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Steigende Verschuldung auf der Grafschaft: Juchem: Ab 2017 werden im Haushalt Überschüsse erzielt

Steigende Verschuldung auf der Grafschaft : Juchem: Ab 2017 werden im Haushalt Überschüsse erzielt

"Das bisschen Haushalt macht sich von allein, das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein", sang Johanna von Koczian vor einigen Jahrzehnten. Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem kommt beim Haushalt für 2015 ganz sicherlich zu einem anderen Schluss. Gestern Abend brachte er den Etat für 2015 in den Gemeinderat ein.

Mit einem dicken Minus werden voraussichtlich sowohl der Ergebnishaushalt (-2,28 Millionen Euro) als auch der Finanzhaushalt (-1 Million Euro) abschließen. Grund sind die außergewöhnlich hohen Investitionen, die in den Jahren 2014 und 2015 von der Gemeinde Grafschaft gestemmt werden müssen. Auch die Übernahme der kirchlichen Kindergärten sowie die Übernahme der Betreuenden Grundschule schlagen ins Kontor, da sie für einen steilen Anstieg der Personalkosten sorgen.

Besonders bedrohlich ist die Schuldensituation der 11.000-Einwohner-Gemeinde: Bis zum Ende des nächsten Jahres werden sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 24 Millionen Euro belaufen. Das entspricht einem Pro-Kopf-Verschuldungsrekord von 2230 Euro.

Allerdings: Die Investitionen, die derzeit für das Tal der Tränen sorgen, sind äußerst rentierlich: Bereits in wenigen Jahren dürfte sich die Einnahmeseite der Gemeinde Grafschaft dramatisch verbessert haben. Geht man für 2015 noch von einem Gewerbesteueraufkommen von 4,5 Millionen Euro aus, so sollen es 2017 bereits fast zehn Millionen Euro sein. Grund hierfür ist die Ansiedlung des Süßwarenkonzerns Haribo, für dessen neue Produktions- und Lagerstätte derzeit mit einem Millionenaufwand die Voraussetzungen geschaffen werden. Juchem: "Der Etat ist geprägt von der enormen Bautätigkeit in einem sehr kurzem Zeitraum."

18,2 Millionen Euro sind im Ergebnishaushalt ("Werte") an Erträgen vorgesehen. Ihnen stehen jedoch Aufwendungen von fast 20 Millionen Euro gegenüber. Dickste Brocken: die Personalkosten (6,8 Millionen) und die Kreisumlage (5,4 Millionen Euro). Im Finanzetat ("Gelder") sind Erträge von 16,3 Millionen Euro geplant, die Aufwendungen belaufen sich aber auf 17,3 Millionen. Nur ein Prozent des Etats soll für sogenannte Freiwillige Leistungen ausgegeben werden - das sind 170.000 Euro. Das Eigenkapital der Gemeinde sinkt in den nächsten zwei Jahren auf 34 Millionen Euro ab, um dann aber in den Folgejahren in die Höhe zu schnellen. "Ab 2017", so ist Juchem sicher, "werden im Haushalt Überschüsse erzielt". Zumal die Investitionstätigkeit der Kommune dann drastisch zurückgefahren wird. Im Gemeinderat sagte Juchem gestern Abend: "Wir sind mittelfristig für unsere Bürger - aber auch finanziell - auf einem guten Weg."