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Nicht nur für Eisenbahn-Freaks: Heimatforscher bringt zweite Auflage seines Ahrtalbahn-Buchs

Nicht nur für Eisenbahn-Freaks : Heimatforscher bringt zweite Auflage seines Ahrtalbahn-Buchs

Die zweite Auflage ist fast doppelt so lang wie die erste: Heimatforscher Heinz Schönewald hat sein Buch zur Ahrtalbahn von 76 auf 128 Seiten erweitert.

Wer dieses Buch liest, der ist vor Aha-Erlebnissen nicht gefeit. Und er wird das Ahrtal künftig, ein gutes Stück weit zumindest, mit anderen Augen sehen als bisher. Heinz Schönewald – seit vielen Jahren gehört er zu den festen Größen, was die Erforschung der Geschichte von Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Gegend darum herum betrifft – hat die überarbeitete und von 76 auf 128 Seiten stark angewachsene Zweitauflage seines zuerst 2016 erschienenen Bandes „Die Ahrtalbahn“ veröffentlicht.

Was seine Lektüre so sympathisch macht, ist, dass das kleine Buch historisch korrekt ist, trotzdem aber gut zu lesen. Anders als viele andere Bücher zum Thema Eisenbahn wendet sich Schönewald nicht (nur) an Eisenbahnfreaks, sondern an ein denkbar breites Publikum – auch dadurch, dass er seine Leser von obsessivem Herunterbeten technischer Kennzahlen verschont. Dem Autor kommt es vielmehr darauf an, die Vielzahl von Bezügen deutlich zu machen, die die Ahrtalbahn zu Gegenwart und Geschichte der Region hat, und er scheint seine Leser motivieren zu wollen, selbst auf Ahrtalbahn-Entdeckungstour zu gehen – mit Wanderstock, Fahrrad oder eben mit der Ahrtalbahn selbst.

Dabei untertreibt der Titel stark. Denn in dem 128-Seiten-Buch im handlichen DIN-A-5-Format geht es nicht nur um die Ahrtalbahn in ihrer heutigen Ausdehnung von Remagen bis Ahrbrück, sondern um ihre einstigen Dimensionen, als sie der Ahr bis ganz in die Nähe ihrer Quelle in Blankenheim folgte, und es geht auch um den Abzweig von Dümpelfeld bis ins etwa 47 Bahnkilometer entfernte Jünkerath.

Mit interessanten Details wartet das Buch auch bei der Darstellung der nie in Betrieb gegangenen Ruhr-Mosel-Entlastungslinie auf, der Ahrweiler die „Schwurfinger“ im Adenbachtal verdankt. Wer hat bislang gewusst, dass die 1976 für den Verkehr freigegebene A 61 über mehrere Kilometer auf der Trasse der geplanten Entlastungslinie verlief? Wer wusste schon, dass dort, wo sich heute der Leimersdorfer Sportplatz befindet, einst ein Bahnhof geplant war? Und wer weiß, dass beim Bau des 1273 Meter langen Kuxbergtunnels während des Ersten Weltkriegs russische Kriegsgefangene schuften mussten?

Weiteres Thema des Bandes: die Anbindung der Ahrtalbahn an die rechtsrheinische Strecke über die Ludendorff-Brücke, die bei Remagen und Erpel den Rhein überspannt, am 1. September 1919 in Betrieb ging, kaum genutzt wurde und im März 1945, nachdem sie ein Stück Kriegsgeschichte geschrieben hatte, zusammenbrach. Nicht zuletzt geht es um die elektrische gleislose Bahn, eine vor allem für die Beförderung von Kurgästen gebaute Art O-Bus, der von 1906 bis 1917 zwischen den Bahnhöfen Bad Neuenahr und Walporzheim pendelte.

Die Ahrtalbahn selbst war und ist, das macht die Lektüre deutlich, multifunktional. Sie brachte Kurgäste nach Bad Neuenahr und auch nach Bad Bodendorf, transportierte Heerscharen trinkfester Westfalen zu den Weinfesten längs der Ahr, nahm Apollinaris-Mineralwasser für die Verschiffung in alle Welt ebenso wie flüssige Kohlensäure aus Bad Bodendorf mit, die belgischem Bier zugesetzt wurde. Beim Bau des Regierungsbunkers zwischen Ahrweiler und Dernau spielte sie eine wichtige Rolle für den Materialtransport, nachdem sie zuvor die Westfront mit Soldaten und Kriegsmaterial versorgt, und auf ihrem Rückweg Verwundete zur Rekonvaleszenz in Lazarette in Ahrweiler und Bad Neuenahr mitgenommen hatte.

Eine wichtige Rolle spielte die Eisenbahnstrecke auch für den An- und Abtransport von Rennsportfans zum und vom Nürburgring. Und längst ist die Ahrtalbahn, zweifellos eine der schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands, zum Selbstzweck geworden, etwa als Motivgeberin für Hobbyfotografen und -filmer.

Heinz Schönewald: Die Geschichte der Ahrtalbahn, 128 Seiten und rund 100 Abbildungen, 2. Auflage Eifel-Verlag 2020, 12,90 Euro, ISBN 978-3-943123-40-1