Alfons Figgemeier aus Ahrweiler: Küchen für Scheich und Co.

Alfons Figgemeier aus Ahrweiler : Küchen für Scheich und Co.

Alfons Figgemeier (79) bereiste die ganze Welt. Als Experte schaffte er es sogar in eine japanische Frauenzeitschrift. Seine Passion sind Küchen und sein Motto "Es gibt kein 'unmöglich'".

Er wird seiner Leidenschaft nie müde und sagt über sich: "Ab 90 wird's interessant. Aber noch fühle ich mich wie 30, wenn ich in den Spiegel gucke." Alfons Figgemeier ist 79 Jahre alt und seit vier Jahren in Ahrweiler zu Hause. Ob es das Schwimmen in den Ahr-Thermen, das Lebenselixier Ahrwein, die glückliche Ehe mit seiner Frau Waltraud seit 56 Jahren ist oder eine Kombination aus allem, was den Senior so agil sein lässt, ist am Ende gleichgültig.

Fakt ist: Die Katze lässt das Mausen nicht. Was bei Figgemeier heißt: Er hat heute noch die besten Kontakte weltweit und nutzt diese, um im hohen Rentenalter "hobbymäßig" Küchen an den Mann zu bringen. Für den Bochumer Schreinermeister begann alles, als er sich 1954 in Köln niederließ und sich 1968 in Porz mit einer Küchen- und Wohnwelt selbstständig machte. "Sie sind der Mann für Kuwait", wurde 1979 auf der Kölner Möbelmesse beschlossen, und so sollte das Jetten zwischen Deutschland und dem Nahen Osten die kommenden Jahre von Figgemeier prägen.

Wenig später stand er erstmals am Frankfurter Flughafen mit seinem Werkzeugkoffer, der aber in Kuwait aufgrund einer Bombendrohung nie ankam. "Da musste ich improvisieren bei Scheich Ali Wazan, der für seinen Palast, in dem er viele Gäste bewirtete, eine schwarze Eichenküche mit elf Kochstellen bestellt hatte", erinnert sich Figgemeier. Nach dem Prinzip "Was der Scheich hat, möchte ich auch" war im arabischen Raum schnell der Grundstock für viele Kontakte und Geschäfte gelegt. 1982 ging es nach Dubai, um drei Häuser auszustatten. Scheich Abdullah Zis ließ sich in der saudi-arabischen Stadt Jeddah drei Villen mit fünf Küchen einrichten. "Bringen Sie mir aus Deutschland so ein Gerät fürs Autotelefon mit", bat er den Experten. Als Figgemeier die Antenne beim nächsten Mal im Gepäck hatte, forderte Zis ihn auf: "Rufen Sie Ihre Frau an und sagen Sie ihr, dass Sie gut angekommen sind."

Während diese mit Tochter, zwei Monteuren und zwei Verkäufern im Geschäft in Porz die Stellung hielt, war Figgemeier bis zu acht Mal im Jahr auf Achse. 1986 baute er eine Küche für einen Professor in Istanbul ein, wo er bis 1988 16 Mal landete, um unter anderem einem Buchverleger am Marmarameer drei Küchen in seiner Vier-Ebenen-Villa zu montieren. "Zwei in Weiß und Gold zum Zeigen, eine zum Kochen in Kunststoff", so der 79-Jährige über die Eigenarten seiner Auftraggeber. Gut erinnert er sich auch an den Reinfall, als er in Saudi-Arabien ankam und die Räume zehn Zentimeter kleiner als angegeben waren. "Da musste ich die Module per Hand verkleinern und in Deutschland neue Fronten bestellen - kurz vor Weihnachten."

Figgemeier, der vor seinem Umzug an die Ahr 42 Jahre in Niederkassel lebte, trieb es auch nach Zentralafrika. Für "Shell Holland", die in Gabun eine Ölraffinerie aufbauten, bestückte er von 1988 bis 1990 die Ingenieur-Bungalows mit Küchen. "Wichtig waren dort wegen des Klimas die festen, massiven Fronten", erklärt der Senior. Bevor Figgemeier 1998 sein Geschäft auflöste, führte es ihn noch nach Lissabon, Paris und nach Südfrankreich zu einer Architektin aus Idar-Oberstein, die zwei Küchen orderte: eine für den Hund und eine für sich. Ebenso durfte er bereits 1979 in Köln eine Delegation aus Tokio begrüßen, die sich Küchen "Made in Germany" anschauen wollte. Daraufhin erschien in einer exklusiven japanischen Frauenzeitschrift, die in einer Auflage von 600 000 Stück gedruckt wurde, eine mehrseitige Story über ihn.

Eines ist dem "jungen Alten" wichtig: zu betonen, dass die Türkei für ihn "das gastfreundlichste Land ist", das er in all seinen Berufsjahren bereist hat.