Abschied vom Landtag: „Die rote Petra“ hört auf

Abschied vom Landtag : „Die rote Petra“ hört auf

Nach 20 Jahren im Mainzer Landtag verabschiedet sich Petra Elsner von der politischen Bühne.

Die Abschiedsrede im Mainzer Landtag ist gehalten, zwischen heute und dem Ende einer 20-jährigen Ära im Mai liegen nur noch einige wenige Fraktionssitzungen und Beratungen sowie ein kaltes Büfett für die alten und neuen Abgeordneten. Dass Petra Elsner (69), Landtagsabgeordnete im Wahlkreis 14, das Thema „Alleinerziehende und ihre Not“ als Thema gewählt hatte, verwundert nicht. Wenn sich „die rote Petra“ – wegen ihrer Haarfarbe und ihrer politischen Gesinnung – von der landespolitischen Bühne verabschiedet, dann tritt auch eine Frauenrechtlerin ohne Wenn und Aber ab.

Eine, die durch Willy Brandts' Kanzler-Satz „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ mit 23 Jahren zur SPD kommt. Eine, die seit 1975 Kommunalpolitik macht. Eine, die in den 70er Jahren in der sozialdemokratischen Diaspora der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler von Frauen bespuckt wird, weil sie es wagt, einen Hort gründen zu wollen, der es Alleinerziehenden ermöglichen soll, die Kinder bis nachmittags gut versorgt zu wissen. Eine, die die ersten Gehversuche auf patriarchalischem Terrain wagt, auf dem Männer noch verkünden: „Meine Frau muss nicht arbeiten.“

Der Hort wurde nie eröffnet, doch eine andere Erfolgsstory erwuchs aus der Niederlage: „Petra's Lädchen“. Der 1977 gegründete Gebrauchtkleiderladen der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), „der angedacht war, um den Hort zu finanzieren und der heute mehr denn je gebraucht wird, ist mein Kind. Mehr als 500 000 Euro sind in den 39 Jahren an Spenden geflossen“, betont die in Lantershofen lebende Elsner im GA-Gespräch.

Noch gut erinnert sich die Arbeitskreis-Vorsitzende im Landtagsausschuss „Gleichstellung und Frauenförderung“, deren politischer Ziehvater Kurt Beck war, an ihre „Orientierungslosigkeit“ 1996. „Ein alter Polit-Hase beruhigte mich; 'Erst bis Du Lehrling, dann Geselle, ab der dritten Wahlperiode Meister'.“ Für vier Amtszeiten hat es am Ende gereicht, stolz ist sie auf die Erfolge wie Kinderbetreuung durch Ganztagsschulen und die damit einhergehende Verbesserung für erwerbstätige Frauen und Alleinerziehende.

Die Großmutter von sechs Jahre alten Zwillingen musste aber über die vielen Jahre auch erkennen, dass Politik machen auch immer das Bohren dicker Bretter bedeutet.

„Wenn ich schon den Allgemeinsatz 'Wir müssen sparen' höre. Wo denn? Bei der Inneren Sicherheit, dem Gesundheitswesen, dem Straßenbau? Irgendeinem Lobbyisten steht man immer auf den Füßen.“ Ihr erster monetärer Blick beim Haushaltsentwurf galt stets „ihren“ Einrichtungen wie Frauenhaus – „jedes kriegt aktuell 15 000 Euro mehr“ – oder der Ahrweiler Beratungsstelle „Frau & Beruf“ für Berufsrückkehrerinnen. „Dass das Geld nie reicht, muss ich nicht sagen.“ Dass ihr Fortbestand gesichert ist, lässt sie auch ein Stück weit guten Gewissens abtreten von der Mainzer Bühne.

Was gibt sie dem SPD-Kandidaten Jörn Kampmann, der sich am 13. März dem Votum der Bürger stellt, mit auf den Weg? „Man braucht langen Atem und darf nie den Kontakt zur Basis verlieren.“ Der war Elsner, seit 16 Jahren unterstützt von ihrem Mitarbeiter Hubert Münch, stets wichtig und wurde allein durch Bürgersprechstunden gepflegt.

Mal konnte sie dem Senior helfen, der sich eine Postfiliale in seinem Einkaufszentrum wünschte, mal einem Ehepaar, das beim Hausbau in eine Kreditfalle getappt war. „Diese unmittelbaren Hilfen waren immer Lichtblicke“, sagt die Politikerin, die gutes Essen, Bücher und Musik liebt, die aber auch die Attribute engagiert, kämpferisch und hartnäckig auf sich vereint.

Die AsF-Vorsitzende wird künftig in „ihrem“ Lädchen, im SPD-Ortsvereins- und eventuell auch im Kreisvorstand anzutreffen sein, aber auch mehr bei der Familie in Karlsruhe. Und wo verbringt Elsner, die fest davon überzeugt ist, dass die SPD die größte Fraktion im neuen Landtag sein wird, den Wahlsonntag? „Die erste Hochrechnung muss ich immer hier zu Hause alleine erleben. Dann schaun wir mal.“

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