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Landwirtschaft: Gelsdorf als Open-Air-Bauernhof

Landwirtschaft : Gelsdorf als Open-Air-Bauernhof

Das goldene Oktober-Wochenende lockte rund 12.000 Besucher in die offenen Höfe in Gelsdorf, und das Grafschafter Dorf erlebte einen Ansturm wie wohl noch nie.

In den Obsthöfen sorgten malerisch gefärbte Kürbisse für ländliche Atmosphäre, frisch gepflückte Äpfel und Birnen unterschiedlicher Sorten machten neugierig. Besucher nutzen gern die Gelegenheit, sich eine Tüte voll Obst nach eigenem Geschmack selbst zu mischen.

Imposante Ackergeräte neuester Generation zogen die Blicke ebenso auf sich wie unzählige Traktoren aus vergangenen Jahrzehnten, die am Straßenrand Spalier standen und zum Fachsimpeln animierten. Für die "Bauern der Zukunft" gab's nicht nur ein Mini-Karussell zum selber Drehen, sondern auch viele Spiel- und Bastelangebote, große Strohburgen zum Toben, eine Fahrt mit dem Apfel-Express in die Plantagen sowie Bagger, Traktoren, Lastwagen, Feld- und Erntemaschinen im Kleinformat.

Schaulustige drängten sich im Chicorée-Treibbetrieb Münch, informierten sich über den Produktionsprozess für das Gemüse und probierten die schmackhaften Gerichte. Hungrige stärkten sich vor der Tür an herzhaften Bauernfladen. Die gemütlich ihr Heu kauenden Kälber in der Limousin-Fleischrinderzucht nebenan bildeten eine lebendige Kulisse für das rustikale "Restaurant", zu dem Bauer Gerharz den anderen Teil des Rinderstalls umfunktioniert hatte. Draußen wurden frische Fleisch- und Wurstwaren angeboten.

Wie in den Betrieben, wo ländliche Produkte verarbeitet als Gulasch oder Apfelkuchen viele hungrige Freunde fanden, lockten auch die Freiluft-Imbisse am Straßenrand, in Einfahrten und Höfen zu einer Rast, am liebsten in der warmen Sonne.

Ob nun Patchwork, Blumengebinde, Fellpantoffeln, selbst Gestricktes, Gehäkeltes, Geschneidertes, ob Gelees oder Obstbrände, Delikates aus Mandeln, Nudeln, Ziegenkäse, Wein oder Modeschmuck: Die Vielfalt der Angebote war beachtlich und hat längst die Grenzen des Konzepts überschritten, das die Initiatoren vor 17 Jahren für die Großveranstaltung ausgearbeitet hatten.

Die Besucher zeigten für alle Angebote reges Interesse und genossen das Flanieren im autofreien Dorf. Interesse fand übrigens auch der Grafschafter Verein "Frankensiedlung" für sein Modell einer Siedlung, wie sie auf der Grafschaft realisiert werden soll.

Nicht nur die Angebote lockten. Es war einfach schön, einmal hinter die Hoftore zu schauen, die manch altes Anwesen mit seinen Fachwerktrakten, Anbauten, ehemaligen Ställen in der Regel verschließen.

Besucher nutzten darüber hinaus die Gelegenheit, sich in den Obsthöfen über Vorzüge der verschiedenen Sorten und über die Produktionsmethoden zu informieren. Sie schauten Gertrud Ring aus Lengsdorf bei ihrer Arbeit am Webstuhl zu, dem Korbbinder bei seinem Handwerk, dem Leierkastenmann auf die Finger, informierten sich über das Gemüsesortenprojekt Rheinland.

Landrat Jürgen Pföhler hatte einen Blick auf die Autokennzeichen geworfen und kam bei der Eröffnung der "Tage der offenen Höfe", die diesmal an der Kindertagesstätte stattfand, zu dem Schluss: "Man sollte auch den Kölner Regierungspräsidenten einladen." Mittelstand, Handwerk und Landwirtschaft seien zukunftsträchtige Standbeine für die Grafschaft, eine der stärksten Kommunen im Kreis. Bürgermeister Achim Juchem resümierte: "Landleben ist angesagt" und wunderte sich über den Import von Erdbeeren aus China.