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Ausbildung an der Ahr: Azubis zeigen in Gelsdorf was sie draufhaben

Ausbildung an der Ahr : Azubis zeigen in Gelsdorf was sie draufhaben

Sechs angehende Banker betreiben zwei Wochen die Gelsdorfer Filiale der Raiffeisenbank Voreifel.

Keiner ist Chef, aber jeden Tag sitzt ein anderer im Chefsessel von Anne Dorothea Krupp. Sie ist Leiterin der Gelsdorfer Filiale der Raiffeisenbank Voreifel und hat für zwei Wochen ihren Platz geräumt. Denn die Bank in Gelsdorf ist fest in Azubi-Hand. Sechs angehende Bankkaufleute zwischen 20 und 25 Jahren wollen zeigen, was sie drauf haben. Konkret sind das Michéle Breuer, Sabrina Dusend, Julia Jüliger, Katharina Steffen, Lars Steinbüchel und Ahmet Öztürk.

Sie kommen aus der Region, aus Heppingen, Wormersdorf und sogar aus Troisdorf. Alle sind im dritten Ausbildungsjahr und haben sich seit Wochen auf ihre Arbeit in der Azubi-Filiale vorbereitet. Eine Aktion, die die Genossenschaftsbank seit fünf Jahren durchführt, nach der Fusion mit der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg im vergangenen Jahr jetzt erstmals im Kreis Ahrweiler.

Gut gelaunt ist Julia Jüliger. Die junge Dame aus Heppingen hat ein entwaffnendes Lächeln. Das kommt bei den Kunden an. Und sie ist Team-Player, sagt nicht „Ich mache“, sondern holt Kollegen mit ins Spiel. An diesem Morgen Lars Steinbüchel.

Posten des Chefs wechselt täglich

Der 20-jährige Wormersdorfer sitzt im Chefbüro, legt aber Wert drauf, dass der Posten jeden Tag wechselt. Gemeinsam der mit gleichaltrigen Michéle Breuer aus Buschhoven will er „Neues kennenlernen und Gelerntes umsetzen“. Und ganz wichtig: „Zeigen, dass die Ausbilder alles richtig gemacht haben und dass wir Verantwortung übernehmen können.“

Lampenfieber gab es am ersten Tag schon, doch schon am zweiten findet Steinbüchel salopp: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so fluppt.“ Schließlich ist das Team aus allen Filialen zwischen Euskirchen und Meckenheim zusammengewürfelt. „Alle sind um acht Uhr da, jeder macht Überstunden, wenn es nach den Öffnungszeiten in die Kundenberatung geht. Das ist Ehrensache, sagt Michéle Breuer. Und damit die Kunden auch sehen, mit wem sie es zu tun haben, steht im Schalterraum ganz groß: Azubi-Filiale.

Dort dürfen die vier jungen Frauen und zwei Männer machen, was sonst noch nicht in ihren Bereich fällt. Zum Beispiel, einen Vertrag über einen Kleinkredit komplett vorbereiten. „Der Segen für den Abschluss muss aber von unserer 'Feuerwehrfrau' kommen. Das ist Carmen Kunkel aus der Geschäftsstelle in Ringen“, erklärt Steinbüchel. Die „Feuerwehrfrau“ ist für die jungen Banker eine Art Tutor, der dann hilft, wenn's hakt. Das gab es bisher noch nicht.

Bislang keine bösen Besucher

Und auch von bösen Besuchern ist die Azubi-Filiale bislang verschont geblieben. „Wir haben ganz klare Anweisungen, was wir zu tun haben, wenn wir überfallen werden“, sagt Breuer. „Ruhig verhalten, nicht den Helden spielen. Die Sicherheit der Menschen steht im Vordergrund. Wenn der Räuber Geld will, dann wird es ihm gegeben. Ganz ruhig, denn der Täter soll nicht hektischer gemacht werden, als er bei dem Stress eines Überfalls ohnehin schon ist.“ Dass dabei ebenfalls ruhig und unauffällig auf versteckte Alarmknöpfe gedrückt wird, verstehe sich von selbst. „Dafür durch die halbe Filiale sprinten, das ist nicht“, ergänzt Steinbüchel, der wie das ganze Team hofft, niemals in seinem Berufsleben in eine solche Situation zu kommen. Umso mehr genießen es die sechs Twens, gerade mit jungen Kunden ins Gespräch zu kommen, zu zeigen, dass sich bei ihrer Genossenschaftsbank digital und lokal nicht ausschließen, sondern ergänzen. Sie informieren über alle Themen rund um Online-Banking und Apps.

„Wir sind sehr stolz, dass unsere Azubis mit einem solch engagierten Projekt an uns herangetreten sind“, bestätigt Ausbildungsleiter Markus Perk. „Dieser Spaß daran, Verantwortung zu übernehmen, hat uns sehr beeindruckt und wir freuen uns, wenn nun auch die Kunden die ganze Leistungsbereitschaft und das Können der jungen Leute erleben,“ ergänzt Vertriebsvorstand Mathias Lutz. Begonnen hat die Aktion übrigens ganz feierlich: mit der offiziellen Schlüsselübergabe durch Vorstandssprecher Burkhard Kraus.

Übrigens: Die angehenden Banker sind beim aktuellen Thema „Zukunft des Bargeldes“ durchaus unterschiedlicher Ansicht. Der eine zahlt alles nur mit Karte, die andere liebt den Überblick beim Blick ins Portemonnaie. Und auch den Brauch, Brautschuhe mit Kupfer zu bezahlen. Dass Kupfergeld in großer Menge schlecht abzuschätzen ist, ist bekannt. Das soll ein Gewinnspiel zeigen, das die Azubi-Filiale durchführt. In einem großen Einmachglas sind Münzen zu ein, zwei und fünf Cent. Jeder Kunde darf eine Schätzung abgeben. Wer bis nächste Woche am nächsten liegt, bekommt den Betrag. Breuer und Steinbüchel kennen die Summe und schmunzeln: „Da hat sich unser Vorstand auch schon ganz schön verschätzt.“