogrome der Nazis am 9./10. November 1938 hat an der Mittelahr eine lange Tradition.

Auf Einladung der Initiative und des Jugendbüros der Verbandsgemeinde hatten sich zahlreiche Bürger beim Schein roter und weißer Öl-Lichter und bei knisterndem Holzfeuer versammelt. Rechtspopulismus greife um sich, Gewalt bahne sich ihren Weg, Radikalisierung und Verrohung seien überall zu sehen, fuhr Weigand fort. Dabei führte sie auch die aktuellen Morddrohungen gegen Politiker an. Die demokratische Gesellschaft müsse wachsam sein, sagte sie.

An ein Zitat aus dem Talmud, dem bedeutenden Schriftwerk des Judentums, knüpfte Pfarrer Axel Spiller seine Rede. Der Talmud mahne die Menschen, auf ihre Gedanken, Worte, Handlungen, Gewohnheiten und auf ihren Charakter zu achten, sagte er. Spiller führte Charakterzüge unserer Gesellschaft an wie Verrohung, Gewalt, sprach über Anschläge. Er stellte die Frage, für was wir eintreten und gab gleich die Antwort: „Für Menschen, für das Menschsein und damit auch für uns selbst“.

„Achten wir auf unsere Rede in Diskussionen und Auseinandersetzungen“, fuhr er fort. Ein Unding sei die Polizeipräsenz vor Versammlungsräumen, ein Unding sei auch die Ausgrenzung gegenüber anderen Religionen und Völkern. Diese Worte unterstützten die Versammelten mit spontanem Applaus. „Wir sollten Offenheit schenken, denn jeder Mensch ist ein Mensch“, sagte Spiller.

Jana Fuhrmann aus dem Kreis der Veranstalter begleitete die stimmungsvolle Kundgebung mit Liedern. In einem Redebeitrag führte sie das Ergebnis der Landtagswahlen in Thüringen an und bekundete Angst vor einer in rechts und links gespaltenen Gesellschaft. Auch junge Künstler kritisierten mittlerweile diese Gesellschaft. „Es geht darum, unsere Demokratie zu stärken und zu halten“, sagte sie.

Marcell Heinsch von der Initiative hatte die Teilnehmer begrüßt. Im Anschluss war in der Schule der erschreckende und aufrüttelnde Film „Das ist unser Land“ zu sehen.