"Purple Schulz" in Lantershofen: Lieder zum Lachen und Weinen

"Purple Schulz" in Lantershofen : Lieder zum Lachen und Weinen

"Purple Schulz", Kölner Sänger und Liedermacher, war am vergangenen Freitagabend zu Gast bei Kulturlant in der Grafschaft.

Gemeinsam mit seinem Begleiter "Der Schrader" bot er im Winzerverein Lantershofen ein beinahe dreistündiges Konzert, das einen musikalischen Querschnitt durch sein mehr als 30-jähriges musikalisches Schaffenswerk aufzeigte. Natürlich waren sie dabei alle zu hören, die Hits, die Purple Schulz in den 1980er Jahren prägten, und das waren beileibe nicht wenige.

"Ich hatte eigentlich nur noch 'Verliebte Jungs' und 'Sehnsucht'en im Hinterkopf, aber das es doch so viele Hits waren, hätte ich nicht gedacht", drückte ein Konzertbesucher am Freitagabend in Lantershofen aus, was wohl viele der gut 150 Besucher im Winzerverein gedacht haben mögen. Mit Schulz trat dort einer der Deutsch-Pop-Sänger aus den 1980er Jahren auf, die seinerzeit kurz nach den Blödeltexten der Neuen Deutschen Welle die Hitparaden eroberten. Damals füllte Purple Schulz riesige Hallen und räumte Preise wie die "Goldene Europa" ab. "Darauf habe ich längst keinen Bock mehr", gab er gegenüber den Veranstaltern vom Verein Kulturlant zu. Kleine Säle und dabei ganz nah am Publikum sein, dass macht dem Kölner Sänger und Entertainer heute Spaß. Und darum war er auch nach Lantershofen gekommen.

Dort waren es beileibe nicht nur die bekannten Gassenhauer, mit denen Schulz das sangesfreudige Publikum zu unterhalten wusste. "Es wird ein Drei-Gang-Menü werden heute Abend", war die klare Ansage. Das bedeutete zunächst einen Einblick in sein aktuelles Werk "So und nicht anders", dem ersten gemeinsam Werk von Schulz und seiner Frau nach mehr als 25 Ehejahren.

Im Saal des Winzervereins war es beinahe stockdunkel, als sich "Purple", wie ihn all seine Freunde nennen, leise singend den Weg durchs Publikum auf die Bühne bahnte. "Ich hab' Feuer gemacht" erzählte vom Werdegang des kleinen Kindes hin zum Erwachsenen.

"Geh deinen eigenen Weg" wollte Schulz ausdrücken, verdeutlicht durch Verse, wie "Visionen sind wichtig, Träume sind gut. Spinnen ist richtig, verrückt sein braucht Mut." Gleich mit dem ersten Titel hatten Schulz und Schrader das Publikum auf ihrer Seite. In der Folge ließen sie kaum ein aktuelles Thema aus. Sei es die Alzheimer-Erkrankung von Schulz? Vater im Lied "Fragezeichen" oder aber die aktuelle Religionsdebatte mit all ihren Folgen. Sei es die Gratwanderung zwischen Normalität und Wahnsinn in "Die dünne Wand" oder aber der veräppelnden Aufarbeitung der Ernährungs- und Gesundheitswelle, die aus Metzgereien Bioläden werden lässt: "Ich wollt doch nur Aufschnitt nehmen und nicht diese Tofu-Creme."

Im zweiten Gang des Menüs kamen dann die auf ihre Kosten, die Schulz aus den 1980er Jahren kannten. "Verliebte Jungs", "Du hast mir gerade noch gefehlt", "Sehnsucht" oder "Kleine Seen", da wurden Erinnerungen wach. Klar fehlte auch der Schrei, der Schulz berühmt machte, nicht: "Ich will raus." Und ebenso klar, dass ein Kölner nicht am Thema Nummer eins seiner Stadt, dem Karneval, vorbeikommt, auch wenn er dort nicht auftritt. Seine Persiflage auf das jecke Treiben aber kam an, der Saal stimmte lauthals ins "Kölle Alaaf" ein. Da war das Duo schon längst beim dritten Gang seines Menüs, das mit einem ernsten Thema endete. Im Stück "Der letzte Koffer" hat der Künstler das Thema "Tod und Abschied nehmen" in Gedenken an seinen Freund Fritz Roth aus Köln verarbeitet. Am Ende: frenetischer Applaus.

Nicht nur für Schulz, sondern auch für dessen musikalischen Partner "Der Schrader", der großen Anteil am Erfolg des Abends hatte. Auch Schrader ist hochdekoriert: In seiner Vitrine stehen "Echo", "Goldene Stimmgabel" und "Viva-Comet".