So sehen Sieger aus: Der Deutsche Rotweinpreis geht nach Mayschoß

So sehen Sieger aus : Der Deutsche Rotweinpreis geht nach Mayschoß

Große Freude an der Ahr: Der Deutsche Rotweinpreis geht in diesem Jahr nach Mayschoß.

Einem Schlag ins Kontor, sprich in den Weinkeller, gleich kommt der Umstand, dass es bei der Rebsorte Riesling an der Ahr große Einbußen von rund 50 Prozent im Vergleich zu 2018 gab. "Und das trifft uns erst recht, wo wir aufgrund der Nachfrage der Kunden auf einer Weißweinwelle schwimmen", so Rolf Münster, Kellermeister der Winzergenossenschaft (WG) Mayschoß-Altenahr. Mit seiner Kollegin Astrid Rickert sowie dem Vorstandsvorsitzenden Matthias Baltes und seinem Stellvertreter Rudolf Stodden gab er am Montag, nachdem 72 Stunden zuvor die letzten Trauben des Jahrgangs 2019 abgegeben worden waren, einen ersten Erntebericht ab.

Mit rund 950.000 Litern Erntemenge auf 150 Hektar Gesamtrebfläche lag das Gesamtergebnis rund 35 Prozent unter dem des Vorjahres. Der Grund: Frühfröste und die lange Trockenperiode mit ihrer Spitze im Juli mit mehreren Tagen über 40 Grad Celsius. "In den Weinbergen mit den Schieferböden wurden Temperaturen von mehr als 60 Grad gemessen. Diese Hitze löste einen extremen Sonnenbrand auf den Beeren der Trauben aus, was zu Einbußen je nach Weinbergslage von zehn bis 90 Prozent führte", bilanzierte Baltes.

Schon am 22. August begann die Lese, die 30 Tage andauerte. "Trotz kleinerer Ernte brauchten wir zwei Tage mehr als 2018, da das Wetter regnerisch war und das Ausselektieren der nicht brauchbaren Früchte viel Zeit beanspruchte und hohe Kosten für die Winzer bedeutete." Der Ausfall sei für einzelne Mitglieder, denen kein Ausgleich gezahlt wird, bitter. "Wie motiviert man sie in Anbetracht der Unbilden der Natur, sprich mit Blick auch auf den Klimawandel, die Flächen nicht brach liegen zu lassen? Wer in diesem Jahr gut entlaubt hat, der ist der Verlierer. Das kann aber im nächsten Jahr komplett anders sein", so Münster.

Mit der Qualität jedoch sind die Mayschosser Weinmacher zufrieden. Die Spitzenwerte beim Spätburgunder lagen bei bis zu 100 Grad, beim Riesling bei bis zu 106 Grad Öchsle. Eine geringe Menge Rieslingtrauben haben die Winzer auf 0,4 Hektar stehen lassen in der Hoffnung, dass nach zehn Jahren wieder ein Eiswein heranreift. Der muss bei minus zwölf Grad gelesen, die Beere in gefrorenem Zustand in die Presse kommen.

In die Fachpresse kommt die Mayschosser WG mit einer überraschenden und bislang einmaligen Auszeichnung: Es ist in der 151-jährigen Geschichte der ältesten Winzergenossenschaft der Welt gelungen, den in der Weinwirtschaft sehr renommierten Deutschen Rotweinpreis in der Kategorie Spätburgunder einzuheimsen. Er wird seit 33 Jahren von der Fachzeitschrift "Vinum" ausgelobt. Aus den Tausenden von angestellten Weinen aus allen Weingütern Deutschlands in dieser Kategorie ging der "2017er Walporzheimer Kräuterberg Spätburgunder trocken" mit der höchsten Punktzahl der Fachjury als Sieger hervor. "Das ist seit mehr als zehn Jahren keiner Winzergenossenschaft in Deutschland mehr gelungen. Voraussetzung für die Anstellung ist eine vorrätige Menge von 300 Flaschen. Wir haben noch 2000 Flaschen. Der Wein, 16 Monate im neuen Barrique gelagert, ist für 28 Euro im Verkauf. Wir heben den Preis nicht an", erklärt Baltes, der sich mit seinen Kollegen auf die Preisverleihung am 9. November in Fellbach freut.

"Vinum" formuliert in einer Pressemitteilung: "Eine Überraschung gibt es in der Königsklasse Spätburgunder, wo ein Premium-Wein der alteingesessenen Ahr-Winzergenossenschaft aus Mayschoß siegte."

Der Siegerwein entstand im Premiumprogramm. Der maximale Ertrag darf bei nur 45 Kilogramm pro 100 Quadratmeter liegen. "Das ist eine geringe Menge. Das sieht oft aus, als ob am Rebstock fast nichts dran hängt", so Rickert. Der Winzer erhält für seine Selektion einen Aufschlag von 250 Prozent auf den normalen Traubenpreis. Übrigens ist der erste Wein von 2019, der Frühburgunder Weißherbst trocken, ab November erhältlich. Ihm folgt vor Weihnachten der von der Menge meistverkaufte Wein: der Blanc de Noir.

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