Förderung: Kulturprojekt für Kinder in der Kreisstadt: In der Ferienfreizeit jeden Tag die freie Auswahl

Förderung: Kulturprojekt für Kinder in der Kreisstadt : In der Ferienfreizeit jeden Tag die freie Auswahl

Flöhe hüten war einmal. Wenn Christine Kläser wissen will, wo eines der Kinder der Ferienfreizeit ist, genügt ein Blick auf die Klammerwand. Jede Wäscheklammer steht für eines der 72 Kinder, jede Wäscheleine für ein Ferienangebot. Im und rund um das Mehrgenerationenhaus der Kreisstadt geht das Gewusel der Kinder noch bis Freitag über die Bühne.

Auch die Pfarrheime der beiden Kirchen in Bad Neuenahr werden vom "Bündnis für Bildung" mitgenutzt. Das ist der Zusammenschluss aus Familienbildungsstätte, städtische Jugendarbeit, der Pfarreien der Kreisstadt und der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr.

"Kulturräume für Grundschulkinder" ist dabei das Motto der Aktion, deren Kosten samt Verpflegung und Dozenten das Bundesbildungsministerium trägt. Wobei Kinder und 16 extra ausgebildete jugendliche "Kulturbotschafter" in ihren Workshops unter professioneller Anleitung das Thema "Bad Neuenahr-Ahrweiler - damals und heute" ins Visier genommen haben.

Mit Unterstützung von Profis: So tanzten sich Kinder unter Anleitung der Diplom-Bühnendarstellerin Dany Celner durch 150 Jahre Heilbadgeschichte und proben für die Reise mit ihrem Zeitzug, nebst selbstgefertigtem Bühnenbild mit Künstlerin Bernadette Heeb-Klöckner. Ein Theaterstück, das morgen ab 14 Uhr beim großen Finale im Saal des evangelischen Gemeindehauses aufgeführt wird.

Ein Stop-Motion-Film mit Lego-Figuren

Szenenwechsel: "Der spielt hier nicht mit Lego", sagt Sara Wessel, Leiterin der städtischen Jugendarbeit. Sie meint Gabriel. "Es wird eine Kulisse für einen Stop-Motion-Film", erklärt der Zehnjährige. "Da folgt Bild auf Bild und wird so zum Film." Titel und Handlung sollen jedoch eine Überraschung für morgen sein, heißt es von den Pädagogen des Medienkompetenzzentrums Koblenz, die eher aus dem Hintergrund für das Know-how verantwortlich sind, während die Grundschüler mit Kamera und Mikrofon agieren.

Etwas Handfestes bauen hingegen die Natur-Forscher um Diplom-Biologin Birgit Jeandrée. Sie gestalten Miniaturgärten im Wandel der Zeit: vom Nutzpark hin zum Spielgarten, wie sie ihn sich wünschen. Alles schön in alten Schuhkartons. Und so ganz nebenbei wird das Thema Wasser in der Kreisstadt beackert: Bedeutung, Kraft und Aufbereitung.

"Kein Kind muss sich hier für die ganze Woche festlegen", sagt Sara Wessel. "Jeder kann morgens beim Plenum entscheiden, wo er seine Klammer diesmal hinhängt." Und dann kann es durchaus passieren, dass ein Dreikäsehoch sich auf einmal für die Küche mit Diplom-Ökotrophologin Heike Klöckner entscheidet.

Denn dieser Workshop kocht sich mit Gulasch und Co. sein eigenes Mittagessen. "Alle anderen werden über Catering versorgt", sagt Christine Kläser: "Rein vegetarisch. Das ist beim Handling einfacher, denn keiner muss erklären, warum er kein Fleisch essen will oder darf."

Für die Kultturräume wird auch schonmal die Freizeit geopfert

Zwischendurch gibt es sowieso nur Gemüsesticks im Zelt von Pädagogikstudentin Désirée Bach aus Nierendorf. Sie opfert schon zum zweiten Mal für die Kulturräume ihre Freizeit, um Anlaufstelle für alle Kinder zu sein und Kreativ-Aktionen wie Batik oder "Spiele früher und heute" zu leiten.

Zudem ist sie auch "Herrin der Getränke", für die jedes Kind seinen beschrifteten Becher hat - wie bei den Klammern direkt neben der Fundsachenkiste und der stets bewachten Garderobe.

Für das Zelt zeichnete übrigens die Jugend des Technischen Hilfswerkes um Kilian Heuwagen verantwortlich. Es wurde bei einer Einsatzübung von den THW-Minis so aufgebaut, dass es nicht wegfliegen kann.

All das fällt beim Bundesbildungsministerium dann unter drei Zielsetzungen: Kulturelle Teilhabe für jedes Kind und jeden Jugendlichen zu ermöglichen, Vermittlung kultureller Kompetenzen und Förderung von Medienkompetenz sowie Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder und Jugendlichen.

Ferienaktion hört sich jedoch deutlich kinderfreundlicher an. Wobei auch auf Elternfreundlichkeit geachtet wird. Denn neben den Kernzeiten von 8 bis 16 Uhr gibt es noch die Rahmenbetreuung von 7 bis 8 Uhr und von 16 bis 17 Uhr - volles Programm, an dem sich auch die jugendlichen Kulturbotschafter gerne beteiligen.