Heimersheim: Das Mittelalter hält Einzug zum historischen Weinfest

Heimersheim : Das Mittelalter hält Einzug zum historischen Weinfest

Schon aus der Ferne war der verlockende Klang von Sackpfeifen, Schalmeien, Lauten, Fideln und Schlagwerk zu hören. Und wer den Wegezoll entrichtet hatte, um eines der vier Einfallstore nach Heimersheim passieren zu können, war mittendrin im mittelalterlichen Getümmel des Historischen Weinfestes.

Auf Schritt und Tritt kreuzten Ritter, Recken, Knappen, Gaukler, Mägde, Vagabunden und Edelleute den Weg. Der ganze Ort hatte sich für ein Wochenende wieder in ein mittelalterliches Dorf verwandelt, um mit Tausenden Besuchern ein Fest nach "eygen Art" zu feiern.

In den Gassen herrschte geschäftiges Treiben des fahrenden Volkes. Krämer, Schmiede, Bogner, Mollenhauer, Wippdrechsler und Specksteinkünstler boten ihre Waren feil und ließen sich nur allzu gerne über die Schulter schauen. Und mit seinem flottem Mundwerk animierte der "Mäusemann" Walter Rath Kinder und Erwachsene, einen Taler auf eine seiner Wüstenrennmäuse "Wotan", "Thor" oder "Odin" zu setzen.

Im Hof des Hotels zum Stern feierte Zuberkönig Mariö standesgemäß sein zehnjähriges Jubiläum. Bei schweißtreibenden Temperaturen verharrte das Mitglied der Feytaler Ritterschaft den ganzen Tag im lauwarmen Wasser des geliehenen Badezubers.

Nur wenige Schritte entfernt hatte die Rotte der Landsknechte zu Köln ihr Lager aufgeschlagen, um von der fünf Meter langen Pike über Ritterschwerter bis hin zum Katzenbalger ihr Waffenarsenal auszustellen. Und beim "Eierquetschen" konnten Jung und Alt ihre Treffsicherheit beweisen.

Die örtlichen Vereine hatten den "Kesselflickerhof", den Gasthof "Zur Alten Wache" oder die "Sängerschenke" geöffnet, um vielerlei Gäste mit schmackhaftem Wein, geräuchertem Fisch, Küchlein und auch "gegrillter Wutz" zu verwöhnen.

"Flammkuchen und Gesöff" wurde im Königinnen-Hof von Maria I. (1967/68) und Julia I. (2000/01) serviert. Und auf der Bühne am Marktplatz unterhielt die Schar der Spielleyt die Besucher. Erstmals ins Heimersheimer Getümmel hatten sich die Sauenscheucher der Formatio "Porcae Pellere" und die Artistinnen der "Luscinia Obscura" gestürzt.

Mit fast einstündiger Verzögerung startete am Samstag der Festzug - der alljährliche Höhepunkt des Wochenendes. Ein Pferd am Gespann der Weinkönigin Vanessa I. hatte gescheut, so dass aus Bad Breisig Ersatz herbeigeschafft werden musste. Um so größer der Jubel als sich die 30 Gruppen ihren Weg durch Heimersheim bahnten.

Angeführt von den Spielleuten der Gruppe "Dopo Domani" brachten die Marktfrauen der Heimersheimer Möhnen frisch gepflückte Äpfel unters Volk. An der Spitze der Heimersheimer Schützen marschierte Schützenkaiser Dirk Weber. Gewandet in Kettenhemden und Ritterhelmen hatte sich der Deutsche Orden dem Spektakel ebenso angeschlossen wie die Söldner der Milites Sentiacum.

Die ungeteilte Aufmerksamkeit zog zum Abschluss die am Freitag proklamierte Weinkönigin Vanessa I. auf sich, die von ihrer rollenden Burg aus unermüdlich Handküsse an das ihr zujubelnde Volk verteilte.