Dependance des Grafschafter FOC: Bad Neuenahr will Mini-Outlet

Dependance des Grafschafter FOC : Bad Neuenahr will Mini-Outlet

Spürbare Umsatzverteilungen in den Hauptgeschäftsbereichen der Kreisstadt sieht ein mit einer "städtebaulichen Wirkungsanalyse" betrauter Gutachter, wenn auf der Grafschaft ein Factory Outlet Center realisiert wird. Das Stadtforschungsbüro Junker und Kruse geht von Umsatzeinbrüchen von bis zu neun Prozent zu Lasten des örtlichen Einzelhandels aus. Würde jedoch ein Teil des Grafschafter FOC nach Bad Neuenahr verlegt, so seien damit - losgelöst von Umsatzeinbußen für einzelne Branchen - in der Gesamtbetrachtung Attraktivitätssteigerung und Synergieeffekte für die Kreisstadt gegeben.

Das sah auch der hinter verschlossenen Türen tagende Hauptausschuss der Stadt so: Er sprach sich dafür aus, grünes Licht für ein Grafschafter FOC zu geben, wenn im Gegenzug ein Teilbereich des Outlet-Centers in Bad Neuenahr angesiedelt wird. Für den Einzelhandel soll ein "Masterplan" entwickelt werden. In der Grafschaft sieht man derartige Überlegungen mit Skepsis: "Wir können uns ja vieles vorstellen. Aber ob es einen Betreiber gibt, der in einer FOC-Zweigstelle einen betriebswirtschaftlichen Sinn sieht, bleibt abzuwarten", sagte Grafschafts SPD-Fraktionschef Hubert Münch.

Es ist nicht die erste Studie, die im Zusammenhang mit der geplanten Ansiedlung eines FOC auf der Grafschaft vorgelegt wird. Sah eine Analyse des Gutachterbüros Ecostra nicht zuletzt wegen der sehr unterschiedlichen Angebotssegmente und Kundenzielgruppen nur geringfügige Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel, falls in der Nachbarschaft ein Outlet-Center errichtet würde, kommen Junker und Kruse zu anderen Ergebnissen. Die Branchen "Bekleidung", "Sport", "Schuhe" und "Lederwaren" müssten mit empfindlichen Einbußen rechnen.

Es gebe einen "deutlichen Rückgang der Zentralität für Bad Neuenahr". Spürbare positive Effekte für die Kreisstadt gebe es keine. Die Ecostra-Experten sagen hingegen mit der Ansiedlung eines FOC auf der Grafschaft enorme Impulse für die gesamte Region voraus. Insbesondere im Tourismus. Aber auch der Einzelhandel könne von der zusätzlichen in die Region fließenden Kaufkraft durch Synergieeffekte nur profitieren.

Die räumen auch Junker und Kruse ein. Aber nur dann, wenn eine Dependance des Outlet-Centers quasi als Magnet in Bad Neuenahr platziert wird. In den betreffenden Branchen werde sich das höherwertige Angebot zukünftig in noch höherem Maße als ohnehin schon auf das Zentrum Bad Neuenahr konzentrieren. Ahrweiler sowie das "Mittelzentrum" würden allerdings in ihren Versorgungsfunktionen beeinträchtigt, was aber infolge der jeweils begrenzten, qualitativen Angebotsüberschneidungen relativiert werden müsse. Strukturverschiebungen und Funktionseinschränkungen einzelner Lagen seien in der Bad Neuenahrer Innenstadt nicht auszuschließen. "Diese möglichen negativen Auswirkungen gilt es mit den möglichen positiven Implikationen abzuwägen", so die Experten.

Zudem könnten flankierende Maßnahmen darauf hinwirken, einen "möglichst hohen Mehrwert für das Zentrum Bad Neuenahr zu generieren und parallel auch die bestehenden Lagen aufzuwerten". Hierzu gehöre die Förderung von Synergieeffekten mit dem übrigen Einzelhandel durch ein möglichst schmales Sortimentsspektrum des City-Outlets (denkbarer Standort: Bundeswehrgelände an der Heerstraße).

Der FOC-Projektentwickler, der Bad Neuenahrer Kaufmann Rolf Deißler, gestern: "Man kann über eine solche Variante nachdenken. Aber wo soll das Grundstück für das Mini-Outlet-Center sein? Wo die mindestens 700 erforderlichen Parkplätze? FOCs leben davon, dass man sie von der Autobahn aus sieht. Das wäre hier nicht der Fall. Eher wäre das Park- und Verkehrschaos für die Innenstadt programmiert."

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