"Man handelt eben miteinander": Keine Kirmes ohne Schiffschaukel

"Man handelt eben miteinander" : Keine Kirmes ohne Schiffschaukel

In Karweiler wurde vier Tage lang kräftig gefeiert. Wehrleute schenkten aus.

Das mit Abstand größte Fest in Karweiler ist die Kirmes. Vier Tage lang war der Parkplatz in der Dorfmitte unterhalb der Kirche dazu wieder belegt und ebenso belebt. Die Ortsdurchfahrt blieb gesperrt, weil auf der Bengener Straße unmittelbar vor Kirche und Pfarrheim doch die Schiffschaukel stehen musste. Das ist seit mehr als 40 Jahren so. "Die Schaukel ist Kult und gehört dazu. Wir hatten mal ein Karussell hier, da gab es jede Menge Beschwerden", erinnerte sich Löschgruppenführer Michael Becker mit einem Augenzwinkern. Dass es in dem Grafschafter Ort zum Kirmesfest noch einen Schausteller gibt, ist keineswegs selbstverständlich. In vielen anderen, auch wesentlich größeren Orten, sind die Karussells und Schießbuden zum Patronatsfest längst verschwunden.

Nicht so in Karweiler, das Unternehmen der Familie Lünebach aus Oberdrees hält den Karweilern auch nach dem Generationenwechsel in der Schaustellerfamilie die Treue. Und die Wehr, deren Förderverein offizieller Ausrichter des Festes ist, dankt es. "Die Grafschafter Wehren haben eine eigene Hüpfburg, in Karweiler verzichten wir darauf, um dem Schausteller nicht das Geschäft kaputt zu machen." Man denkt und handelt eben miteinander. Das gilt auch für Handeln und Tun des Fördervereins und der Bevölkerung. "Jede Menge Mitbürger kommen zur Kirmes, um uns beim Auf- und Abbau zu helfen, das ist eine ganz tolle Aktion", zeigt sich Michael Becker stolz auf die Einwohner des Dorfes.

Klar, dass diese auch zum Feiern kommen. Dass es dabei so manches Mal spät in der Nacht wird, stört auch die, die rund um den Festplatz wohnen, nicht. Viele von ihnen sind sowieso dabei, Lärmbeschwerden gab es bis heute aus dem Ort keine. Selbst wenn die Schießbude nachts um drei Uhr noch geöffnet hat, stört das niemanden. Freitagabend ging es los mit dem bunten Treiben, zum Auftakt gab es, wie in den vergangenen Jahren immer, ein rund vierstündiges Konzert der Band "Lampenschirm", deren Wurzeln in Karweiler liegen. "Es war jede Menge los, Jung und Alt waren zum Feiern gekommen und freuten sich über die Musik, fast schon eine karibische Nacht bei lauen Temperaturen", so Becker.

Samstag war es nicht anders, Festzelt und Festplatz, vor allen Dingen aber die Tanzfläche waren proppenvoll, als das "Duo Thunderbirds" & Esther" zum Tanz aufspielte. Auch hier wurde es wieder ein langer Abend, bei dem neben der Dorfbevölkerung auch benachbarte Wehren mitfeierten. Die Kameraden aus Lantershofen, Ringen, Birresdorf, Bengen und Nierendorf nutzten einen der beiden ersten Abende, um sich in Karweiler sehen zu lassen. Einen besonderen Service bot die Karweiler Wehr ihren Gästen: Wer zu später Stunde müde geworden war, wurde im Feuerwehrauto nach Hause gefahren. Natürlich nicht im Wagen der Gemeinde, sondern im eigens vom Förderverein angeschafften zweiten Wagen der Wehr.

Sonntag und Montag war das Wetter dann für ein Fest, das zu großen Teilen unter freiem Himmel stattfindet, nicht mehr allzu freundlich. Dennoch tat das der Stimmung in Karweiler kaum Abbruch. Und so war das Festzelt nach dem von Alexander Burg und Kurt Groß zelebrierten Festhochamt wieder bestens besucht, viele Gäste blieben über Mittag, der erstmals angebotene Schwenkbraten war schnell ausverkauft. Auch vom Kuchenbuffet am Nachmittag blieb kaum ein Krümel übrig, dazu präsentierte der Musikverein Karweiler schmissige Töne.

Den Kirmesmontag feiert man in Karweiler ebenfalls noch. Einst der umsatzstärkste Tag mit großem Frühschoppen, startete das bunte Treiben nun zwar erst gegen Abend, aber auch da kamen noch einmal zahlreiche Gäste. Dort ging es dann zu später Stunde dem Kirmesmann an den Kragen. Der Fördervereinsvorsitzende Thomas Breuer und sein Vize Walter Popielas zerrten den Verursacher des Schwundes in den Geldbörsen der Karweiler vor Gericht, machten ihm den Prozess und vollstreckten das Urteil sofort vor Ort: Der Kirmesmann ging in lodernden Flammen zugrunde.

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