Grafschaft: Laut einer Studie fahren fast alle Senioren Auto

Studie zur Infrastruktur und Wohnen : Fast alle Senioren in der Grafschaft fahren Auto

Eine Studie beschäftigt sich mit Senioren in der Grafschaft. Die Befragung ergab, dass diese nur selten Busse nutzen und Bedarf bei der örtlichen Nah- und medizinische Versorgung sehen.

Der demografische Wandel ist ein Schwerpunktthema in der Grafschaft. Mit gutem Grund, denn dort werden im Jahr 2040 ganze 35 Prozent der Einwohner über 65 Jahre alt sein, vier Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt. Im Frühjahr hat die Verwaltung wiederholt auf die Dienste der Technischen Universität (TU) Kaiserlautern zugegriffen. Unter der Leitung von Lynn Schelisch erstellten Studenten binnen zwölf Wochen ein Seniorenkonzept, das sich in zwei Schwerpunkten mit den Themen Infrastruktur und Wohnen beschäftigt.

In einer Sondersitzung wurde das 250 Seiten starke Werk dem Sozialausschuss vorgestellt.Zunächst war von den Studierenden vor Ort eine Bestandsaufnahme erarbeitet worden, es wurde recherchiert und Grundlagen erarbeitet. Die meisten Senioren leben demnach in Lantershofen, Ringen und Holzweiler-Esch. Die Studenten schauten sich die Infrastruktur an und bewerteten die Ortsbezirke.

Mit dem Ergebnis, dass Seniorenfreundlichkeit ihrer Meinung nach nur in Vettelhoven, Ringen und Gelsdorf gegeben ist. Interviews zeigten jedoch, dass sich beispielsweise in Gelsdorf die ältere Bevölkerung nicht sonderlich wohl fühlt.Es wurde sämtlichen 1610 Grafschafter Haushalten, in denen Senioren leben, ein Bogen mit 51 Fragen zugesandt, jeder dritte Bogen kam zurück.

Grafschafter Senioren wollen mehr Einkaufmöglichkeiten und bessere medizinische Versorgung

Die dringlichsten Wünsche aus den Rückmeldungen sind demnach mehr Einkaufsmöglichkeiten (38 Prozent), bessere medizinische Versorgung (33 Prozent), mehr soziale Kontakte (15 Prozent) und mehr familiäre Nähe (13 Prozent). Von den Befragten benötigen fast 100 Menschen Hilfsmittel bei der Fortbewegung. Absenkung von Bordsteinkanten und breitere Gehwege gehören zu den Vorschlägen der TU-Studenten. Sie stellten auch fest, dass beinahe alle Senioren das Auto zur Fortbewegung nutzen, öffentliche Verkehrsmittel oder das Seniorentaxi werden selten beansprucht.

Im kulturellen Bereich wurde der Wunsch nach Veranstaltungen zu aktuellen Themen laut.Im Ehrenamt engagiert sich nur jeder fünfte, weit weniger als im Landesdurchschnitt. Die TU ging aber noch weiter, suchte im Leerstandskataster nach Baulücken von mehr als 1000 Quadratmeter Größe und machte Vorschläge für das Wohnen im Alter, konkret für betreutes Wohnen, für Seniorenwohngemeinschaften und für Wohnpflegegemeinschaften.

Seit 2014 kooperieren Gemeinde und Caritas, 2015 fiel der Startschuss für die Projekte von "Älter werden in der Grafschaft". Für beide Seiten war dies Neuland, wie Caritas Geschäftsführer Richard Stahl ausführte: "Wir sind neue Wege von der klassischen Beratung direkt in die Sozialräume gegangen. Diese Projekte in Remagen und der Grafschaft brachten viel Power in die Entwicklung unsers Wohlfahrtsverbandes", so Stahl. Es wurde ein Erfolgsmodell, das sich gerade erst aus einer Zahl von 800 angemeldeten Projekten den Landessieg für Rheinland-Pfalz beim Deutschen Nachbarschaftspreis holte und das kommenden Donnerstag beim Bundesentscheid auf weitere Lorbeeren spekuliert. Den Großteil der Finanzierung stemmte man mit Geldern aus der Deutschen Fernsehlotterie, die in fünf Jahren rund 160.000 Euro bezuschusste. Anfang kommenden Jahres läuft diese Förderung aus und wird auch nicht verlängert.

180.000 Euro sollen für das Projekt bereitgestellt werden

Das Projekt "Älter werden in der Grafschaft mitgestalten" mit seinen vielen Aktivitäten, die Projektleiterin Lena Janssen im Ausschuss vorstellte, soll auch ohne Förderung der Lotterie weiterlaufen. Zur Empfehlung an Hauptausschuss und Gemeinderat verabschiedete der Sozialausschuss daher einstimmig ein großes Maßnahmenpaket, das die Gemeinde jährlich rund 180.000 Euro kosten wird.

Demnach soll das Projekt unbefristet fortgeführt werden. Die Gemeinde Grafschaft unterstützt ferner das Projekt "Gemeindeschwester plus" in Kooperation mit der Kreisverwaltung Ahrweiler und setzt es um. Auch das Thema "Sozialer Kümmerer" bleibt bestehen, dieser soll sich dem Arbeitsschwerpunkt "Wohnen im Alter" widmen.

Schließlich soll die Caritas mit dem Projekt in der Grafschaft ansässig werden, zentral gelegene Räumlichkeiten für eine Anmietung werden gesucht. Auf Antrag der CDU wird zudem die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft der Gemeinde im Caritasverband geprüft. Dessen Geschäftsführer Richard Stahl betonte, dass das Projekt ein "Wir-Projekt" ist, bei dem alle Beteiligten durch ihren Einsatz ins "Wir" investieren. Immerhin ist die Arbeit nur zu stemmen, weil sich mittlerweile 80 Ehrenamtliche engagieren.

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