Vom Frühchen zum Teenager: Vor 17 Jahren kam Isabel Luxem mit nur 800 Gramm Gewicht zur Welt

Vom Frühchen zum Teenager : Vor 17 Jahren kam Isabel Luxem mit nur 800 Gramm Gewicht zur Welt

Die Windel reichte ihr bis unter die Arme, eine Magensonde steckte in der winzig kleinen Nase, die Haut schien brüchig wie zartes Porzellan. "Wie ein Vögelchen, das viel zu früh aus dem Nest gefallen ist, lag sie da", erinnert sich Sibylle Luxem aus der Gemeinde Grafschaft noch ganz genau an die schwerste Zeit in ihrem Leben.

Mit nur knapp 800 Gramm Geburtsgewicht und einer Größe von gerade einmal 30 Zentimetern kam Tochter Isabel am 11. Juni 1996 in der Bonner Uniklinik zur Welt - rund 14 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin.

Schritt für Schritt kämpfte sich das Mädchen ins Leben. Betreut und begleitet wurde sie dabei von Professor Peter Bartmann, Chef der Neonatologie. Dass aus dem zarten, zerbrechlichen Frühchen eine junge, hübsche, starke und selbstbewusste Frau geworden ist, davon konnte er sich jetzt persönlich überzeugen. Denn zu seiner Abschiedsfeier in der Kinderklinik hatte Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor des Hauses, als "Überraschungsgast" Isabel Luxem eingeladen.

Aus heiterem Himmel traf Familie Luxem vor knapp 18 Jahren dieses Schicksal. Mutter Sibylle fühlte sich pudelwohl. "Es ging mir gut, und es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass die Schwangerschaft so dramatisch enden sollte", erzählt sie heute. Die beiden älteren Kinder, Carolina, damals fünf, und Dominik, drei Jahre, waren versorgt, und zusammen mit ihrem Mann und Freunden hatte sie sich zum Segeln verabredet. "Es war ein heißer, schöner Tag. Alles war in bester Ordnung." Hundemüde kam sie abends nach Hause zurück, naschte noch ein Stück Käse und ging zu Bett. "Das war ein Rohmilchkäse, und ich wusste nicht, dass man den in der Schwangerschaft nicht essen soll."

Noch in der Nacht bekam sie Schüttelfrost und fühlte sich sehr schlecht. "Hals über Kopf sind wir in die Klinik gefahren. Als ich dort ankam, trug ich noch immer meinen Schlafanzug." Die Herztöne des Kindes hatten sich bereits dramatisch verschlechtert, und "eh ich gucken konnte, wurde ich für einen Notkaiserschnitt vorbereitet. Die Diagnose lautet Listeriose", erzählt sie.

Morgens um sieben Uhr war Isabel dann viel zu früh auf der Welt. "Als ich sie zum ersten Mal sah, war ich sehr erschrocken. So winzig lag sie in einem Inkubator." Nach fünf Tagen durfte sie ihr drittes Kind erstmals füttern: Auf acht Mahlzeiten verteilt, flößte sie Isabel 17 Gramm Milch über die Sonde ein. "Das schlimmste war für mich allerdings, nach zehn Tage entlassen zu werden und ohne meine Tochter nach Hause zu fahren", sagt Sibylle Luxem. Isabel war derweil bestens versorgt, regelmäßig kontrollierten die Ärzte die Lungenfunktion sowie die Augen.

"Wir hatten ständig Angst um sie", gesteht die Mutter. Während sie täglich von der Grafschaft nach Bonn fuhr, wurden ihre beiden älteren Kinder zu Hause von Nachbarn betreut. "Die waren einfach großartig. Morgens wurden Carolina und Dominik abgeholt, den ganzen Tag versorgt, und sogar abends kam jemand zu uns nach Hause, um sie ins Bett zu bringen", ist sie ihren Nachbarn auch heute noch sehr dankbar.

Nach gut acht Wochen durfte schließlich auch Isabel nach Hause. Heute ist das Sorgenkind von damals kerngesund. Ihre Kämpfernatur prägt allerdings immer noch ihr Leben. "Isabel lässt sich von nichts und niemandem unterkriegen. Sie beißt sich fest und lässt nicht locker", beschreibt sie den Charakter ihrer Tochter.

Jetzt wird die 17-Jährige dorthin zurückkehren, wo sie die ersten schweren Wochen ihres Lebens verbrachte. Jetzt in den Osterferien absolviert die Schülerin des Technischen Gymnasiums in Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Praktikum in der Bonner Uniklinik. Denn vielleicht möchte sie eine Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenten machen.

Zentrum für fetale Medizin

Das Zentrum für fetale Medizin und angeborene Fehlbildungen am Uniklinikum Bonn bietet eine Betreuung von der Schwangerschaft über die Geburt bis zur Neugeborenenmedizin an. Derzeit werden laut Klinik jährlich mehr als 1700 Babys versorgt, davon etwa 80 bis 90 sehr kleine Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm. Zudem werden jedes Jahr rund 150 Neugeborene mit angeborenen Fehlbildungen behandelt, von denen etwa 100 Babys bereits in den ersten Lebenstagen operiert werden.

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