Raststätte in der Grafschaft: Rastplatz an der A61 bekommt 80 Brummi-Stellplätze

Raststätte in der Grafschaft : Rastplatz an der A61 bekommt 80 Brummi-Stellplätze

Jeden Abend drängeln sich auf dem Rastplatz Goldene Meile in der Grafschaft die Lastwagen. Dort sollen nun zusätzliche 80 Parkplätze für Brummis geschaffen werden. Das stößt bei Anwohnern allerdings auf Ablehnung.

Seit Jahren sind die Autobahn-Raststätten vollgepfercht, Lastwagen stehen bis auf die Autobahn hinaus, inzwischen auch vermehrt – unerlaubt – in autobahnnahen Wohn- und Gewerbegebieten, an Wald- und Wiesenrändern ohne jede Versorgung, als neue Negativqualität mittlerweile sogar auf den Standstreifen der Autobahn. Beispiel: der Rastplatz Goldene Meile in der Grafschaft. Jeden Abend drängeln sich dort die Brummis. Gerade mal zehn Stellplätze gibt es dort für Lkw. Mindestens 80 müssten es sein, um den Anforderungen Rechnung zu tragen. Der Landesbetrieb Mobilität will dort nun Nägel mit Köpfen machen. Das passt vielen Anwohnern aber nicht.

Rund 60 interessierte Grafschafter waren ins Ringener Bürgerhaus gekommen, um vom Autobahnamt Montabaur in Erfahrung zu bringen, wie eine geplante Erweiterung des vorhandenen kleinen Lkw-Rastplatzes Goldene Meile an der A 61 aussehen könnte. Die Gemeinde hatte gemeinsam mit dem Landesbetrieb Mobilität zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen, die insbesondere Bewohner der in Autobahnnähe lebenden Ortschaften Gelsdorf, Vettelhoven und Eckendorf auf den Plan rief.

Zwar liegen diese Orte zwischen 800 Metern und einem Kilometer vom Rastplatz entfernt, dennoch ist die Sensibilität in der Bevölkerung groß. Eine erhöhte Unfallgefahr durch sich ein- und ausfädelnde Laster auf der Autobahn wird befürchtet, Verdrängungsverkehr in den Ortschaften bei durch Unfälle verursachte Autobahn-Staus, verstärkter Lärm, verstärkte Abgase. Der an das Autobahnamt adressierte Wunsch der Bürger: „Bauen Sie den Rastplatz woanders.“

Stefan Schmitt stellvertretender Dienststellenleiter der Autobahnbehörde in Montabaur, kennt solche Appelle und Anliegen. „Es nutzt alles nichts. Wir müssen uns den Problemen stellen. Es gibt einen dramatischen Parkplatznotstand an allen Autobahnen. Dem müssen wir Rechnung tragen.“ Alle Erweiterungsmöglichkeiten würden geprüft. Nicht nur in der Grafschaft. Eine räumliche Verlagerung des Problems helfe da nicht weiter. Und es gelte die Devise: „Ausbau kommt vor Neubau“.

80 zusätzliche Stellplätze für Lkw, vier Bus- und 20 Pkw-Plätze sowie eine Toilettenanlage sieht das „Sofortprogramm“ in der Goldenen Meile vor. Über 580 Meter Länge und 120 Meter Tiefe soll sich die neue Raststätte erstrecken. Eine zur Autobahn hin gelegene vier Meter hohe Lärmschutzwand soll Brummi-Fahrern eine möglichst geräuscharme Nachtruhe bescheren.

Unfallgefahr durch überfüllte Rastanlagen

Ein im Bundesverkehrswegeplan vorgesehener dreispuriger Ausbau der A 61 sei in den Planungen bereits berücksichtigt, berichtete Schmitt.

Der Bund ist übrigens nicht Eigentümer der benötigten Erweiterungsflächen. Sie müssten also gekauft werden. Sträube sich der Grundstückseigentümer, könne sehr wohl ein Enteignungsverfahren in Gang gesetzt werden, so Schmitt. Grund: „Es liegt ein großes öffentliches Interesse vor.“

In der Tat ist der Lkw-Verkehr auf den deutschen Autobahnen massiv angestiegen. Und damit auch die Zahl der vagabundierenden Lkw-Fahrer, die oftmals wegen der einzuhaltenden Lenkzeiten stundenlang ergebnislos einen vernünftigen Parkplatz suchen. Längst hat die Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA) einen „Strategiewechsel“ gefordert. Die Potenziale neben der Autobahn blieben bislang völlig unbeachtet. Das müsse sich ändern. Die Lkw-Parkplätze an Autobahnen seien nachts häufig so überfüllt, dass Unfallgefahr drohe. Die Fahrzeuge stünden auf den Tank- und Rastanlagen in den Fahrgassen, in Einfahrtsbereichen und auf Pkw-Stellplätzen. Gefahren entstünden zudem durch die in Einfahrten zu den Parkplätzen abgestellten Lkw, die nachts nicht rechtzeitig erkannt würden. Wegen des weiterhin stetig steigenden Lkw-Aufkommens werde sich diese Problematik weiter verschärfen.

Zahlreiche Fachbehörden müssen nun noch eingeschaltet werden, ehe in der „Goldenen Meile“ die Bagger anrollen. Auch wenn der Handlungsbedarf dringend sei, müssten zunächst noch die Entwurfsplanung, die Genehmigungsplanung und der endgültige Bauentwurf gefertigt werden. Schmitt versprach den Grafschaftern, erneut zu einer Bürgerinformation zu kommen, bevor das Vorhaben konkret in Angriff genommen werde.

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