Haribo-Zentrallager in Grafschaft: Fachkräftemangel ist das Problem

Haribo-Zentrallager in Grafschaft : Fachkräftemangel ist das Problem

Haribo baut derzeit seinen sechsten deutschen Standort. Allein die Produktionshallen haben eine Fläche von 50 000 Quadratmetern. Das von Fiege betriebene Hochregallager ist inzwischen das höchste Gebäude der Grafschaft.

Von weither sichtbar ist das Haribo-Hochregallager, das im Grafschafter Innovationspark entstanden ist. 267 Meter lang, 163 Meter breit und 42 Meter hoch ist das Bauwerk, das Platz für 100 000 Paletten bieten wird. Der Süßwarenhersteller hat sich für das Logistikunternehmen Fiege als Betreiber des gigantischen neuen Zentrallagers entschieden. Wenn Mitte 2017 die Produktion der Goldbären und Lakritzschnecken auf dem 27 Hektar großen Gelände startet, dann wird zeitgleich eine riesige Lager-Logistik in Gang gesetzt. Schon jetzt sucht Fiege geeignete Fachkräfte.

Jedes dritte Unternehmen hat Probleme bei Stellenbesetzungen. Der Fachkräftemangel bleibt somit ein gewaltiger Risikofaktor für die wirtschaftliche Entwicklung vieler regionaler Unternehmen. Das geht auch aus einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer Koblenz hervor. Gut ein Drittel der fast 400 teilnehmenden Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe gab an, zurzeit offene Stellen längerfristig nicht besetzen zu können. Ein Problem, das sich auch für Haribo und Fiege ergeben könnte.

Die künftigen Haribo-Produktionsgebäude werden über eine Brücke ans Logistikzentrum angebunden sein: Knapp 650 Paletten können dann pro Stunde eingelagert werden, bis zu 600 Paletten können im selben Zeitraum das Lager verlassen. Michael Lorca ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Fiege Logistik Stiftung & Co. KG. Der 41-jährige gelernte Verkehrsfachwirt wohnt übrigens in Bad Neuenahr, ist dort geboren und kennt die Gegend wie seine Westentasche. „Haribo hat einen idealen Standort gefunden“, freut er sich über die Entscheidung des Süßwarenkonzerns, sich in der Grafschaft niederzulassen. Seit 22 Jahren ist Lorca beim Lager- und Logistikspezialisten beschäftigt, seit zwölf Jahren betreut Fiege die Lagerwirtschaft des Gummibär-Produzenten in Köln am Eifeltor. Nun kommt die Grafschaft hinzu.

Das stellt Fiege vor allem vor die Herausforderung, geeignete Mitarbeiter zu finden. Längst hat die Suche nach Fachkräften begonnen, die in Köln eingearbeitet werden sollen. Mindestens 100 Beschäftigte sollen es sein, die Lorca rekrutieren muss. Zudem will er bis zu 14 Auszubildende einstellen. „Die Suche gestaltet sich bei annähernder Vollbeschäftigung in der Region schwierig“, so Lorca. Die Arbeitslosenquote liegt im Kreis Ahrweiler bekanntlich bei gerade mal 3,3 Prozent und hat sich weit unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt eingependelt. Von Jobcentern und Arbeitsagenturen sei da nicht viel zu erwarten. Der Fachkräftemangel schlage schon jetzt voll durch.

„Wir planen mit vielen Neueinstellungen, werden aber auch auf einige Mitarbeiter aus Köln und deren Know-how in der Zusammenarbeit mit Haribo setzen“, sagt Lorca. „In der neuen Lagerhalle mit seiner hochkomplizierten EDV-gesteuerten Technik müssen viele Zahnrädchen ineinandergreifen. Um das zu gewährleisten, brauchen wir qualifiziertes Personal“, führt der Logistikfachmann, der seine Berufslaufbahn einst mit einer Lehre bei Apollinaris in Bad Neuenahr startete, aus. Ob Gabelstaplerfahrer, IT-Spezialisten, Schicht- und Teamleiter, Steuerungstechniker, Konfektionierer, Bestandsmanager oder Reklamationsmitarbeiter: die Fiege Logistik braucht geschulte Kräfte.

Das Unternehmen beschäftigt 8500 Menschen, ist an über 50 Standorten in Deutschland vertreten. Gegründet wurde die Firma 1873 von Joan Joseph Fiege. Er startete mit einem Fuhrgeschäft im westfälischen Greven. Mit Pferd und Wagen. Mit dem Kauf des ersten Lastkraftwagens im Jahre 1924 begann für das Unternehmen eine neue Epoche. Später wandelt sich der Betrieb von Spedition und Transport zu Spedition und Logistik. Seit 1988 ist Fiege nicht nur in der Markenartikel-, sondern auch in der Industriegüterlogistik tätig.

Haribo baut derzeit seinen sechsten deutschen Standort. Allein die Produktionshallen haben eine Fläche von 50 000 Quadratmetern. Das von Fiege betriebene Hochregallager ist inzwischen das höchste Gebäude der Grafschaft: Es überragt die Pfarrkirche in Ringen um einen Meter.

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