„Wir leben im gelobten Land“: Entwicklung im zentralen Grafschafter Ortsbezirk Ringen

„Wir leben im gelobten Land“ : Entwicklung im zentralen Grafschafter Ortsbezirk Ringen

Ortsvorsteher Toni Palm spricht über die Entwicklung im zentralen Grafschafter Ortsbezirk Ringen. Für ihn ein bevorzugter Ort zum Wohnen und Arbeiten.

"Wir leben im gelobten Land, in guter Luft, haben viele Felder und Wald um uns herum, wo wir Freizeit gestalten können, wir sind schnell an der Ahr und schnell in Bonn.“ so Palm. Viel ist geschafft worden in den vergangenen Jahren im Grafschafter Ortsbezirk Ringen, aber vieles ist noch im Fluss. So etwa die Neuordnung des öffentlichen Verkehrs inklusive Busbahnhof, das Sport- und Freizeitzentrum, das hinter dem Bürgerhaus am Bach angesiedelt werden soll, der neue Standort für das Haus der Pfadfinder, wenn am jetzigen Platz eine Kita gebaut wird. Größtes Problem ist allerdings die endgültige Regelung des Verkehrs aus dem Innovationspark, wenn Haribo auf Touren kommt.

Ortsvorsteher Toni Palm (80) hat die Aufgabe in dem 1900 Einwohner zählenden Ortsbezirk der Gemeinde Grafschaft 1999 übernommen, als er in den Vorruhestand getreten war. Er war Bankkaufmann und zuvor einige Wahlperioden Mitglied im Gemeinderat und verschiedenen Ausschüssen, seit 1969 gehört er zur CDU. Eines ist ihm in seinem neuen Ehrenamt schnell klar geworden: „Als Ortsvorsteher von drei Dörfern kann man keinen Beruf haben, in dem man sehr gefordert wird.“

Arbeit im Innovationspark

Zum Ortsbezirk Ringen gehören Ringen, Palms Geburtsort Bölingen, Beller und der Innovationspark mit seinen 65 Hektar Gewerbefläche, von denen 27 Hektar an Haribo gegangen sind. Das Ausgleichsprojekt nach Wegzug der Bundesregierung ist überwiegend bebaut beziehungsweise reserviert. Niedergelassen haben sich unter anderem Dienstleister, Steuerberater, Architekten, Handwerksbetriebe und eine Bank. Ein Ärztehaus wurde angesiedelt mit einer Reihe von Spezialisten. Viele Grafschafter haben im Innovationspark Arbeit gefunden, andere pendeln ins Ahrtal, nach Meckenheim oder Bonn.

Bei Gründung der Gemeinde Grafschaft 1974 sollte Ringen zum zentralen Ort entwickelt werden, was mit Rathaus, Schule, Kindergarten weitgehend gelungen ist. Der Supermarkt im Neubaugebiet Kreuzerfeld habe sich unter dem neuen Betreiber gut entwickelt, berichtet Palm. Eine Apotheke ist vorhanden, eine Frauenärztin, eine Orthopädiewerkstatt, eine Kunstschlosserei, eine Firma für Gebäudereinigung und andere. Aber: Außer einer Pizzeria gibt es keine Gaststätte mehr.

Bebauungsplan steht

Schwer haben es Häuslebauer, nachdem ein Investor einen Großteil der Flächen im Baugebiet Kreuzerfeld II für Haribo-Beschäftigte gesichert hat. Schon seit Anfang der 2000er Jahre war das Gebiet im Verfahren, allerdings gab’s keine Einigung unter den ursprünglichen Grundstückseigentümern, einige wollten zu dem von der Gemeinde angebotenen Preis nicht verkaufen, andere waren nicht zu einem freiwilligen Umlegungsverfahren bereit, wie Palm berichtet. Inzwischen steht der Bebauungsplan, und die Besiedlung könnte in einem bis zwei Jahren realisiert werden. Ob es dort noch zu dem von der Gemeinde favorisierten Haus für Senioren kommt, ist ungewiss. Seniorenwohnungen fehlen in der gesamten Gemeinde, wo mittlerweile viele ältere Menschen leben. Oft helfen ihnen Nachbarn oder Verwandte.

Wenigstens steht ein kleineres Stück neues Bauland für den Eigenbedarf des Ortsbezirks in Aussicht: Palm favorisiert eine Fläche zwischen den Lagen „Kreuzerfeld I“ und „Auf der Miel“ zwischen Ringen und Bölingen. Es würde sich anbieten, da die beiden Orte schon zusammengewachsen sind. Anders sieht es mit Beller jenseits der A 61 aus.

Gemeinde wächst weiter

Die Gemeinde wächst weiter, Betreuungsplätze für Kinder müssen her, daher die Überlegung, eine Kita für die gesamte Grafschaft zu schaffen neben dem Ringener Pfarrhaus, wo jetzt die Pfadfinderhäuser stehen. Der Vorteil: Es ist Bauland, auf dem die Kita schnell realisiert werden könnte. Gesucht wird dann eine neue Bleibe für die Pfadfinder. Alternative für die Kita wäre eine Nutzung des Untergeschosses im Bürgerhaus, aus dem der Jugendförderverein jüngst gezogen ist, sagt Palm.

Die Gemeindeverwaltung hat vor zehn Jahren einen Neubau neben ihrem alten Haus in Ringen bezogen, die Durchgangsstraßen sind 2010 und 2014 ausgebaut worden, woraufhin auch viele Anlieger in ihre Häuser investiert haben. Die Grundschule für Ringen, Bengen, Karweiler und Lantershofen ist am Ort, und es gibt eine funktionsfähige Turnhalle, in der auch größere Veranstaltungen stattfinden. Laut Palm wird noch ein Grundstück für ein größeres Haus für die gesamte Gemeinde gesucht, vielleicht in Ringen, vielleicht in einem anderen Ortsbezirk.

Vielerlei Aktivitäten

Mit dem Gesangverein „Bölinger Liederkranz“, den Möhnen, Jung- und Altgesellen, den „Bezaubernden Hexen“, der KG „Wendböggele“, den Pfadfindern und der Freiwilligen Feuerwehr gibt’s Möglichkeiten zu vielerlei Aktivitäten. Einige Gruppen können das neue Bürgerhaus nutzen, das 2004/05 im Schweiß vieler Freiwilliger errichtet worden ist. Jede Woche findet dort Turnen für Senioren statt, es gibt auch Sport für unter 70-Jährige. Die Pfarrei lädt die Älteren regelmäßig ein.

Insofern ist Palm zufrieden mit dem Erreichten. Einige Punkte aus dem Dorferneuerungskonzept sollen in nächster Zeit realisiert werden, dabei geht es um Themen wie Leerstände, Einrichtung von Treffpunkten und Aufstellen von Ruhebänken. „Wir leben im gelobten Land, in guter Luft, haben viele Felder und Wald um uns herum, wo wir Freizeit gestalten können, wir sind schnell an der Ahr und schnell in Bonn“, listet Palm Vorzüge des Ortsbezirks auf. Was fehle, seien kleinere Baugebiete für junge Familien aus der Gemeinde.

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