Kaum Verkaufsbereitschaft: In Grafschaft fehlt dringend benötigtes Bauland

Kaum Verkaufsbereitschaft : In Grafschaft fehlt dringend benötigtes Bauland

In der Gemeinde Grafschaft laufen die Grundstückspreise aus dem Ruder: Eigentümer verlangen für Ackerflächen und Wiesen das 30-Fache der üblichen Bodenwerte.

In der Grafschaft wird dringend Bauland für den Eigenbedarf der Grafschafter benötigt, um junge Familien vor Ort halten zu können. Bis ins Jahr 2035 sind mehr als 200 Baugrundstücke nötig, so die Verwaltung. 15 mögliche Gebiete in acht Ortsbezirken standen zur Diskussion. Ziel war der Erwerb durch die Gemeinde, um die Areale dann auch den Bürgern zur Verfügung stellen zu können.

Das gestaltet sich schwieriger als gedacht. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses war die Zahl der möglichen Baugebiete bereits auf fünf reduziert, nämlich in Birresdorf, Eckendorf, Holzweiler, Karweiler und Nierendorf. Der Rest war nach festgelegten Kriterien, wie Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms, Einschätzung der Lärmbelastung oder der Erschließungsmöglichkeiten aus dem Rennen genommen worden.

Eine Anfrage bei den Grundstückseigentümern der verbliebenen Flächen ergab, dass es kaum Verkaufsbereitschaft gibt, erst recht nicht zu den Preisen, die für Ackerland oder Wiesen ausgewiesen sind. Die liegen bei rund drei Euro pro Quadratmeter, die Vorstellung der Eigentümer bewegt sich dagegen fast um das 30-Fache. Hintergrund dürfte sein, dass im angedachten Gebiet Kreuzerfeld II in Ringen jüngst solche Preise gezahlt wurden. Und zwar vom Haribokonzern, der ebenfalls Flächen für den Wohnungsbau seiner Mitarbeiter benötigt.

Wie berichtet, hatte die SPD vorgeschlagen, dass die Verwaltung den Eigentümern ein Angebot mit Terminsetzung unterbreiten solle. Alternativ könne die Verwaltung versuchen, einen Teil der Flächen zu erwerben, den Rest könnten die Eigentümer frei vermarkten. Bürgermeister Achim Juchem (CDU), dem beim Kaufpreis die Hände mehr oder weniger gebunden sind, rechnete vor: Sollte die Kommunalaufsicht einen Quadratmeterpreis von rund 30 Euro genehmigen – das wäre das Zehnfache des aktuellen Bodenwerts – kämen weitere rund 150 Euro Entwicklungskosten obendrauf. Ohne eigenen Gewinn müsste die Verwaltung das Bauland für rund 180 Euro verkaufen. Wollten die Verkäufer ihren avisierten Gewinn erzielten, würden für deren im Eigentum verbliebene Flächen mehr als 300 Euro aufgerufen, was keineswegs marktkonform sei.

Daher lehnte der Bauausschuss den Vorschlag der SPD mehrheitlich ab. Vielmehr schlug man vor, dass die fünf Flächen im Privateigentum bleiben sollen. Für den nicht gedeckten Aufwand für die Erschließungsanlagen sollen Erschließungsbeiträge erhoben werden. Die Eigentümer sollen ihre Flächen also selbst vermarkten können. „Wir sehen keine Chance, die politisch gesteckten Ziele zum Erfolg zu bringen“, musste Roland Schaaf (CDU) zugeben.

Udo Klein (SPD) sprach von einer Kapitulation der Gemeinde in Sachen Bauland. Das Thema wird in der kommenden Woche im Hauptausschuss und abschließend im Gemeinderat behandelt.