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Eckendorf wurde vor 1250 Jahren erstmals erwähnt

Kleinster Ort der Gemeinde : Eckendorf in der Grafschaft feiert 1250 Jahre Bestehen

Klein, aber oho: Eckendorf ist der kleinste Ort der Gemeinde Grafschaft, blickt aber auf eine turbulente Historie zurück. Vor 1250 Jahren wurde „Eccandorph“ erstmals urkundlich erwähnt, und das wird diesen Sommer gefeiert.

Eckendorf ist mit seinen knapp 400 Einwohnern zwar der kleinste Grafschafter Ortsbezirk, blickt aber dennoch auf eine bewegte Geschichte zurück. Dieses Jahr feiert Eckendorf ein historisches Jubiläum, denn vor 1250 Jahren wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Am 2. Dezember 770 wird die Siedlung erstmals als „Eccandorph“ genannt. Die Geschichte geht jedoch noch viel weiter zurück, denn zwei kreisrunde Siedlungsplätze aus der Jungsteinzeit bis frühen Bronzezeit sind die ältesten Besiedlungsspuren und reichen zurück bis in die Zeit um 6000 bis 2000 vor Christus. Auch zur Römerzeit waren die fruchtbaren Lößböden der Grafschaft mit einem Netz von Einzelhöfen überzogen, unter anderem gab es auf dem Südhang östlich von Eckendorf mehrere Siedlungsplätze.

Eine Kloster-Schenkung

Um 450 nach Christus brach die römische Herrschaft am Rhein zusammen, und die nun vermehrt ins Land einströmenden Franken errichteten zahlreiche neue Siedlungen. So geschah es auch am westlichen Rand der Swist: Die Siedlung wurde am 2. Dezember 770 in einer Urkunde über eine Schenkung an das Kloster Lorsch erstmals unter dem Namen „Eccandorph“ genannt. Der Name leitet sich wohl von dem männlichen Vornamen Ecco ab und bedeutet soviel wie: „Das Dorf, in dem Ecco wohnt.“

Das Dorfschild am Ortseingang steht Pate für das Jubiläumsmotto von Eckendorf. Foto: Martin Gausmann

830/831 wurde das Dorf dem Bonner Cassiusstift überlassen, angeblich gründete der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg 1281 in Eckendorf eine Johanneskapelle. Erste Merkmale einer eigenständigen Pfarrei finden sich durch die Nennung eines eigenen Geistlichen im Jahr 1314 und eines Friedhofs 1365. Kirchenpatrone waren ausweislich einer 1531 gegossenen Glocke die Heiligen Cosmas und Damian. Vor Entstehung der Territorialstaaten gehörte Eckendorf zum Einflussbereich der Grafen von Are-Nürburg und später zur Grafschaft Neuenahr. Die Grafschaft selbst war ein kurpfälzisches Lehen, das 1344 dem Markgrafen von Jülich als Unterlehen übertragen wurde. Nach Erbstreitigkeiten, in deren Verlauf die Burg Neuenahr 1371 oder 1372 zerstört wurde, beanspruchte der Erzbischof von Köln die Mitherrschaft. Seither unterstand dieses Gebiet rund 200 Jahre zwei Herren, bis das Herzogtum Jülich 1546 das Lehen wieder ganz an sich zog.

Eckendorf wurde schon früh von zwei überörtlichen Straßen berührt. Eine führte von Muffendorf am Rhein in Richtung Westen. Sie wird im Jahre 973 genannt und war vielleicht schon in römischer Zeit vorhanden. Die zweite war die Aachen-Frankfurter Heerstraße. Sie bestand bereits gegen Ende des 8. Jahrhunderts und lief um 1800 mitten durch das Dorf. An dieser Straße wird schon 1194 eine Zollstation erwähnt. Auf dem Scheid stand ein Wachturm und in der Nähe eine Pferdewechselstelle der Post. Im Jahre 1337 wurde zur Erfrischung der zahlreichen Pilger am Dorfrand eine Wasserleitung mit Schöpfbecken gebaut. Ein Siechenhaus für die Kranken bestand noch 1718.

Galgen auf dem Scheid

Auf dem Scheid befanden sich auch das Hochgericht und der alte Versammlungsplatz dieses Herrschaftsgebietes, ein Galgen wird 1524 erwähnt. Vielleicht war hier schon in der Vorzeit eine Kultstätte, denn ganz in der Nähe wurde der bekannte „Fritzdorfer Goldbecher“ aus der Zeit von 1600 vor Christus gefunden. Möglicherweise war er eine dem Boden übergebene Weihegabe. 1659 erfolgte ein Wechsel der territorialen Zugehörigkeit: In einem Gebietsaustausch zwischen dem Herzog von Jülich und dem Freiherrn von der Leyen gelangte das Dorf an die Herrschaft Adendorf, bei der es bis zur Auflösung während der französischen Herrschaft 1798 verblieb.

Im 17. Jahrhundert erhielt das Dorf auch seine erste Schule, das Schulgebäude stand bis zum 19. Jahrhundert auf dem Kirchhof. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde der Ort zweimal, am 9. Januar 1690 und am 7. Juli 1691, von französischen Soldaten eingeäschert. Im Oktober 1794 besetzten französische Revolutionstruppen die Dörfer der Gegend, 1798 wurde Eckendorf der Mairie Gelsdorf zugeschlagen. 1802 wurde das Erzbistum Köln aufgelöst und Eckendorf gehörte fortan zum neu eingerichteten Bistum Aachen. Nach der Niederlage Napoleons fiel 1815 das linke Rheingebiet an Preußen. Auf kirchlichem Sektor wurde 1821 das Bistum Aachen aufgehoben und Eckendorf dem Erzbistum Trier zugeteilt. Nach Gründung des Kaiserreichs 1871 setzte auch in Eckendorf ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. 1905 wurde eine Wasserleitung gebaut, 1912 das Dorf an das Elektrizitätsnetz und 1905 an das Telefonnetz angeschlossen. Im Jahr 1914, noch vor Kriegsausbruch, war mit dem Bau der Eisenbahnlinie Liblar-Ahrtal begonnen worden. Die Strecke führte westlich an Eckendorf vorbei, zwischen Eckendorf und Gelsdorf war sogar ein Bahnhof geplant. Doch 1930 verboten die Siegermächte des Ersten Weltkrieges den Weiterbau. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Dorf ohne größere Zerstörungen. Einige Bomben trafen nur Scheunen im Feldbereich, und bei einem Tieffliegerangriff entstanden Schäden an den Kirchenfenstern.

Neues Feuerwehrhaus

Nach dem Krieg wurde eine Gruppe von Vertriebenen hier angesiedelt, darunter auch Protestanten. Die Bevölkerung war bis dahin rein katholisch gewesen. Juden lebten nur vereinzelt im 18. Jahrhundert im Dorf. Ende der 1960er Jahre erhielt das Dorf eine Kanalisation, anschließend wurden die Straßen nach und nach asphaltiert. 1969 errichtete man ein Feuerwehrhaus, das später um einen Saal erweitert wurde, da der letzte von zwei Tanzsälen 1967 geschlossen worden war. Seit 1978 feiert man die Kirmes und andere Feste im Feuerwehrhaus, das demnächst von einem Neubau am Ortsausgang Richtung Vettelhoven ersetzt werden soll.