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Tag der offenen Höfe: Gelsdorf wird zum Bauernhof

Tag der offenen Höfe : Gelsdorf wird zum Bauernhof

Äpfel und Birnen probieren, mit der Armbrust schießen, die Hand von der rauen Zunge einer Kuh abschlecken lassen oder den Stier bei den Hörner packen: Bei herrlichem Herbstwetter zog es Tausende von Besuchern am Wochenende zu den Tagen der offenen Höfe nach Gelsdorf.

Damit konnte sich die Grafschaft noch einmal mit dem profilieren, was ihr Ursprung ist: Landwirtschaft. Das allerdings zeitgemäß auf hohem Niveau.

An alte Zeiten erinnerten Traktor-Oldtimer bei ihren Touren durch die Straßen, aber auch die Pferdeäpfel, die bei den gut genutzten Fahrten mit Planwagen oder Kutsche oder beim Ponyreiten auf den Asphalt fielen. Auch der Matsch vom jüngsten Regen auf einigen Wegen mag Assoziationen an einst geweckt haben. Trotz Nostalgie: Thema war die Leistungsfähigkeit der Betriebe.

Die Vorbereitung hatte Obstbauern, Viehzüchtern, Handwerkern und Dienstleistern viel abverlangt. Da waren in Scheunen, Ställen, Höfen und Hallen rustikale Restaurants entstanden - auch Probierstuben für Dagernova- und Brogsitter-Weine von der Ahr. Da hatten Ackergeräte Platz machen müssen für Stände etwa mit Produkten der Grafschafter Krautfabrik in Meckenheim oder mit Kunststofftieren und -traktoren zum Spielen.

Es hat der Großveranstaltung offensichtlich gut getan, dass die strengen Regeln ihrer Gründer von 1996 gelockert worden sind. Ursprünglich sollte die Teilnahme auf Gelsdorf und die Grafschaft begrenzt sein. Mittlerweile präsentieren sich Anbieter aus dem weiteren Umkreis.

Wie Korbflechter Hans-Jürgen Held aus der Eifel, der sein Handwerk im Obsthof Sonntag zeigte. Dort hatte auch die Bonnerin Gertrud Ring mit ihrem Webstuhl Platz genommen, das Jagdhaus Rech bot Wildspezialitäten an, die Hofkäserei aus Peppenhoven unter anderem würzigen Ziegenkäse.

Samen alter Gemüsesorten wie Petersilienwurzeln, Herbstrüben oder diverser Bohnen gab es am Infostand des Gemüsesortenprojekts "Rheinland (+) Pfalz". Ein Kaffeeröster aus Bölingen stellte seine Produkte vor, die er per Internet vermarktet. Herbstliche Blumenkränze waren Blickfang. Daneben informierte Konstantin Sonntag geduldig über seine Obstsorten. Neu im Anbau: der saftige Sapora.

Vielfältig bis hin zur Malschule zeigten sich die Landfrauen mit selbst gestrickten Baby-Schuhen, warmen Mützen und Handschuhen, leckeren Marmeladen, bunten Glückwunschkarten und appetitlichen Torten im Landfrauen-Café.

Auch die Gemeinde Grafschaft war dabei. Sie informierte über Wohnbaugebiete sowie über das an der Landesgrenze geplante Gebiet für Einzelhandel, warb mit günstigen Grundstückspreisen und niedrigen lokalen Steuern. "Die Resonanz ist da", sagte ein Mitarbeiter. Beim Ahrtal-Tourismus fand der Ahrsteig Interesse.

Hauptdarsteller bei den Tagen der Offenen Höfe waren freilich die Obstbauern und Viehzüchter. "Alles Bio" hieß es im Hof Nachtwey, wo neben Äpfeln und Birnen schmackhafte Marmeladen und Säfte angeboten wurden. Gemüsesuppe, Brote mit Apfelschmalz sowie Apfelpfannkuchen fanden zufriedene Abnehmer. Kinder durften mit der Armbrust auf Holzäpfel schießen oder eine Runde im Apfelexpress durch die Plantagen unternehmen.

Beim Obsthof Schweinheim-Brünagel konnten Besucher ihre Obst-Tüte selbst packen: Da kamen etwa Vereinsdechant-Birne, die "Gräfin von Paris", Braeburn und der knallrote Elstar in den Beutel. Stockbrot-Rösten war der Hit für Kinder im Obsthof Schöneseiffen, während die Eltern Obst und Säfte probierten. Aufmerksamkeit weckte der Chicorée-Treibbetrieb von Theo Münch.

An einem Getreide-Quiz scheiterten indes nicht nur Städter: Körner von Roggen, Dinkel, Triticale, Hafer, Raps waren zu erkennen. Und schließlich durfte der Nachwuchs beim Rinderzüchter Gerharz richtig wild wie die Kälbchen im Stroh toben, während die Kühe Mittagsschlaf hielten.