Ausbilder Schmidt: "Kauf dir dafür Kriegsspielzeug"

Ausbilder Schmidt : "Kauf dir dafür Kriegsspielzeug"

Comedian Ausbilder Schmidt gab sich in Lantershofen als "Drecksack der Nation"

War das jetzt "politisch korrekt", was Comedian Holger Müller in der Person des "Ausbilder Schmidt" da bei Kulturlant e.V. im Lantershofener Winzerverein von sich gab? Sicherlich nicht. Aber was es da zu hören gab, war den meisten der Gäste im Vorfeld bekannt. Und gerade darum wohl auch so viele.

Mit knapp 200 Besuchern konnte sich der junge Grafschafter Kulturverein jedenfalls nicht nur über ein ausverkauftes Haus, sondern auch über einen tollen Auftakt seiner ersten kompletten Saison freuen. Mindestens weitere 13 Veranstaltungen werden bis zum kommenden Mai folgen.

Zurück zum "Ausbilder", das ist wohl auch der Vorname des Wahl-Kölners. Der reist nicht im Auto, sondern im Panzer durch die Gegend, hängt statt Wunderbaum eine ganze Tanne hinein und gibt bei notorischen Linksfahrern auf der Autobahn schon Mal einen Warnschuss ab.

"Schlechten Menschen geht es immer gut"

Man sollte halt ein Drecksack sein, meint Schmidt, nicht umsonst heißt sein aktuelles Programm "Schlechten Menschen geht es immer gut." Wenn einen niemand leiden kann, wird man auch nicht zum Arbeiten eingeladen, beispielsweise zur Umzugshilfe. Und was macht so ein Drecksack? "Der Oma nicht über die Straße helfen, aber die Gehhilfe schon mal mit rübernehmen." Um so zu werden, bedarf es der frühen derartigen Erziehung. Ausbilder Schmidt betonte, einer der ganz harten Sorte zu sein: "Die Nabelschnur habe ich mir selber durchgebissen." So fing es an.

Klar, dass es da auch die klare Ansage an Mutters Bio-Gemüse-Lasagne gibt: "Schmeckt nicht, mach Fleisch rein! Vor mir aus den Hamster meines Bruders." Da ist es auch nicht verwunderlich, dass der Ausbilder seine Frau bei der Gema angezeigt hat, weil sie unter der Dusche singt. Jetzt geht es schneller im Bad. Ausgebuffter ist da wohl nur sein Sohn mit dem Doppelnamen "Ruck-Zuck", der den Vater mit einem alten Poesiealbum erpresst.

Irgendwie kann man dem Ausbilder trotz seiner markanten Aussagen aber nicht böse sein. Vielleicht, weil Holger Müller in seiner kompletten zweistündigen Show stets das Publikum mit einbezieht und dabei voll im Griff hat. Das hatte auch zur Folge, dass niemand vor ihm sicher war. Wie der 11-jährige Torben, der seinen eine Reihe weiter hinter sitzenden Vater als "den mit dem fiesen Hemd beschrieb."

"Hast du gedient?" - "Nein" - "Du Lusche"

Dafür gab es neben den Lachern des Publikums auch gleich mal fünf Euro Taschengeld vom Ausbilder für Torben, natürlich mit dem Zusatz: "Kauf dir dafür Kriegsspielzeug." Kein Wunder auch, dass die Frage an jeden Gesprächspartner im Publikum erst einmal lautete: "Hast du gedient?" Ein "Nein" hatte die klare Ansage "Du Lusche" zur Folge. Und weil sich das Publikum in der Pause schriftlich an den Ausbilder wenden konnte, bekamen viele ihr Fett weg. "Was hältst du von der Feuerwehr", wurde da gefragt. Antwort: "Die sind eins über der Politesse."

Mitten im Rheinland machte Schmidt klar, wer seine Feindbilder sind. Franzosen, Holländer, Lehrer, Emsländer, sie alle bekamen ihren Seitenhieb. Und dem Ostdeutschen bescheinigte er, dass auch er schon Internet habe. "Aber nur in schwarz-weiß."

Holger Müller, der selbst eine Kleinkunstbühne in Ostfriesland betreibt, zog in seinem nunmehr sechsten Bühnenprogramm alle Register: Standup, Improvisation, Tanzeinlage oder Parodien. Der Uniformierte zappte sich zwei Stunden durch alle Genres der gepflegten Kleinkunst und hielt das Tempo. Zwölf Jahre Bühnenerfahrung prägen eben.

Und nach der Show stand er bereitwillig für Autogrammwünsche am eigenen Merchandising-Stand. Dort gab es übrigens kostenlos die berühmten "Ausbilder-Zigarren." Aber erst für Kinder ab zwölf Jahren.

Nächster Comedian bei Kulturlant ist am Donnerstag, 13. November, der "Alt-Rocker" Michael Eller mit seinem Programm "Zwischen Rocker und Rollator." Bereits am Samstag, 25. Oktober, spielt die Coverband AC/BC die Hits der legendären australischen Formation AC/DC.