Hühnerstall auf Rädern: So funktioniert ein "Hühnermobil"

Hühnerstall auf Rädern : So funktioniert ein "Hühnermobil"

Patrick Heinzen aus Esch hat ein "Hühnermobil": Er hält 230 Legehennen in einem Stall auf Rädern. Regelmäßig wechselt er die Auslaufflächen der Hühnerschar. Und die Ziegenböcke "Ernie" und "Bert" passen auf.

Etwas unscheinbar steht es auf einem Feld neben der Kreisstraße zwischen Holzweiler und Esch, das „Hühnermobil“ von Patrick Heinzen sorgt aber dennoch für Aufsehen. Der 26-jährige Landwirt vom Landhof Heinzen in Esch hält in dem fahrbaren Hühnerstall seit Mitte Juli etwa 230 Hühner und ist überzeugt von dieser artgerechten und natürlichen Haltung: „Bei uns gibt es Eier von glücklichen Hühnern“, schmunzelt er.

Denn das Entscheidende an dem etwa 20 Quadratmeter großen Stall ist das dazugehörige Freigehege von 2000 Quadratmetern Größe, auf dem die weißen und braunen Legehybriden nach Herzenslust in frischem Gras und Klee scharren und auf intakten Grünflächen Körner picken können. Mittlerweile kann Heinzen so täglich etwa 210 „frische Premium Freiland-Eier“ einsammeln, die ihm förmlich aus der Hand gerissen werden. Und das, obwohl die Eier in unterschiedlichen Größen immerhin 40 Cent pro Stück kosten und damit nicht gerade zu den preiswerten Angeboten zählen.

Die Kunden wissen nämlich die Qualität der Eier aus dem Hühnermobil zu schätzen. Schließlich tragen Eier aus dieser Art der vollmobilen Freilandhaltung sozusagen die Sonne im Eigelb. Dessen satte gelbe Farbe ist das Ergebnis der gesunden Grünfutteraufnahme. Vom Auslauf führt der Weg des frischen Grüns unmittelbar ins Eigelb. Auch im Fleisch der Hühner werde die artgerechte Haltung erkennbar. Das kann man ab Herbst 2020 ausprobieren, wenn die jetzt aktiven Hühner als Suppenhuhn in den Verkauf kommen.

Ein Mal pro Woche Futter nachfüllen

„Unser Augenmerk liegt auf dem Wohl unserer Tiere, denn glückliche und gesunde Hühner, die ihrem natürlichen Verhalten nachgehen können, legen wohlschmeckende Eier“, sagt Heinzen. „Die Hühner dürfen ihr Leben auf frischen Wiesen verbringen und fressen nur gentechnikfreies Futter aus Deutschland.“ Im Inneren ist das Hühnermobil mit Sitzstangen, Futter, Wasser, geschütztem Scharrbereich und Gruppen-Einstreu-Nestern ausgestattet. Zwei Solarzellen auf dem Dach sorgen für Licht und die automatische Klappensteuerung. Einmal pro Woche muss Patrick Heinzen Futter und Wasser nachfüllen, so verbrauchen die 230 Hühner täglich etwa 60 Liter Wasser.

Die Nacht verbringen die Hühner im mobilen Hühnerstall, während sie tagsüber in ihrem Freigehege aktiv sind. Auch im Winter sollen die Hühner draußen bleiben, wenn es nicht gar zu kalt ist. Dabei haben sie sogar zwei „Leibwächter“, denn die beiden Zwergziegenböcke „Ernie“ und „Bert“ teilen sich das Gehege mit dem Federvieh und schützen es vor Habicht und Fuchs. Im kommenden Jahr, wenn eine neue Hühnerschar die jetzige Herde ablöst, soll auch noch ein Hahn dazu kommen, der sich allerdings mit den Hühnern vertragen und deshalb schon von Kindesbeinen auf mit ihnen aufgewachsen sein muss.

Eine übermäßige Nutzung des Bodens, in dem das Freigehege steht, ist ebenfalls ausgeschlossen, denn das Hühnermobil wird alle zwei Wochen ein Stück weit versetzt auf einen neuen Untergrund. So leistet die vollmobile Stallhaltung ganz nebenbei auch noch einen Beitrag zur Bodengesundheit und zur Erhaltung natürlicher Kreisläufe. Zusätzlich steigern die Hinterlassenschaften der Hühner die Fruchtbarkeit des Bodens durch natürliche Düngung ohne Übermaß. „So könnte die mobile Hühnerhaltung eine Antwort auf die Frage sein, wie die Landwirtschaft der Zukunft aussieht, die die bäuerlichen Strukturen vor Ort stärkt und neue Trends für die wirtschaftliche Belebung des ländlichen Raumes setzt“, sagt Heinzen.

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