1. Region
  2. Ahr & Rhein

Liveübertragungen zum Mitbeten: Kirchen laden in Corona-Zeiten zum Gebetsnetzwerk ein

Liveübertragungen zum Mitbeten : Kirchen laden in Corona-Zeiten zum Gebetsnetzwerk ein

Die katholische Kirche bietet in der Corona-Krise ein Gebetsnetzwerk: Jeden Abend wird in einer der Kirchen der Kreisstadt für ein besonderes Anliegen gebetet. Das Gebet beginnt jeweils um 19 Uhr und endet um 19.30 Uhr mit dem „Vater Unser“ zum Glockengeläut in der ganzen Stadt.

In der Corona-Krise suchen die Menschen verstärkt die Nähe zu Gott. Das zeigt sich besonders in den Abendstunden. Wenn zumeist täglich um 19.30 Uhr die Glocken der Kirchen als Zeichen der Verbundenheit mit allen Menschen läuten und die Dunkelheit einbricht, werden in vielen Häusern Kerzen entzündet und auf den Fensterbänken aufgestellt. Es ist die Zeit des Gebetsnetzwerks.

„Wir beten für Sie – mit Ihnen!“ lautet der Tenor der Aktion. Allabendlich wird in einer der Kirchen der Stadt für ein besonderes Anliegen gebetet. Das Gebet beginnt jeweils um 19 Uhr und endet um 19.30 Uhr mit dem „Vater Unser“ zum Glockengeläut in der ganzen Stadt.

Die Menschen zu Hause werden zum Mitbeten angeregt. Gebetet wird da zum Beispiel für die, die krank sind und sich infiziert haben oder für die Schüler in ihren Familien und die Lehrer unter den veränderten Lernbedingungen. Die Gebete und Impulse werden auf den Homepages und in den sozialen Netzwerken der Pfarreiengemeinschaft veröffentlicht.

Liveübertragungen laden zum Mitfeiern ein

Die „geistige Kommunion“ ist in Zeiten, in denen die Gläubigen nicht an der Eucharistiefeier teilnehmen können, eine Alternative, der die Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft bereits die Bezeichnungen „Augenkommunion“ oder „Herzenskommunion“ gegeben haben. Die Messen fallen aus. Priester feiern alleine, in menschenleeren Kirchen Gottesdienst.

Liveübertragungen aus Kirchen und Domen laden ein, von zu Hause aus mitzufeiern und virtuell Gemeinschaft zu bilden. Aber der Wert des nach dem christlichen Glauben eucharistischen Brotes, das seine Empfänger einbezieht ins Opfer Christi und die Getauften im Auferstandenen zu einem Leib macht, fehlt. „Eine wesentliche Komponente von Livestream-Gottesdiensten oder Fernsehgottesdiensten kann hier der pastorale Schatz der Geistigen Kommunion sein“, so Diplom Theologin Beate Timpe aus der Kreisstadt.

Es ist keine Erfindung in Corona-Zeiten. Im Mittelalter sahen die Menschen den eucharistischen Jesus als den Gast der Seele an. Die gesteigerte Sensibilisierung des Sündenbewusstseins führte gerade in Zeiten von Kriegen, Pest und anderen Seuchen dazu, dass die Menschen sich den Eucharistieempfang verwehrten. Sie empfingen die Eucharistie nur geistigerweise.

In den Zeiten des Zweiten Weltkrieges machte Papst Pius XII. in seiner Enzyklika „Mediator Dei“ auf die „Begierdekommunion“ aufmerksam. Hier sollten diejenigen Christen, die die eucharistische Speise nicht leicht in Wirklichkeit empfangen konnten, sie wenigstens geistigerweise empfangen: durch lebendigen Glauben, Hingabe an den Willen des Erlösers. Auch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird die Praxis der geistigen Kommunion empfohlen. Besonders dann, wenn Gläubige durch Verfolgung oder durch Mangel an Priestern über kürzere oder längere Zeit der Eucharistie entbehren müssen. So zeigt die Geschichte der Kirche Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen – sei es durch Krankheit oder Gebrechlichkeit, durch Ausgangsbeschränkung oder durch das Verbot von Gottesdiensten zur Minderung der Verbreitung des Virus – nicht das Sakrament empfangen können, die aber in der geistigen Kommunion Trost und Hoffnung erfahren. wbe