Tomke Bodag aus Nierendorf hat "Halbzeit" am Kap der guten Hoffnung: Von der Grafschaft nach Südafrika

Tomke Bodag aus Nierendorf hat "Halbzeit" am Kap der guten Hoffnung : Von der Grafschaft nach Südafrika

Andere denken als erstes an Nelson Mandela und Apartheid. Tomke Bodag aus Nierendorf hat ganz andere Erfahrungen mit dem Land gemacht, in dem sie seit einem halben Jahr lebt: Südafrika.

Die Garden Route ist für sie nicht mehr nur ein Strich auf der Landkarte. Und sie ist auch schon im Kanu auf dem zweitlängsten Fluss des südlichen Afrika gerudert.

"Die viertägige Orange River Tour zwischen Namibia und Südafrika war mein schönstes Erlebnis hier bisher. Nachts haben wir unterm Sternenhimmel geschlafen", berichtet die 17-Jährige, die das Private Gymnasium Calvarienberg der Ursulinen in Ahrweiler bis zur zehnten Klasse besucht hat und dort nach ihrer Rückkehr Ende Juni in die zwölfte Klasse gehen und Abitur machen möchte.

Mit Beginn des neuen Jahres ist für die Nierendorferin bereits die Hälfte ihres Austauschjahres um.

Seit vergangenem Sommer besucht sie eine Schule in Kapstadt und lebt dort in einer Gastfamilie. "Ich wohne mit einem sehr liebenswerten Ehepaar in einem schönen Haus. Gastgeschwister habe ich nicht, aber oft Besuch von Freunden."

Rückblickend ist sie überrascht, wie schnell sie sich in ihrer neuen Familie zu Hause gefühlt hat, "weil ich einfach so willkommen war".

Es sei immer ein großer Traum von ihr gewesen, nach Südafrika zu reisen. Als sie von der Möglichkeit erfahren habe, diesen als Stipendiatin der gemeinnützigen Bonner Austauschorganisation "Experiment" wahr zu machen, sei eine Bewerbung für sie sofort klar gewesen, sagt Tomke: "Meine Erwartungen waren, meine Englischkenntnisse zu verbessern, mehr über die Kulturen zu erfahren und neue Leute kennen zu lernen. Ich habe viele Bücher gelesen, bevor ich gekommen bin, und so wusste ich schon einiges über Land und Leute."

Die Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen und die Schönheit der Landschaft, von denen sie vorher erfahren hat, haben sich für sie bewahrheitet. "Das einzige, was ich ganz anders erwartet habe, ist die Schule, da sie deutlich unter dem deutschen Bildungsstandard ist."

Bei einem viertägigen Seminar im Vorfeld ist sie auf viele Situationen, die ihr in der Ferne passieren können, vorbereitet worden, erzählt sie. "Kapstadt ist eine wunderschöne Stadt mit vielen verschiedenen Kulturen, die hier zusammentreffen und bietet durch ihre Lage eine einzigartige Natur."

Durch den großen Unterschied von Reich und Arm sei die Stadt am Tafelberg allerdings auch eine sehr zweiseitige Stadt. "Mir persönlich sind noch keine rassistischen Anmerkungen untergekommen, jedoch kann man in der Schule Gruppenbildungen von Schwarzen und Weißen beobachten."

Deutschland vermisst Tomke, weil sie dort im Gegensatz zu Kapstadt mehr Freiheit habe und ohne Gefahr öffentliche Verkehrsmittel benutzen und alleine draußen rumlaufen könne. Wenn sie in Südafrika unterwegs ist, dann immer mit Freunden oder den Gasteltern, und in Bus oder Bahn nur in einer Gruppe von mindestens drei Personen.

Dafür entschädige das angenehme Wetter, denn am Kap der guten Hoffnung sei gerade Sommer, sowie die Strände, die Natur, ihre Gastfamilie und ihre Freunde dort.

"Der Aufenthalt hier in Südafrika hat mich sehr positiv verändert, ich bin viel offener und selbstständiger geworden, und durch die Gelassenheit der Menschen auch viel entspannter", sagt Tomke Bodag.

Weil sie ein sehr enges Verhältnis zu ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern Amkea und Jasper habe, freue sie sich unter anderem auch sehr darauf, dass ihre Schwester sie nach deren Abitur bald in Südafrika besuchen komme.

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