Baugebiete in Gelsdorf und Ringen: Enorme Nachfrage nach Bauland in der Grafschaft

Baugebiete in Gelsdorf und Ringen : Enorme Nachfrage nach Bauland in der Grafschaft

Bauland ist begehrt wie selten zuvor. Daher hat der Bau-, Planungs- und Dorfentwicklungsausschuss der Grafschaft einstimmig beschlossen, die Planungsphasen für zwei jeweils etwa elf Hektar große Baugebiete in Gelsdorf und in Ringen zu starten.

Die Grafschaft soll wachsen, darüber sind sich die Fraktionen im Gemeinderat weitestgehend einig. Schon im vergangenen Jahr hatte das Gremium daher beschlossen, zwei große Baugebiete für den „überörtlichen Bedarf“ auszuweisen, um die enorme Nachfrage nach Bauland in der Grafschaft zu befriedigen. Der Bau-, Planungs- und Dorfentwicklungsausschuss beschloss jetzt einstimmig, die Planungsphasen für zwei jeweils etwa elf Hektar große Baugebiete in Gelsdorf und in Ringen zu starten.

Der Bereich „Kreuzerfeld III“ in Ringen erstreckt sich westlich des Gemeinde-Bauhofs zwischen der Verlängerung der Asbachstraße und dem Stadtweg und von dort südlich des Alten Bahndamm bis zur Einmündung des Wirtschaftsweges gegenüber der Tongrube. Dort sollen demnach im eigentlichen Baugebiet 60 Bauplätze entstehen, wofür 3,1 Hektar Land benötigt werden. Die Erfahrung zeige, dass fast ausschließlich junge Familien mit mindestens einem Kind zuziehen würden, so Bürgermeister Achim Juchem (CDU), deshalb rechne man mit einem Zuwachs von mehr als 200 Einwohnern. Hinsichtlich der Überalterung der Gesellschaft, aber auch angesichts der zahlreichen neuen Arbeitnehmer in den Betrieben aus dem Innovationspark Rheinland sollen dort auch Flächen für den Mietwohnungsbau mit drei und mehr Wohnungen vorgehalten werden.

Der Bauhof selbst soll im Anschluss daran deutlich um einen Hektar vergrößert werden. Außerdem soll ausweislich der von Fachbereichsleiter Klaus Becker vorgestellten Planung der jetzige Kindergarten „Unterm Regenbogen“ gegenüber dem Bauhof einen neuen Standort erhalten. Das derzeitige Kindergartengebäude, so Bürgermeister Achim Juchem (CDU) auf Nachfrage einiger überraschter Ausschussmitglieder, solle nämlich perspektivisch der an Platznot leidenden Grundschule zugeschlagen werden.

Der vergrößerte Bauhof dient auch als Puffer zu einer Fläche von 1,2 Hektar, auf der dienstleistungsorientierte Unternehmen wie Versicherungsagenturen, Makler, Massagepraxen und ähnliches angesiedelt werden sollen. Für die gebe es nämlich in der ganzen Grafschaft kein geeignetes Raumangebot, so Juchem. Und am Rande des neuen Plangebietes, direkt über einen Kreisverkehr an die Ahrtalstraße angebunden, könnte der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) entstehen. Die im Umfeld bereits vorhandenen Wohnhäuser sollen dann durch eine Lärmschutzwand geschützt werden. Für ein Regenrückhaltebecken sowie für öffentliche Grünflächen als Ausgleich sollen noch einmal 2,6 Hektar rund um das Wohngebiet vorgehalten werden.

Udo Klein (SPD) fand es schade, dass Becker viele Dinge in den Plan eingearbeitet habe, die nach seiner Ansicht noch gar nicht diskutiert, geschweige denn beschlossen seien. Weder die Erweiterung des Bauhofs noch die Verlegung des Kindergartens seien bislang in den Grafschafter Gremien thematisiert worden, daher griffen die Planungen zu weit voraus, weshalb sich die SPD ihre Stimme enthalte.

Das wollte Juchem nicht gelten lassen und wies darauf hin, dass die Diskussion schon seit einem Jahr andauere und er erst in der jüngsten Gemeinderatssitzung die aktuelle Situation in den Grafschafter Schulen und Kindergärten ausführlich vorgestellt habe. „Außerdem sind wir erst ganz am Anfang der Planungen“, im weiteren Verlauf könne das eine oder andere Detail noch verändert werden oder ganz wegfallen. Wilhelm Dreyer (FWG) sah die Pläne auch weit in die Zukunft hineinwirken, empfand den vorgeschlagenen Standort für den ZOB aber als optimal.

„Schwere Kost, die man erst einmal verdauen muss“, sah Mathias Heeb (Grüne) in den Planungen. Die Vorschläge kämen auch bei der Bevölkerung als Überraschungspaket an. Er betrachte den damit einhergehenden Flächenverbrauch jedenfalls kritisch, „aber das ist wohl der Preis, den wir für die Entwicklung der Gemeinde Grafschaft zahlen müssen.“

Der Beigeordnete Michael Schneider (CDU) fand hingegen, der Gemeinderat müsse auch einmal in größeren Amplituden denken und nicht nur im Kleinklein des Alltagsgeschäfts verharren. Er sah jedenfalls die Zeit gekommen, die beiden bereits beschlossenen Baugebiete auch in die Tat umzusetzen.

Auch Richard Horn (FWG) bestätigte, dass man im Ausschuss bereits über das Thema geredet habe, anhand einer Idee der CDU „mit vielen bunten Linien“. Er erkannte die Planung als interessante Vision an, wie sich die Gemeinde weiterentwickeln könne.

So wurden die Verfahren für die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans sowie des Bebauungsplans bei vier Enthaltungen auf den Weg gebracht, für die Änderung des Flächennutzungsplans zugleich ein landesplanerisches Verfahren beantragt. In absehbarer Zeit haben die Bürger sowie die Träger öffentlicher Belange die Möglichkeit, ihre Wünsche und Anregungen vorzubringen.

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