Streit um Freilichtmuseum: Bund lehnt Frankensiedlung ab

Streit um Freilichtmuseum : Bund lehnt Frankensiedlung ab

Nach langem hin und her glaubten die Initiatoren des Vereins "Frankensiedlung Nithrindorp" endlich eine Lösung für ihr Anliegen, ein Freilichtmuseum auf der Grafschaft verwirklichen zu können, gefunden zu haben. Das Ziel: Ein fränkisches Dorf aus dem 6. bis 8. Jahrhundert soll nach historischen Maßstäben aufgebaut werden. Die Rechnung haben sie aber ohne den Bund gemacht.

Alles schien auf einem guten Weg. Nach ortsinternem Streit war ein Grundstück gefunden. Das allerdings gehört dem Bund und befindet sich in der Nähe des Eingangs zum ehemaligen Regierungsbunker in Marienthal. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), Verwalterin der bundeseigenen Liegenschaften, machte den Geschichtsfreunden jetzt überraschend einen kräftigen Strich durch die Rechnung.

Was eher wie ein schlechter Scherz anmutet, ist jedoch schwarz auf weiß nachzulesen: "Zur Sicherstellung des Zugangs der Tunnelröhre und zur Wiederaufnahme eines möglichen Betriebs sind diese Flächen zwingend notwendig und als unverkäuflich einzustufen", schrieb die Behörde dem Frankenverein. Dort fragt man sich nun: "Stehen die Russen vor der Tür, oder was?"

Dass der Bund allen Ernstes die "Wiederaufnahme eines möglichen Betriebes" aufführt, bewertet der Vorsitzende des Vereins, Mathias Heeb, als "Oberhammer". Verständlicherweise. Nicht nur, dass der aus den Zeiten des Kalten Krieges stammende Bunker hinsichtlich seiner Zweckbestimmung längst völlig unbrauchbar geworden ist und für viele Millionen Euro entkernt wurde. Auch ist er so "geheim", dass vermutlich selbst Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und die Geheimdienste aller Schurkenstaaten dieser Welt jeden Winkel der unterirdischen Betonruine kennen dürften.

Wie Heeb berichtete, hatte man noch im November positive Gespräche mit der Bundesbehörde geführt, als es um den Kauf des Areals ging. "Ihr Anliegen wurde jedoch in unserem Hause nochmals eingehend überprüft", schrieb die BIMA zur Verblüffung der Hobby-Historiker. Bereiche würden als "Rettungswege" benötigt, außerdem müsse der Zugang zur "Haupttunnelröhre" wegen der vermutlich nur für die BIMA denkbaren Reaktivierung des Bunkers sichergestellt sein.

"Wir hoffen, dass Sie bald ein geeignetes Grundstück finden", formulierte Nadine Erdt von der BIMA-Abteilung "Sparte Facility Management" abschließend. "Das ist ja lächerlich", so Heeb, der von "einem Schlag ins Gesicht" sprach. Er und sein Verein seien "maßlos enttäuscht". Dennoch wollen die Anhänger des einstigen germanischen Großstammes kämpfen wie die für ihre Raubzüge bekannt gewordenen Franken selbst: "Das Projekt ist nicht gestorben."

Auch stellte Heeb angesichts des BIMA-Briefes klar: "So kann man mit uns nicht umgehen. Das Ganze ist eine große Schweinerei." Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem ist ebenfalls einigermaßen perplex: "Ernsthaft kann diese Begründung niemand nachvollziehen." Der nächste Schritt wäre jetzt eigentlich die Beteiligung der Gremien gewesen, die Sitzungsvorlage ist im Rathaus seit Wochen fertig. Juchem: "Nun muss der Verein Farbe bekennen, ob für ihn ein Alternativstandort infrage kommt."

Für die Frankensiedlung sind bereits fünf verschiedene Standorte diskutiert und ins Spiel gebracht worden. Zum einen in Nierendorf, dann in Esch am Sportplatz, zum anderen die Fläche "Am Pappelstadion" in Ringen, der Acker gegenüber des Eingangs des ehemaligen Bunkers in Marienthal sowie das Nordfeld einer Tongrube, das aber schnell verworfen wurde.