Lange Staus in der Grafschaft

Neuer Rekord bahnt sich bei Haribo-Kastanienaktion an

Grafschaft. Die Kastanienaktion bei Haribo ist in vollem Gange: Der Andrang ist so groß, dass es immer mal wieder längere Staus gibt. Laut Haribo bahnt sich ein neuer Rekord an - schon mehr als 65 Tonnen Kastanien wurden abgegeben.

Ungebrochen ist der Andrang am Haribo-Gelände in der Gemeinde Grafschaft: Bislang waren es seit dem frühen Freitagmorgen sieben Uhr Tausende, die aus der gesamten Region zum neuen Werk des Süßwarenherstellers strömten, um Kastanien und Eicheln gegen Gummibärchen und Lakritz einzutauschen. Während sich die Verkehrssituation rund um den Innovationspark entspannt hat, sind die Warteschlangen an den Waagen bei strahlendem Sonnenschein erheblich länger geworden. Mit Wartezeiten von bis zu vier Stunden muss derzeit gerechnet werden. Gut 700 Meter ist die Menschenschlange lang, die sich am Nachmittag gebildet hat.

Mit dem Ferienanfang in Nordrhein-Westfalen war gegen Mittag ein weiterer Schwung Kastaniensammler in die Grafschaft gekommen. Wieviele Tonnen Eicheln und Kastanien bislang angegeben wurden, ist noch nicht bekannt. Auch am Samstag wird die Haribo-Tauschaktion stattfinden. Gewogen wird zwischen acht und 14 Uhr.

Ein Rekord wurde im Jahr 2009 erzielt. Damals kamen 20000 Sammler und gaben 260 Tonnen Kastanien und 150 Tonnen Eicheln ab, um dafür Süßwaren in Empfang zu nehmen. Haribo-Unternehmenssprecher Sven Jacobsen schließt nicht aus, dass es diesmal einen neuen Rekord geben wird.  

Bereits vor Sonnenaufgang haben sich Schlangen auf dem Haribo-Außengelände in der Grafschaft gebildet. Zwischendurch gibt es immer wieder mal längere Staus auf der Zufahrtsstraße. Lkw haben Mühe, ihre in der Grafschaft ansässigen Firmen zu erreichen. Zum Trost erhielten sie vom Süßwarenkonzern ein Paket mit Produkten aus dem neuen Werk. Mit Infozetteln hat Haribo zuvor die Anrainer darauf aufmerksam gemacht, dass es zu Behinderungen kommen könnte.

Das Ringener Gewerbegebiet rund um Haribo ist streckenweise regelrecht verstopft. Problem: Es gibt nur eine Zufahrt in das Gewerbegebiet. Aufgelöst sind inzwischen die Staus, die sich am Morgen an der Autobahnabfahrt zum Innovationspark sowie am Ringener Verteiler gebildet hatten.

Mehr als 70 Haribo-Mitarbeiter im Einsatz

Mehr als 70 Haribo-Mitarbeiter sind im Einsatz, um eine reibungslose Organisation zu gewährleisten. Dennoch gibt es eine inzwischen weiter angewachsene Menschenschlange. Hunderte von Haribo-Fans stehen dicht hintereinander, um ihr Sammelgut wiegen zu lassen.

Trotz längerer Wartezeiten: Es gibt nur zufriedene Gesichter, die Stimmung ist gut. Das Wetter spielt mit. Unternehmenssprecher Sven Jacobsen: „Wir haben schon jetzt 65 Tonnen Kastanien!“ Ein neuer Rekord bahnt sich an. So wurden im vergangenen Jahr insgesamt an zwei Tagen 80 Tonnen abgegeben. Bis Mittag wird diese Marke spätestens geknackt sein, ist sich Jacobsen sicher.

Seit 1936 gibt es die von Haribo ins Leben gerufene Mammut-Tauschaktion. 10.000 Sammler haben in den vergangenen Jahren durchschnittlich jeweils mehr als 200 Tonnen Kastanien im Werk abgegeben. Im Verhältnis 10:1 und 5:1 (bei Eicheln) gibt es dafür Gummibärchen, Konfekt und Lakritz.

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, da hatten sich bereits lange Schlangen auf dem Haribo-Außengelände gebildet. In blauen, gelben, grauen Mülltonnen, in von Baumärkten geliehenen Anhängern, in Bollerwagen oder Schubkarren wurden die in den vergangenen Wochen gesammelten Eicheln und Kastanien oft mit großem Kraftaufwand angeliefert. "Vati hat ein Problem", ruft eine junge Frau ihrem vorauseilenden Kind zu. In der Tat hat der Familienvater alle Mühe, den schwer beladenen Handwagen die Steigung zur Annahmestelle hinauf zu ziehen. Schließlich schafft er es, der kleine Sohn ist glücklich und erleichtert.

Wartezeit in vergangenen Jahren bei drei Stunden

In den vergangenen Jahren betrug die Wartezeit rund dreieinhalb Stunden. "Seit 2017, als erstmals die Tauschaktion am neuen Werk in der Grafschaft stattfand, konnte die Wartedauer dank optimierter Prozesse auf unter eine Stunde gedrückt werden", so die Referentin für Unternehmenskommunikation, Simone Brück. In der Tat: Die Organisation klappt bestens.

Ist man mit seiner Anlieferung an der Reihe, dann wird gewogen. Zwei riesige Waagen stehen hierfür bereit. Mit schwerem Gerät wie Radladern werden die Kastanien und Eicheln schließlich in bereitstehende Container geschaufelt. Dann geht es zur Warenausgabe -- für die meisten wohl der Höhepunkt der gesamten Aktion. Schließlich soll nun die Sammelmühe mit Süßem belohnt werden.

Freudestrahlend nehmen ganze Familien die in Mischkartons verpackten Süßwaren in Empfang. Die meisten reisen dann allerdings noch nicht ab: Schließlich wartet der große Haribo-Goldbär noch auf die Kinder. Es gibt eine Hüpfburg, eine Torwand, eine Mal- und Bastelecke, ein Glücksrad oder auch ein Karussell.

Die Sammler kommen aus der gesamten Region. Die Autokennzeichen weisen darauf hin, dass das Gros der Sammel- und Tauschfreunde aus Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis, aus dem Raum Neuwied sowie aus dem Kreis Euskirchen anreist. 

Frank Wächter ist mit seiner Familie aus Wissen an der Sieg angereist. 94 Kilometer hat er heute Morgen zurückgelegt, um Kastanien gegen Lakritz zu tauschen. Um 5.30 Uhr fuhr Wächter mit seinem Familienauto am Haribo-Werk vor, um 10 Uhr startete er die Rückfahrt mit seinen Kindern Tim und Lara. Im Gepäck: Drei Kilo Haribo-Ware. Aus Wetzlar -- 150 Kilometer entfernt -- ist Jens Eberhard nebst Töchterchen Lilly gekommen. An Bord: 69 Kilo Kastanien und Eicheln.

Da kann Sebastian Graper aus Fulda nur abwinken: 250 Kilo haben er und seine Familie in den vergangenen zwei Wochen gesammelt und dann in mehr als zweistündiger Fahrt bei Haribo abgeliefert. Der Lohn: Fast 30 Kilo Gummibärchen, Weingummischnecken und Lakritz in allen Varianten.