Wohnungen auf dem Grafschafter Bauhof: "SEK Flüchtlinge" greift ein

Wohnungen auf dem Grafschafter Bauhof : "SEK Flüchtlinge" greift ein

"Meine Landsleute wollen sich nützlich machen." Dieser Satz von Imad Mardo, Syrer und seit einigen Monaten als Dolmetscher Praktikant im Grafschafter Rathaus, stieß bei Bürgermeister Achim Juchem auf offene Ohren.

Und es gab eine prompte Reaktion: Die Rathausmitarbeiter Friedhelm Moog (Bauamt) und Edgar Schwanz (Ordnung und Soziales) hoben das "SEK Flüchtlinge" aus der Taufe: ein Sondereinsatzkommando von jungen Syrern, das das Bauhofteam bei der Einrichtung von Wohnungen für ihre Schicksalsgenossen unterstützt.

"Einzige Voraussetzung ist eine gewisse handwerkliche Begabung", sagte Moog bei einem Ortstermin mit Juchem und Schwanz in Eckendorf. Dort richtet zurzeit Rainer Westhoff vom Bauhof mit drei Syrern - zwei gelernte Schneider, ein Bäcker - ein Haus ein, das noch vor Weihnachten von acht Flüchtlingen bezogen werden soll.

Aktuell sind auf der Grafschaft 96 Flüchtlinge untergebracht. Die Zuweisung in diesem Jahr beträgt inklusive der 23, die noch für Dezember avisiert sind, 152. "In den vergangenen Jahren waren es immer um die 25", sagte Juchem, der im kommenden Jahr mit rund 200 Zuweisungen rechnet. Dafür sollen 100 Wohnplätze vorgehalten werden, denn etliche Flüchtlinge, die von der Erstaufnahme auf die Grafschaft kommen, wollen später weiter zu Freunden oder Verwandten in anderen Kommunen.

Aktuell hat die Gemeinde 26 Wohnungen angemietet, in denen Flüchtlinge untergebracht sind oder noch werden. Für das kommende Jahr hat die Gemeinde 600.000 Euro im Haushalt bereitgestellt. Davon soll im Stil sozialer Wohnungsbau in Ringen ein Haus mit sechs Wohneinheiten gebaut werden. "Die können bei Bedarf aber auch an sozial schwache Bürger vermietet werden", erklärte Juchem die Intention. Seine Intention in Sachen SEK ist aber auch klar: "Wir wollen den Bürgern zeigen, dass die Flüchtlinge auch bereit sind sich einzubringen."

So packt denn das syrische Trio zurzeit in Eckendorf für eine Anerkennung von 1,05 Euro pro Stunde eifrig an. Betten werden aufgestellt, Schränke montiert, Kommoden gerückt. Sachen, die die Grafschaft keinen Cent gekostet haben. Denn eine Seniorenheim in Bonn hat sich in den vergangenen Monaten komplett neu möbliert. Die hochwertigen Altmöbel wurden der Grafschaft gestiftet. Und damit für Mobiliar und andere Spenden von der Waschmaschine bis zum Kühlschrank genügend Lagerkapazität da ist, plant die Grafschaft in 2016 den Bau einer kleinen Lagerhalle im Innovationspark.

Auf positive Resonanz stößt weiterhin laut Juchem sein Appell an die Grafschafter Bürger, der Gemeinde Wohnraum für Flüchtlinge zur Miete zur Verfügung zu stellen. "Erst heute wurde uns ein weiteres Haus angeboten. Das werden wir nehmen", sagte der Bürgermeister, der aber auch "Träumen von hohen Mieten" Grenzen setzt: "Mehr als 6,50 Euro pro Quadratmeter, das ist auch der Satz bei Hartz IV, gibt es nicht."

Nicht zufrieden ist der Chef im Ringener Rathaus jedoch mit den behördlichen Abläufen in Sachen Flüchtlinge. "Zwischen Kreis und den Kommunen funktioniert alles. Der Verteilerschlüssel steht. Aber die Benachrichtigungen aus der Erstaufnahme, wann und wie viele Flüchtlinge kommen, lassen zu wünschen übrig. Da haben wir manchmal weniger als zwei Wochen Vorlauf. Das ist sehr eng."

Freiwillig rückt hingegen das Rathaus zusammen. Dort wird zurzeit ein Raum freigeräumt, um eine provisorische Arztpraxis einzurichten. Ein im Ruhestand lebender Bad Neuenahrer Mediziner hat sich bereiterklärt, dort ab kommendem Jahr ehrenamtlich Sprechstunden für Flüchtlinge abzuhalten. Und auch da will sich Imad Mardo als Dolmetscher nützlich machen, wie seine Landsleute beim Bauhof.