Wohnen im Schloss: Wie ein hochherrschaftliches Anwesen in Gelsdorf zur neuen Heimstatt für 100 Menschen wurde

Wohnen im Schloss : Wie ein hochherrschaftliches Anwesen in Gelsdorf zur neuen Heimstatt für 100 Menschen wurde

Für 100 Menschen ist es ein Zuhause: Schloss Gelsdorf, im Volksmund "die Burg" genannt. Tatsächlich erreicht man die repräsentative Anlage an der Landesgrenze zu NRW über die "Burgstraße", und ihre Adresse lautet "Burghof". Der Name erinnert an die Ursprünge im 13. Jahrhundert als Wasserburg.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde auf den alten Grundmauern das Schloss errichtet. Geblieben sind von der mit ihren Gräben, Türmen und hohen Mauern durchaus repräsentativen und wehrhaften Burg eine wunderschön behauene romanische Säule und das aus Feldbrandsteinen gemauerte Gewölbe der einstigen Burgkapelle im Gartengeschoss des Haupthauses - jetzt ist es Warteraum einer Arztpraxis .

Nach neuesten Erkenntnissen des Grafschafter Heimatforschers Ottmar Prothmann ließ Freiherr von Hundheim 1716 das Schloss im spätbarocken Stil errichten. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Anlage oft ihre Besitzer. Nach ihrer Zeit als Herrensitz wurde sie Zankapfel zwischen Kirche und Zivilgemeinde.

Sie beherbergte Pfarrer und Vikar, Schule, Lehrerin und Lehrer, war Amtsstube des Bürgermeisters. Schließlich kamen Teile von Vorburg, Wirtschaftsgebäuden und Herrensitz in unterschiedliche Hände. Von 1861 bis in die 1920er Jahre nutzte die damals große jüdische Gemeinde den linken Flügel der Vorburg als Synagoge.

Vom Innenhof aus erkennt man noch die zugemauerten hohen Fensterbögen. Die Anlage war Kriegsgefangenenlager, Unterkunft für Flüchtlinge, Sitz der Raiffeisenbank, Bauernhof, Landdienstlager der Hitlerjugend, Kleiderlager der Firma C&A, die Gewölbe des Schlosskellers dienten den Dorfbewohnern zum Schutz vor Bomben. Später bezogen amerikanische Truppen das Herrenhaus. Nach und nach verkam der Komplex, und Kirche und Gemeinde als damalige Eigentümer einigten sich auf Verkauf auf Abriss.

Ein Privatmann verhinderte das, aber auch eine Reihe danach angedachter Projekte von der Filmakademie bis hin zum Hotel und Gästehaus der Bonner Bundesregierung wurde nie realisiert. Fehlende Investitionen hatten die Stallungen verfallen lassen.

Bis schließlich ein in seiner Ursache unaufgeklärter Brand am 19. Juli 1979, der gleichzeitig an zwei Stellen im Dachstuhl des Haupthauses ausbrach, Schloss Gelsdorf bis auf die Außenmauern als Ruine zurück ließ.

1981 kaufte ein Architektenpaar aus Ratingen das völlig verwilderte Areal mit der Ruine, ließ die Wassergräben von Schutt und Müll befreien, baute das Haupthaus in seinen äußeren Strukturen wieder auf, sanierte die Vorburg bis auf den Teil mit der ehemaligen Synagoge, der in anderer privater Hand blieb, ließ Schweineställe und eine Halle im Innenhof abreißen.

An Stelle der Stallungen und Remisen entstanden 17 schöne Reihenhäuser, mit jeweils eigener begrünter Terrasse und einem gemeinsamen Rasenstück. Dazu kommen elf Wohnungen sowie die Arztpraxis und ein Yoga-Institut im Herrenhaus und vier Wohnungen in der Vorburg. Hausmeister Hans-Albert Phiesel kennt noch das Feld jenseits der jetzigen Landesgrenze, auf dem die Ziegelsteine für das alte Ensemble gebrannt worden sind.

Aus gleichem Material sind die Neubautrakte errichtet, die sich mit ihren steilen Dächern und den Dachgauben den Altbauten anpassen. Mit dem großen gepflegten Park mit seinen Zier- und Obstbäumen und den weiten Wiesenflächen ist aus dem Schloss ein attraktives Wohnensemble für Familien geworden, und von den 100 Bewohnern sind 30 jünger als 16 Jahre.

Die Kinder dürfen ihre Rädchen über die Kieswege chauffieren, sich auf einem Spielplatz amüsieren, im Advent dürfen sie den mächtigen Weihnachtsbaum im Vorhof schmücken. Sie können sich unter einen Apfelbaum legen und schmökern, Obst ernten, mit den Eltern auf dem Grillplatz Herzhaftes zubereiten.

Und aus den mit Wasserlinsen übersäten Gräben hören sie die Frösche quaken, sehen mit etwas Glück die Fische schwimmen, die Seerosen erblühen und die Teichhühner ihre Küken ausführen. So wurde das herrschaftliche Domizil einer Familie zur attraktiven Wohnanlage für viele.

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