Zirkus Charles Knie: In der Manege stehen auch Lokalmatadore im Rampenlicht

Zirkus Charles Knie : In der Manege stehen auch Lokalmatadore im Rampenlicht

Es war kein Gastspiel, das der Zirkus Charles Knie mit seinen sieben Vorstellungen an drei Tagen für 10 000 Besucher aus der Region hinlegte, sondern ein Heimspiel. Die Akteure in der Manege schienen noch motivierter zu sein als sonst, hier ein Augenzwinkern, da ein Handkuss oder gar ein "Give me five" für die vielen Kinder im Publikum, das von der ersten Minute an in Hochstimmung war.

Das lag sicher nicht zuletzt an den Hauptdarstellern aus den eigenen Reihen, die jeder kannte und deren Auftritte mit lautem Beifall und entsprechenden Kommentaren begleitet wurden. So lernte der Vorstand der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg, Heiko Ulrich, schon nach wenigen Minuten, dass es nichts Gutes bedeuten kann, wenn eine attraktive Dame eine rote Rose überreicht. Er erfuhr nämlich wenig später, was es heißt, vom Rollschuh-Artistik-Duo Medini durch die Luft gewirbelt und nach unzähligen Pirouetten als Banker auf wackeligen Beinen zu landen.

Kontakt mit dem ziemlich "durchgeknallten Clown der Neuzeit", Cesar Dias, hatte dann Kevin Säger. Der Preisträger des internationalen Circusfestivals in Budapest legte es nämlich im wahrsten Sinne auf den jungen Mann aus Holzweiler an, doch beim Todes-Duell à la Wildwest gab es keinen Sieger - dafür tosenden Beifall. Nächstes "Opfer" des unkonventionellen Entertainers war der Gelsdorfer Löschgruppenführer Roman Kernbach, der eine fiktive Banane schälen und in die Ränge werfen musste. Cesar Dias schöpfte sein Repertoire inmitten der Ränge voll aus und ermöglichte es dadurch seinen Kollegen, die nächste Nummer aufzubauen.

Erstaunlich war für viele Besucher die Vielfalt der gut gepflegten Tiere. So tauchte Cheftierpfleger Marek Jama mit einer exotischen Mischung aus Kamelen, Pferden und Zebras auf, bevor Riesenrinder mit meterlangen Hörnern ein Raunen in den Reihen auslösten. Das Lachen kam bei den beiden stacksigen Straußen und dem hüpfenden Känguru zurück, bevor beim Anblick der Lamas mancher Logen-Nutzer das Weite suchte und in eine hintere Reihe wechselte. Ohne Zweifel: Weiterer Hingucker war das zirkuseigene Showballett, das in hochwertigen Kostümen zur Musik des Live-Orchesters die Qualität der einzelnen Programmnummern unterstrich.

"Nachmachen unbedingt erlaubt" stand über der Darbietung von Hula-Hoop-Queen Priscilla Errani. Sogar im Spagat gelang es ihr, unzählige Ringe kreisen zu lassen. Spanische Sinnlichkeit nach "mi corazon"-Manier demonstrierten Ives und Ambra in luftiger Höhe an seidenen Tüchern. Noch höher hinaus ging dann die Trapez-Truppe "Flying Costa".

Schöner Höhepunkt vor der Pause: Einer der brasilianischen Lufthasardeure hängte sich kopfüber in die 13 Meter hohe Kuppel und entrollte unter dem Jubel der Gäste die Flagge von Grafschaft und Fauville. Feuchte Hände gab's dann beim Anblick der Raubtiere, die Tom Dieck junior vorführte. Allein die überdimensionalen Köpfe der Liger, der Mischung aus Löwe und Tiger, flößten Respekt ein.

Auch wenn Seiltänzer Nicol Nicols der schwere Vorwärtssalto nicht gelang oder Jongleur Ives Nicols die Keule verfehlte, trugen sie die 1500 Gäste am Samstag in schwindelnde Höhen. Und die "busselnden" Seelöwen Steffi und Kulus eroberten ohnehin die Herzen der Menschen. Nach der leichtfüßigen Nummer der drei indischen Elefantendamen, die über drei Helferinnen hinweg stiegen, war eine zweieinhalbstündige kurzweilige Show vorbei, die stehende Ovationen, minutenlangen Applaus und leider nicht erfüllbare "Zugabe"-Rufe der Kinder nach sich zog.