Geburtstag von Rudolf Weltken in Bad Neuenahr: Die "kommunale Mehrzweckwaffe" wird heute 85

Geburtstag von Rudolf Weltken in Bad Neuenahr : Die "kommunale Mehrzweckwaffe" wird heute 85

Rudolf Weltken war der erste Bürgermeister der Gesamtstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler

VON GÜNTHER SCHMITT

Schnellredner, Zahlengenie, gefürchteter Haushaltsexperte, ein verbaler Haudrauf und trotzdem Kumpel, Freund, Schützenbruder. Heute wird Rudolf Weltken, erster Bürgermeister der Gesamtstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, 85 Jahre alt.

"Wenn die Zeit mit seinem Redetempo mithalten könnte, müsste Rudolf Weltken eigentlich schon 100 Jahre alt sein." Das sagte vor einem Vierteljahrhundert Lode Bertels, damals Bürgermeister der belgischen Partnerstadt Brasschaat zum 60. Geburtstag seines Kollegen, der nach dieser Rechnung schon 110 sein müsste.

Grund genug für einen Rückblick. Am 4. Dezember 1969 vereidigte Wilhelm Helfmann, bis dato Bürgermeister der selbstständigen Stadt Ahrweiler, den neuen Chef der Gesamtstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Denn die Gebietsreform vereinte, was dann unter Weltkens Ägide zusammenwuchs. Damals betrat der Jurist und Oberregierungsrat aus Andernach zwar kein kommunalpolitisches Neuland, Erfahrungen hatte er bei der CDU der Bäckerjungen-Stadt gesammelt. Doch neu waren für ihn die kommunalpolitischen Gegebenheiten vor Ort.

Weltken wusste damit umzugehen, dass die Menschen in Bad Neuenahr-Ahrweiler zum Teil gegen ihren Willen durch den Gesetzgeber in die neue kommunalpolitische Gemeinschaft geführt worden waren.

"Meine Aufgabe war es, aus dem politischen Gemeinwesen ein funktionierendes kommunales Gemeinwesen zu machen", sagte er einmal dem General-Anzeiger.

Höhepunkte seiner Amtszeit waren unter anderem die Altstadtsanierung Ahrweiler, die Eröffnung des Freizeitbades Twin, bei der ihn die Fraktionschefs gemeinsam samt Anzug und Krawatte ins Schwimmerbecken warfen, die Eröffnung der Römervilla am Silberberg, des Stadtmuseums im Weißen Turm, der Ahr-Thermen sowie die 1100-Jahrfeier von Ahrweiler 1993.

Funktioniert hat auch Weltkens Finanzpolitik, die letztendlich aber auch die des gesamten Rates war. 25 Verwaltungshaushalte brachte der Stadtchef in 24 Amtsjahren ein. Ihr Gesamtvolumen betrug 1,2 Milliarden Mark.

Die Gesamtsumme aller Haushaltspläne in der Ära Weltken betrug 1,6 Milliarden Mark. Stolze Zahlen, denen man auf den ersten Blick die eiserne und erfolgreiche Sparpolitik nicht ansieht.

Den Erfolg muss Weltken jedoch mit seinem Vize teilen. Denn sein Tandem-Partner Winfried Schneider bildete stets den ruhenden Pol zur temperamentvollen Nummer Eins. Schneider zur Zusammenarbeit mit dem Stadtchef: "Es ist uns immer gelungen, gegensätzliche Standpunkte zu überwinden, wobei letztlich die besseren Argumente ausschlaggebend waren. Nach außen haben wir stets mit einer Zunge gesprochen."

Und was die "kommunale Mehrzweckwaffe", so der 1999 verstorbene Landrat Joachim Weiler bei dessen Verabschiedung über Weltken, einmal auf Papier hat, das realisiert sie dann auch resolut: Fußgängerzonen, Stadtbibliothek, Stadtkernsanierung Ahrweiler, Golfplatz, Rotweinwanderweg, Schießsportanlage, Flugplatz und vieles mehr.

Weltken galt immer als Macher. Durchsetzungsvermögen war sein nicht gerade leises Markenzeichen. So wurde es im Stadtrat dann auch hin und wieder "schön laut", wenn er sich mal wieder mit seinem Lieblingsgegner, Herbert Wiens von der SPD-Fraktion, in Dispute erging. Und auch im Ruhestand machte er weiter Politik. Bis vor zehn Jahren saß er im Kreistag in der ersten Reihe der CDU-Fraktion - und dieses auch nie ganz leise.

0 Auszeichnungen: Die Deutsche Dahlien- und Gladiolen-Gesellschaft gab einer roten Dahliensorte im Jahr 1978 den Namen "Bürgermeister Rudolf Weltken". Am 13. Juni 1986 wurde Weltken mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

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