Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN): Christoph Reinicke macht Gläubigern Hoffnungen

Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) : Christoph Reinicke macht Gläubigern Hoffnungen

Der Erste Beigeordnete der Kreisstadt, Detlef Koch, hat in der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) den Rücktritt des Vorstandes Christoph Reinicke gefordert, obwohl dieser gerade von der Versammlung entlastet worden war. Koch hatte Reinicke "Versagen" vorgeworfen. Das Vertrauen sei "vollständig zerstört".

"Die Stadt hat scheinbar kein Interesse daran, die Probleme konstruktiv mit uns zu lösen. Die Forderung der Stadt zeigt, dass sie das angebotene Gespräch nicht will. Sie dokumentiert, dass ihr anscheinend nichts am Standort der Firma und den Mitarbeitern gelegen ist", sagte Reinicke am Mittwoch dazu.

Bürgermeister Guido Orthen werde sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, sich der Treuepflichtverletzung schuldig zu machen. "Als Amtsträger hat sich das Aufsichtsratsmitglied allein am Gesellschaftsinteresse zu orientieren, auch wenn das nebenamtliche Aufsichtsratsmitglied in seiner Haupttätigkeit andere Interessen verfolgen muss", zitierte Reinicke ein Urteil des Bundesgerichtshofes.

Auf die Frage, ob die Gläubiger der AGBN, insbesondere die Handwerker und Dienstleister hoffen können, ihr Geld doch noch zu bekommen, sagte der AGBN-Vorstand auf GA-Anfrage: "Die oberste Aufgabe des Vorstandes in einer selbstverwalteten Insolvenz ist die Gläubigerbefriedigung. Wir werden alles dafür tun, dass diese ihr Geld bekommen."

Es werde zurzeit mit professioneller Unterstützung der Insolvenzplan erstellt. Der werde dann nach Eröffnung der Insolvenz mit dem Gläubigerausschuss und dem Sachwalter abgestimmt und dem Gericht zur Entscheidung vorgelegt.

Reinicke bestätigte dem GA, dass die Miete für die Villa Sibilla im September nicht überwiesen worden sei: "Der Sachwalter hat entschieden, eine Monatsmiete nicht zu zahlen. Alle anderen Zahlungen erfolgten fristgerecht und in voller Höhe."

Auch ging er auf die zu niedrig angesetzten Casino-Mieten und die daraus resultierenden Forderungen an die ehemaligen Vorstände zu Gunsten der AGBN ein: "Bei einem solchen Verfahren muss man sich auf einen langwierigen Prozess einstellen. Insofern hat dies zurzeit keinerlei Relevanz."

Wie berichtet, fordert das Unternehmen zudem 1,9 Millionen Euro angeblich zu Unrecht gezahlter Spielbankabgabe von der Kreisverwaltung zurück, die jedoch erklärt hatte, das Geld zu Recht vereinnahmt zu haben. Reinicke: "Wir vertreten hierzu eine andere Auffassung. Das müssen nun die Gerichte entscheiden."

Reinicke hofft, wieder Dividenden ausschütten zu können

Die Aktiengesellschaft soll nun so ausgerichtet werden, dass der operative Liquiditätsverzehr beendet und die notwendige Ertragsfähigkeit wieder hergestellt wird. Reinicke hofft sogar, dann wieder Dividenden ausschütten zu können. Bis dahin dürfte der Weg jedoch steinig sein. Die Umsatzerlöse sind im Geschäftsjahr 2014 stark gesunken, nämlich um 5,1 Prozent (von 9,1 auf 8,6 Millionen Euro). Die heftigsten Einbrüche gab es im Kur- und Badebetrieb.

Hier stürzten die Umsätze um fast 29 Prozent ab. Hauptursache: der Wegfall der Kurtaxeeinnahmen. Zudem hat die AGBN bei den Ertragsminderungen darunter zu leiden, dass die Spielbankabgabe, die 2013 noch 760.000 Euro betrug, bekanntlich nicht mehr vereinnahmt wird.

Insgesamt schloss das Geschäftsjahr 2014 mit einem Minus von 1,5 Millionen Euro ab. Im Jahr zuvor hatte die AGBN noch einen Überschuss von 915.000 Euro erzielt. Reinicke führt das Defizit auch auf den außerordentlichen Aufwand zurück, der im Zusammenhang mit Patronatserklärungen zur Finanzierung des laufenden Verlustes und Darlehensverpflichtungen zugunsten der Ahr-Thermen anfiel. 700.000 Euro hatte man an Liquiditätsunterstützungen geleistet.

Erheblicher Teil der Eigenmittel aufgezehrt

Verbessert hatte sich das Betriebsergebnis der Villa Sibilla (von fünf auf 5,12 Millionen Euro), obwohl die Jahresmiete für die Immobilie in 2012 von 1,76 Millionen auf rund zwei Millionen Euro zu Lasten der AGBN angehoben worden war.

Aufgrund des defizitären Kurbetriebs und des eigenfinanzierten Investitionsvolumens der vergangenen Jahre - insbesondere hatte man kräftig in die Sanierung des Steigenberger Hotels sowie in das Thermal-Badehaus investiert - wurde ein erheblicher Teil der Eigenmittel aufgezehrt, führte Reinicke aus.

Die Aufnahme von Krediten sei somit ab 2011 unvermeidbar gewesen. Zur Liquiditätssicherung sei in den zurückliegenden Jahren die Veräußerung von Grundbesitz nötig gewesen.