Bauland verdrängt Ackerland: Bauern in der Region haben viele Probleme

Bauland verdrängt Ackerland : Bauern in der Region haben viele Probleme

Die Bauern in der Region haben viele Sorgenkinder: Landfraß, Kürzung von Zuschüssen der EU, Wegfall der Milchquote, Mindestlohn und Zuckerpreis im Sinkflug. In Grafschaft-Eckendorf klagten Agrarvertreter Politikern ihr Leid.

„Stoppt den Landfraß“ steht auf einem Plakat geschrieben, das just vor der Hofeinfahrt des Kreisbauernvorsitzenden Franz-Josef Schäfer in Eckendorf prangt. Dabei ist das noch eines der geringsten Probleme der regionalen Landwirtschaft. Um die Schwierigkeiten der Bauern deutlich zu machen, hatte der Bauern- und Winzerverband Landwirte, Landes- und Kreispolitiker zusammengebracht. Im Hof von Obst- und Getreidebauer Schäfer klagten die Agrarvertreter ihr Leid.

Längst sind bekanntlich landwirtschaftliche Produkte zum Spielball der Globalisierung geworden. Schweinehälften werden von Deutschland nach China exportiert, Soja-Tierfutter kommt aus den USA. Währungsschwankungen und Zölle haben deshalb einen großen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg der Bauern.

Die großen Lebensmittelketten werben derweil mit Dumpingpreisen für Fleisch. Bauern sind da schnell in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite bekommen sie beim Lebensmittelhandel wenig Geld für ihr Fleisch, auf der anderen Seite stehen sie wegen der Haltungsbedingungen in der nachvollziehbaren Kritik. Kleinere Betriebe bleiben im Kampf um den niedrigen Preis flott auf der Strecke. Nicht viel anders ist es im Getreideanbau: „Über die Fläche ist längst kein Wachstum mehr möglich“, so Schäfer. Bauland verdrängt das Ackerland. „Der Anbau muss auf ein Maß reduziert werden, das auch noch vermarktbar ist“, meint der Bauernchef. Nur noch spezialisierte Betriebe hätten eine Überlebenschance. Mischbetriebe mit Ackerbau und Viehzucht gebe es daher in der Grafschaft kaum noch.

Förderungen: Bauern von der EU abhängig

Weiteres Sorgenkind der Bauern: Viele Landwirte sind von der Förderung der Europäischen Union abhängig. Pro Jahr fließen rund 58 Milliarden Euro aus der EU zu den europäischen Landwirten, der Großteil davon als Direktzahlungen. Hierzulande erhält jeder Agrarbetrieb im Schnitt etwa 280 Euro pro Hektar an Direktzuschüssen. Eine Kürzung dieser Gelder ist für 2021 bereits angekündigt.

Probleme gibt es auch im Milchgeschäft. Mit Wegfall der Milchquote wird wesentlich mehr Milch erzeugt – bei fallenden Preisen. Schlecht entwickelt hat sich in der Agrarbranche auch das Geschäft mit Zuckerrüben. Seit dem Ende der EU-Zuckerquote ist der bis dahin streng reglementierte Markt international geöffnet. Zuckerrübenbauern wie Schäfer, der insgesamt rund 95 Hektar bewirtschaftet, haben keinen garantierten Mindestpreis mehr – dürfen aber anbauen, soviel sie wollen.

Auch für Schäfers Betrieb eine völlig neue Situation – denn der Zuckerpreis befindet sich im Sinkflug. „Für uns ist das kaum noch rentabel“, so der Kreisbauernvorsitzende, der seinen Haupterwerb jedoch im Obstanbau hat.

Bauern beklagen: Zuckerpreise gewaltig gesunken

Aber auch hier gebe es gewaltige Änderungen, trug er gegenüber den Politikern vor. Von den 35 Hektar Freiluft-Erdbeerfeldern werde er in absehbarer Zeit nur noch einen Bruchteil haben. Schon jetzt sind große Teile seiner Pflanzen in riesigen mit Folien bedeckten Hallen auf Stellagen untergebracht. Die Bewässerung erfolgt computergesteuert mit Sensoren.

Die Investitionen seien mit einem immensen Kapitalaufwand verbunden gewesen. Nicht nur mit finanziellen Unwägbarkeiten haben die Landwirte an Rhein und Ahr zu kämpfen. Vielmehr machen seit einigen Jahren auch Wetterextreme zu schaffen. Das Risiko, gar Totalausfälle bei der Ernte zu haben, ist empfindlich größer geworden.

Weiteres Thema: Saisonarbeiter und der Mindestlohn. Nicht die Höhe der Löhne bereitet den Landwirten dabei Kopfzerbrechen. Vielmehr der Umstand, dass kaum mehr Helfer zu finden sind. Inzwischen bemüht man sich um Saisonarbeiter aus der Ukraine oder Weißrussland. „Wir wandern bei der Suche immer weiter nach Osten“, erklärt Schäfer. Und: „Das wird unser zentrales Problem der nächsten Jahre sein.“ Derzeit seien die Erntehelfer lieber in Spanien als auf der Grafschaft tätig.

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