Bagger in der Sinziger Innenstadt: Eine Straße verändert ihr Gesicht

Bagger in der Sinziger Innenstadt : Eine Straße verändert ihr Gesicht

In Sinzig soll an der Mühlenbachstraße ein neues Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Dafür hat die Nova Investment Management GmbH mit Sitz in Köln das rund 4.000 Quadratmeter große Grundstück eines Verlages gekauft.

Etwa sechs Millionen Euro sollen investiert werden. Bebaut ist das Areal mit fünf Häusern, die an der Mühlenbach- und Barbarossastraße liegen. Dazu gehört auch die alte Sinziger Druckerei. Investorin ist Manijeh Pischnamazzadeh. Die Medizinerin wird von Projektentwickler Markus Wahl aus Bad Neuenahr vertreten. Erste Planentwürfe wurden jüngst in Sitzungen des Bauausschusses und des Ortsbeirates vorstellt. Die Planungen weisen teilweise recht massive Baukörper auf.

"Das gesamte Projekt wird in den Ladenlokalen und in den Wohnungen barrierefrei sein und über einen großen Aufzug bis in die Tiefgarage verfügen", so Projektentwickler Wahl zum GA. Altersgerechtes und barrierefreies Wohnen soll mitten in der Innenstadt entstehen, erklärte Wahl. Ein solches Angebot fehle bisher in Sinzig.

Zahlreiche Vorgespräche gab es bereits im Rathaus. Norbert Stockhausen Chef des Sinziger Bauamtes: "Stadtplaner Frank Böhme, der die gesamte Stadtsanierung in Sinzig begleitet hat, bearbeitet nun die Planungen, soll diese städtebaulich anpassen und in einen neuen Bebauungsplan einfließen lassen."

Böhme hat bereits angeregt, den Komplex nicht als durchgängigen großen Baukörper zu errichten, sondern mit unterschiedlicher Architektur und Farbgebung den Eindruck einer Häuserzeile zu erzeugen. Markus Wahl geht bisher von einen Komplettabriss aller Gebäude auf dem Gelände aus.

Auch in Richtung Barbarossastraße soll ein Gebäudekomplex mit kleineren Wohnungen entstehen Der Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums mit seinem Vorsitzenden Karl-Friedrich Amendt sorgt sich inzwischen um das Stadtbild. Nach Auskunft der Stadt Sinzig besteht für das Häuserensemble Mühlenbachstraße 36 bis 40 kein Denkmalschutz.

Doch für den Verein steht die Denkmalwürdigkeit zumindest des Hauses Mühlenbachstraße 40 fest. "Die Buchhandlung Walterscheid ist stadtbildprägend", so Amendt. In einem Schreiben an die Investorin hatte der Verein zudem noch einmal seinen Standpunkt deutlich gemacht. Sinzig Bürgermeister Wolfgang Kroeger hofft auf einen Kompromiss: "Die Fassade der Buchhandlung zu erhalten und in den Neubau einzubeziehen, wäre eine denkbare Variante."

Das Planungsverfahren wird zweistufig ablaufen: Zuerst wird der Bebauungsplan den Bedürfnissen des jetzigen Investors angepasst. "Einen Sprint" in den Planungen erwartet Norbert Stockhausen nicht. Dennoch könnten in der ersten Hälfte des kommenden Jahres bereits konkrete Pläne vorliegen und der Bauantrag gestellt werden. Bleibt die Frage, was aus der traditionsreichen Buchhandlung Walterscheid wird: "Bei uns laufen viele Überlegungen in viele Richtungen", erklärte Inhaber Thomas Zimmermann.

Zum großen Ärgernis entwickelt sich dagegen eine Baustelle in der Bachofenstraße. Dort soll ein neues Gebäude errichtet werden. Doch die genehmigten Abrissarbeiten sind seit Monaten ins Stocken geraten. Erzürnte Sinziger Bürger haben wiederholt das Ordnungsamt und die Kreisverwaltung als Bauaufsichtsbehörde eingeschaltet. Auch im Ortsbeirat wurde das Thema bereits mehrfach behandelt. Nach Auskunft des Sinziger Bauamtes liegt für die Baustelle zwar die Abrissgenehmigung, aber noch kein Bauantrag vor. In Sinzig wird eine Dauerbaustelle befürchtet, wie es sie über Jahrzehnte in der Gudestraße gab.