Deutsche Staatsgeheimnisse: Buch "Plan B. - Bonn, Berlin und ihre Regierungsbunker" liefert Enthüllungen

Deutsche Staatsgeheimnisse : Buch "Plan B. - Bonn, Berlin und ihre Regierungsbunker" liefert Enthüllungen

Es klingt wie ein Treppenwitz der Geschichte: Ausgerechnet im Referat Sicherheit der "Dienststelle Marienthal", das den Regierungsbunker als "Deutschlands Staatsgeheimnis Nummer 1" vor geheimdienstlicher Tätigkeit und Spionage nach außen abschotten sollte, hatte der US-Geheimdienst CIA seit Mitte der 1960er Jahre Spitzenleute positioniert.

So war die "Central Intelligence Agency" nicht nur über geheime Vorgänge bestens informiert, sondern übte jahrelang - ohne Wissen der Bundesregierung - Einfluss auf sicherheitsrelevante Bereiche aus. Das ergab die Auswertung von bisher unbekannten Akten im Bundesarchiv Koblenz.

Die verblüffenden Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Politologin Michaela Karle und der Autor Jörg Diester in ihrem Buch "Plan B. - Bonn, Berlin und ihre Regierungsbunker. Ein Ost-West-Dialog zum Kalten Krieg" veröffentlicht, das ab Freitag, 1. März, um 17 Uhr im Buchhandel erhältlich ist.

Im Mittelpunkt dieses wahrhaftigen Agententhrillers stehen der damalige Leiter des Referates Sicherheit der "Dienststelle Marienthal", Theo Saevecke, und der ehemalige Präsident des Bundeskriminalamtes, Paul Dickopf. Saevecke war beim BKA verantwortlich für "Hoch- und Landesverrat" und in dieser Funktion maßgeblich an der Besetzung der Spiegel-Redaktion beteiligt, die im Zuge der "Spiegel-Affäre" veranlasst worden war.

Später wurde er aus dem Polizeidienst entfernt und 1966 - unter Einflussnahme der CIA - im Regierungsbunker installiert. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1971 hatte Saevecke Zugriff auf sensible Daten und Geheimdossiers des Regierungsbunkers. Regelmäßig versorgte er den US-Geheimdienst nicht nur mit allen Informationen zur atomaren Trutzburg, sondern nahm in dessen Interesse gar Einfluss auf den Ablauf von NATO-Übungen im Bunker.

Aus Akten zu einer dieser Übungen im Jahr 1979 geht zudem hervor, wie sich die Bundesregierung auf den Ernstfall "3. Weltkrieg" vorbereitet hat. Die Dokumente belegen, dass militärische und zivil-bürokratische Kriegsführungen nicht kompatibel waren. Demnach war die Bundesregierung gar nicht in der Lage, NATO-Vorgaben an einen Weltkrieg zu erfüllen.

Im Buch "Plan B." arbeiten Experten und Autoren aus Ost und West gemeinsam deutsch-deutsche Geschichte auf. Neben dem Komplex Regierungsbunker kommen mit Wolfgang Schubert und Hans Walter jene Ingenieure zu Wort, die östlich und westlich des Eisernen Vorhangs die jeweiligen Regierungsbunker geplant und gebaut haben. Außerdem lässt Wilbert Herschbach vom Heimatvereins Alt-Ahrweiler die Geschichte vom Bunker hin zum Museum Revue passieren.

Vorgestellt werden das Werk und die Auswertung über beide deutsche Staatsgeheimnisse für den Extremfall am Samstag, 2. März, um 17 Uhr (ausverkauft) und um 19 Uhr in der Dokumentationsstätte Regierungsbunker in Ahrweiler. Anmeldung unter www.bunker-doku.de.