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Die letzten Kriegstage an Rhein und Ahr

16 Tote durch US-Bomber : Remagen erinnert an Luftangriff vor 75 Jahren

US-Bomber vom Typ „Marauder“ sollten vor 75 Jahren die Eisenbahnbrücke über die Ahr bei Sinzig zerstören. Aber die Bomben verfehlen ihr Ziel und schlugen stattdessen in Remagen-Kripp ein, wo 16 Menschen starben.

An diesem Tag war es wieder krachend kalt und der Rhein führte Hochwasser. Minus 20 Grad zeigt das Thermometer in Kripp bei Remagen an, der Pegel Andernach maß 8,38 Meter. Die Kripper müssen ihre Lebensmittelkarten deshalb mit dem Nachen in der alten Schule abholen. Die „Franziska“ hat ihren Fährbetrieb nach Linz hinüber eingestellt. Sie liegt nun vor dem Haus Deubener, wo Fährmeister Peter Valentin sie festgemacht hat. Anders als der Nachbarort Remagen ist Kripp bislang trotz der unmittelbaren Nähe zur Brücke von Remagen von Bombenangriffen weitgehend verschont geblieben. Aber das soll sich am 9. Februar 1945, vier Wochen, bevor der Krieg für die Menschen links des Rheins zu Ende geht, ändern. 75 Jahre sind seit diesem Schicksalstag vergangen.

Um 16 Uhr heulen die Sirenen

Von einem Flugplatz in England steigen kurz nach Mittag 36 US-Bomber vom Typ „Marauder“ (deutsch „Plünderer“) auf. Ihre Ladung: 59 Bomben, mit denen sie die Eisenbahnbrücke bei Sinzig über die Ahr zerstören sollen. Die Piloten wissen, dass die Deutschen diese strategisch wichtige Brücke und die Ludendorff-Rheinbrücke in Remagen mit Eisenbahngeschützen verteidigen. Die Bomber fliegen deshalb auf mehr als 5000 Metern.

Die Wahrscheinlichkeit, in dieser Höhe von einer Granate getroffen zu werden, ist ziemlich gering – insbesondere an Tagen wie diesen, an denen die Wolkendecke nahezu geschlossen ist. Dann sind die Flugzeuge vom Boden aus nicht zu sehen. Bombenabwürfe aus dieser Höhe und bei diesen Sichtverhältnissen haben aber den Nachteil, dass sie weit um das Ziel herum streuen und dabei auch außerhalb des eigentlichen Zielgebietes große Schäden verursachen.

Eine Totentafel erinnert an die Opfer des Luftangriffs. Foto: Anton Simons

Gegen 16 Uhr gibt es, wie so oft in diesen Tagen, Fliegeralarm. Die Sirenen heulen auf. Die Kripper flüchten in ihre Keller, wo sie das Brummen der mit je zwei 1920 PS starken Doppelsternmotoren ausgestatteten Bomber hören, die gerade ihre todbringende Last an Ahr und Rhein abwerfen.

Aber die Bomben verfehlen die Ahrbrücke. Stattdessen geht der Bombenregen einen Kilometer südwestlich der Brücke nieder, nämlich im unteren Teil von Kripp. Innerhalb kürzester Zeit fällt nahezu die gesamte Häuserfront entlang der Rheinpromenade in sich zusammen.

Auch die „Franziska“ bekommt einen Volltreffer und versinkt in den Fluten. Fährmeister Peter Valentin und seine Frau Katharina sterben ebenso wie weitere 14 Kripper – darunter mehrere Kinder. Zahlreiche Kripper, die verängstigt in ihre Keller geflüchtet waren, werden zunächst von einstürzendem Gemäuer verschüttet, können dann aber gerettet werden.

Die Opfer des Angriffs werden in den Tagen danach auf dem Friedhof an der Quellenstraße beerdigt. Einige finden in den Gräbern ihrer Familien die letzte Ruhe, andere in einem eigens errichteten Massengrab. Es befindet sich gleich neben dem Mausoleum, das der damals in Kripp lebende italienische Graf Giaocchino Napoleon Taveggi im Jahr 1906 bauen ließ. Seitdem ist dort niemand beigesetzt worden.

Auf Initiative des Kripper Bürger- und Heimatvereins wurde der inzwischen marode Kuppelbau aufwendig saniert und im November 2007 vom damaligen katholischen Pfarrer Johannes Georg Meyer und seinem evangelischen Kollegen Udo Grub als Gedenkstätte für die Bombenopfer des 9. Februar 1945 eingesegnet. In dem Mausoleum steht, von außen gut sichtbar, eine kupferne Erinnerungstafel, auf der die Namen der 16 Todesopfer aus Kripp aufgeführt sind.