Serie Dorfgespräche: Birresdorf: Eine gute Nahversorgung fehlt in Birresdorf

Serie Dorfgespräche: Birresdorf : Eine gute Nahversorgung fehlt in Birresdorf

Birresdorf hat sich zu einem beliebten Wohnort an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen entwickelt. Der Dorfgemeinschaftshof ist das größte Projekt in der Amtszeit von Ortsvorsteher Klaus Huse.

Der Dorfgemeinschaftshof ist das größte Projekt für Klaus Huse (68), Ortsvorsteher von Birresdorf, in seiner bisherigen Amtszeit. Und während die Funken, der Gesangverein, die Möhnen, die Boogie-Woogie-Tanzgruppe und die Gymnastikgruppe schon seit Jahren in dem um- und ausgebauten Bauernhof mitten im Dorf eine großzügige Bleibe gefunden haben, stemmt Huse noch immer schwere Balken: für das Jugendcafé.

Dem Sozialpädagogen und einstigen Wirtschaftsförderer der Gemeinde Wachtberg war es wichtig, dass ein Dorfhaus mitten im Dorf angesiedelt sein sollte und nicht an der Peripherie, wie ursprünglich von der Gemeinde geplant. Bei der Suche nach einem geeigneten Platz kam ihm zugute, dass ein Bauer sein Anwesen mitten in Birresdorf, in Sichtweite der Kapelle, aufgeben wollte.

„Dann habe ich nur noch für dieses Projekt gearbeitet, ich hatte diese Vision“, sagt Huse. Die Gemeinde disponierte um, die Birresdorfer, vor allem auch der eigens gegründete Trägerverein, packten mit an und können sich nun über eine hervorragende Einrichtung mit einem jederzeit offenen großzügig bemessenen Hof freuen, der vor allem am Martinstag die Dorfgemeinschaft zusammenbringt.

Wer alles mit angepackt hat, ist auf einer großen Tafel im Neubautrakt vermerkt. Da liest man Namen über Namen. Die alten Gemäuer hatten sich vor allem aus Gründen des Brandschutzes als weitgehend nicht mehr tauglich für die neuen Aufgaben erwiesen, so wurde ein Teil abgerissen.

Neu gebaut wurden ein Foyer, ein großer Saal mit Küche und Nebenraum, Sanitäranlagen und diverse kleinere Versammlungsräume. Was im Altbau einst der große Saal werden sollte, ist jetzt Abstellraum für alle möglichen Gerätschaften, die in dem Grafschafter Ortsbezirk zum Feiern und überhaupt so benötigt werden. Huse ist froh darüber, denn der ursprünglich geplante Abstellraum hätte nur einen winzigen Teil aufnehmen können.

2011 war Eröffnung dieses „Leuchtturmprojekts in Rheinland Pfalz“, wie der damalige Innenminister Roger Lewentz das fertige Projekt damals bezeichnete. Nur: Auf das Jugendcafé musste der Nachwuchs bislang warten. Brandschutzvorgaben nötigten Huse und seine Helfer immer wieder zur Verlegung von Türen und Mauern und dem Abstützen von Decken.

Im Oktober soll’s endlich soweit sein. Prunkstück im Erdgeschoss ist dann ein schwerer Billardtisch, während oben Platz für Treffen und andere Aktivitäten ist. Mit dem monatlichen Kinderkino, dem Kino für alle Grafschafter Senioren und monatlichen Seniorennachmittagen sind Jung und Alt an der gesamten Anlage gut beteiligt.

„Jeden Abend ist hier Leben“, freut sich Huse. Vermietet ist ein kleinerer Teil des Altbaus an eine Physiotherapiepraxis. Im Obergeschoss könnte sogar noch eine Wohnung eingerichtet und vermietet werden, blickt er in die Zukunft.

Was in dem Ort mit 900 Einwohnern an der Landesgrenze zu wünschen übrig bleibt, ist trotz Taxibus und Jugendtaxi die Anbindung an den ÖPNV. Da setzt Huse auf das neue Verkehrskonzept, das stündliche Verbindungen nach Ringen vorsieht mit Möglichkeiten zur Weiterfahrt nach Bad Neuenahr, Rheinbach und Meckenheim zu den Bahnhöfen. Mit vielen jungen Familien sieht er die Altersstruktur in Birresdorf ausgewogen.

Damit es so bleibt, wird derzeit Ausschau gehalten nach Bauland für junge Birresdorfer, die sich nach Schule und Ausbildung im Dorf niederlassen wollen. „Es sind engagierte Väter und Mütter, die möchte ich hier behalten“, sagt Huse. Für ihn ist die Grundstückssuche ein „Top-Thema“. In dem Zusammenhang sollen auch – vielleicht in anderen alten Höfen, die leer stehen – Wohnmöglichkeiten für Jung und Alt in Form von Mehrgenerationenwohnen mit nachbarschaftlichem Miteinander geschaffen werden. „Innenentwicklung“ ist das Stichwort, unter dem Huse diese Bestrebungen sieht.

Mehr Verkehrssicherheit im Zuge der Durchgangsstraße, speziell an der Bushaltestelle, ist ein weiteres aktuelles Thema. Gute Aussicht für die Kleinen ist die beabsichtigte Umgestaltung des Spielplatzes am Nachtigallenweg.

Nicht so gut sieht es mit der Nahversorgung aus, wenn auch mobile Händler mit brauchbarem Angebot regelmäßig kommen. Andererseits ist das Versorgungszen-trum Wachtberg nicht weit für die meisten Birresdorfer, die in Bonn arbeiten. Sie können vom Konzept der Gemeinde Grafschaft mit Ganztagsschule und Kita in Leimersdorf profitieren.

Als Perspektiven für Birresdorf nennt Ortsvorsteher Huse ein moderates Wachstum des Ortsteils, aber keine großen Neubaugebiete. In Wohnmöglichkeiten für Senioren, möglicherweise im alten Bestand, und in der Schaffung von Fahrrad- und Wanderwegen zusammen mit der Gemeinde Grafschaft sieht er weitere Verbesserungsmöglichkeiten für seinen Ort an der Landesgrenze.