Flüchtlinge im Kreis Ahrweiler: Das Wichtigste ist die deutsche Sprache

Flüchtlinge im Kreis Ahrweiler : Das Wichtigste ist die deutsche Sprache

Beim Unternehmerfrühstück dreht sich alles um die Frage, wie Flüchtlinge möglichst schnell und ohne bürokratische Hürden in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Kein Thema beherrscht die Diskussionen in beinahe allen Bereichen des täglichen Lebens derzeit so sehr, wie die Flüchtlinge und die damit verbunden Chancen, Risiken und Problematiken. Insbesondere die Bewältigung der riesigen Zahl von Neuankömmlingen beschäftigt Behörden und private Initiativen vehement. Mit der „Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt“ beschäftigte sich gestern Morgen das erste Unternehmerfrühstück der Kreisverwaltung in der Ahr-Akademie.

Schon die Zahl von alleine rund 75 Anmeldungen zu diesem Treffen zeigte, wie intensiv sich mit dem Thema auseinandergesetzt wird. Tino Hackenbruch, Wirtschaftsförderer des Kreises, begrüßte in etwa zu gleichen Teilen Unternehmer, Behördenvertreter und Vertreter verschiedenster caritativer und sozialer Dienste.

Dabei ging es in erster Linie darum, die Unternehmen zu informieren, welche Hürden eigentlich zu nehmen sind, ehe ein Flüchtling überhaupt in den Arbeitsmarkt integriert werden kann. Die rechtliche Seite hierzu erläuterte Birgit Bach. Die Teamleiterin im Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter zeigte erst einmal auf, wie differenziert wird. „Nicht jeder Ausländer ist ein Flüchtling“, so Bach.

Unterschieden werde in erster Linie zwischen Asylbewerbern, Asylberechtigten, geduldeten Personen und Flüchtlingen mit begrenzter Aufenthaltserlaubnis. Wer ist für welche Gruppe in welchem Maße zuständig? Die lokale Arbeitsagentur, die Ausländerbehörde oder gar die Bundesagentur für Arbeit? Wer erteilt welche Genehmigungen? Wie sind die Fristen? Vieles wurde von Bach erläutert, letztendlich könnten sich die Vorschriften und Verfahren jedoch im Wochenrhythmus ändern. Daher verwies die Teamleiterin auch auf die Internetpräsenz der Arbeitsagentur, die immer auf dem neuesten Stand sei.

Was bieten die Kammern an?

Stefan Gustav machte für die Handwerkskammer Koblenz deutlich, dass man sich nicht erst seit der jüngsten Flüchtlingswelle mit dem Thema der Integration in den Arbeitsmarkt beschäftigte. Gustav wies in erster Linie auf das seit 2012 geltende Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz hin, das den Rechtsanspruch auf Prüfung der im Ausland erworbenen Qualifikationen regelt. Bernd Greulich, der regionale Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, berichtete von ähnlichen Verfahren wie im Handwerk und verwies auf die notwendige Anerkennung der Vorqualifikationen.

Werner Rex von der ökumenischen Flüchtlingshilfe ermahnte vor allen Dingen die Behörden, vor lauter Regelungen, Paragrafen und Papierkram den Menschen nicht zu vergessen. Es gebe nun einmal Flüchtlinge ohne Papiere, weil diese sich tagelang auf dem Meer aufgehalten hätten oder sie wegen eines illegalen Grenzübertritts in Rumänien inhaftiert worden seien, wo ihnen in der Regel sämtliches Hab und Gut weggenommen wurde. „Die Hürden der Verwaltung sind viel zu hoch“, so Rex, der das Beispiel eines derzeit im Ahrkreis lebenden, hoch qualifizierten Kardiologen vortrug. „Er darf hier noch nicht mal eine Spritze setzen oder aber überhaupt einmal den Blick in die tägliche Arbeit im Krankenhaus erhalten.“

Unternehmer Bernd Röhrig aus Sinzig drückte es noch deutlicher aus: „Da blickt doch kein Mensch mehr durch, das funktioniert nie. Jeder tut zwar sein Bestes, aber keiner koordiniert das. Wenn ich so mein Unternehmen führe, bin ich übermorgen pleite.“ Einig waren sich die Besucher der Veranstaltung zumindest darin, dass das Erlernen der deutschen Sprache unabdingbar für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt sei und das auch ein Praktikum in einem Unternehmen von größter Wichtigkeit ist.

Aber auch in diesem Punkten wurde differenziert. Welches Sprachniveau reicht für welchen Job? Die Sprachkenntnisse sind in sechs Niveaustufen unterteilt. Wie lange sollte ein Praktikum dauern und wie sollte der Praktikant entlohnt werden? „Mindestlohn zu verlangen, ist Schwachsinn“, meinte Werner Rex, obwohl er sich als auf der Seite der Flüchtlinge stehend bezeichnete. Es sei nur ein geringer Teil des Klientels in den Arbeitsmarkt integrierbar. Schon von daher würden die Barrieren der Verwaltungen und die Klagen der Unternehmen über fehlende Fachkräfte nicht zusammenpassen.

Aber es gab auch Lob für die Anstrengungen und Bemühungen der Verwaltungen. „Die Kreisverwaltung wird auf dem Gebiet weiter aktiv tätig sein“, so Tino Hackenbruch. So werde es voraussichtlich im Juni eine Firmenkontaktmesse mit dem Ziel geben, anerkannte Flüchtlinge und Unternehmen zusammenzubringen. Wer sich als Unternehmen dort präsentieren möchte, kann sich bei der Kreisverwaltung anmelden.